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Erkältungszeit: Wartezimmer sind voller roter Nasen

Von: Carmen Krämer
Letzte Aktualisierung:
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Derzeit scheinen ungewöhnlich viele Menschen in der Region von Grippe oder Erkältung betroffen zu sein. Ist das tatsächlich so oder nur ein subjektiver Eindruck? Foto: imago/Chromorange

Nordeifel. Alles beginnt mit einem leichten Kribbeln im Hals. Dann läuft die Nase und Arme und Beine fühlen sich schwerer an als sonst. Nachts kann man nicht schlafen, ständig ist einem zu heiß und dann wieder zu kalt und das Taschentuch darf nie fehlen. Es ist Winter- und damit Erkältungszeit.

Doch in diesem Winter scheint irgendetwas anders zu sein: Die Wartezimmer der Ärzte wirken seit einiger Zeit voller, selbst robustere Kollegen fehlen eine Woche oder mehr am Arbeitsplatz und wohin man blickt, sieht man Menschen mit Taschentüchern in der Hand. Herrscht aber wirklich eine extreme Erkältungswelle in diesem Jahr? Oder ist das nur ein subjektiver Eindruck?

Kein Notbetrieb

Fragt man bei den Kindergärten in der Region nach, so wird dieser Eindruck jedenfalls bestätigt: „Bei uns waren Ende Dezember, Anfang Januar sehr viele Kinder krank. Häufig war es sogar so, dass sie erst eine Erkältung hatten, zwei Tage im Kindergarten waren und dann mit Magen-Darm-Problemen wieder zu Hause blieben oder umgekehrt“, erklärt die Leiterin der Kindertagesstätte Lammersdorf, Svenja Röse.

Auch aus anderen Kindergärten habe sie von solchen Problemen gehört und da sei dann auch das Personal betroffen gewesen, wie Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion ebenfalls bemerkt: „Es herrscht derzeit ein hoher Krankenstand, aber bisher ist in der Städteregion noch alles stabil.

Das heißt, wir haben nirgendwo einen Notbetrieb und auch Schließungen stehen keine bevor.“ Welchen Tipp er Erziehern, Eltern und Kindern gebe um Ansteckung zu vermeiden? „Hygiene ist jetzt besonders wichtig. Regelmäßiges Händewaschen, Einmal-Taschentücher und nicht in die Hand, sondern in die Armbeuge niesen, sollte man den Kindern vermitteln.“ Problematisch ist es wohl auch, wenn infektiöse Kinder weiter in die Kindergärten gehen, wo sie andere Kinder und ihre Erzieher sehr schnell anstecken können.

Einige Kollegen des Pressesprechers seien ebenfalls erkrankt, „und die, die es erwischt, sind arm dran“, hat er beobachtet. Karin Hoffmann, Personalchefin der Firma Otto Junker in Lammersdorf, bestätigt zwar den Eindruck, dass derzeit sehr viele Mitarbeiter erkrankt sind, meint jedoch: „Vielleicht ist es ein bisschen mehr als in den Vorjahren, aber eigentlich hält sich das in Grenzen.“ Über den bevorstehenden Karneval macht sie sich keine Sorgen: „Die, die feiern wollen, nehmen sich frei. Und wir haben ja an Rosenmontag und Veilchendienstag Betriebsruhe.“

Etwas anders sieht es da in der Firma Weiss Druck aus, wie Kurt Maaßen, Leiter des Personalbüros, erklärt: „Wir haben im Moment beachtlich viele erkrankte Kollegen. Es ist wirklich auffallend, besonders weil die Karnevalstage ja erst noch bevorstehen.“ Ob es mehr Erkrankte sind als in den vergangenen Jahren kann er nicht mit Sicherheit sagen, aber sein Bauchgefühl lässt ihn ebendies vermuten. Bernhard Breuer, Centerleiter der Firma Aseag, meldete: „Der Krankenstand bei unseren Mitarbeitern im Fahrdienst ist so hoch wie nie. Wir können nicht ausschließen, dass es in den kommenden Tagen zu Beeinträchtigungen im Linienverkehr kommt, weil uns Personal fehlt.“

In gewisser Weise gut fürs Geschäft ist die hohe Zahl der Erkrankten wohl für die Apotheken. Auch Ottmar Kell, Apotheker in Simmerath, teilt den Eindruck, dass die Menschen derzeit außergewöhnlich lange und heftig erkrankt sind. „Ich habe keine Statistiken oder Zahlen, aber ich mache den Job jetzt schon seit 25 Jahren und mein Gefühl sagt mir, dass es ein sehr hartnäckiger Virus ist, von dem fast jeder betroffen ist.“ Das zeige sich auch an den Sonntagsdiensten. „Außerdem sind die Leute häufig für zwei Tage genesen und dann geht es wieder los“, so der Apotheker. „Oft schreien sie sofort nach Antibiotikum, aber gegen die Viren hilft das nicht. Man kann höchstens die Symptome behandeln und dem Körper zu einem stärkeren Immunsystem verhelfen.“

Einen speziellen Zusammenhang zwischen den Magen-Darm-Infekten und den Erkältungen sieht er ebenso wenig wie der Allgemeinmediziner Dr. Bernhard Jung, zu dem zahlreiche Patienten mit ihren Erkältungen in die Notfallpraxis kommen. „Wir haben es bei den Erkältungen offensichtlich mit einem außerordentlich wirkungsvollen Virusinfekt zu tun. Die Patienten klagen über einen akuten Symptombeginn, untypischerweise tritt sehr plötzlich relativ hohes Fieber ein und manchmal kommt es tatsächlich zeitnah zu Magen-Darm-Infekten.“ Das sei dadurch zu erklären, dass das Immunsystem, ist es einmal geschwächt, sehr viel anfälliger für neue Infekte sei. Das relativ milde Wetter der letzten Tage und die Tatsache, dass derzeit in der Region überall Karneval gefeiert wird, begünstige die Ansteckung natürlich, so der 44-Jährige.

Operationen ausgefallen

Im Simmerather Krankenhaus mussten derweil Operationen ausfallen, weil die Patienten durch Infektionen zu stark geschwächt waren, so Dr. Guido Schneiders, ärztlicher Leiter der Zentralambulanz. „Auch wir haben das Gefühl, dass derzeit viele Menschen erkrankt sind, meist kommen sie aber nicht zu uns, sondern gehen in die Praxen. Von einer dramatischen Welle kann man jedoch nicht sprechen.“

Letzlich sei es die typische Jahreszeit für diese Erkrankungen, die durch den Karneval noch bestärkt würden. „Schützen kann man sich durch gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und einen gesunden Lebensstil. Und natürlich, indem man an Karneval zu Hause bleibt“, scherzt der Chefarzt. Wer betroffen ist, solle spätestens zum Arzt gehen, wenn es länger als eine Woche dauert, um eine Lungenentzündung oder bakterielle Infektionen auszuschließen.

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