Eschweiler/Stolberg - „Erdgasversorgung in der Region ist sicher”

„Erdgasversorgung in der Region ist sicher”

Von: -jül-
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Gas wird in der Erde gespeichert: In Rehden betreibt die Wingas Deutschlands größten Erdgasspeicher. Foto: J. Lange

Eschweiler/Stolberg. Hat der Streit zwischen Russland und der Ukraine um einen neuen Erdgas-Liefervertrag Auswirkungen auf die Versorgung der Erdgas-Kunden in unserer Region? Immerhin ist die Ukraine ein wichtiges Transitland auch für deutsches Erdgas.

Dr. Oliver Skups, Leiter des Energieeinkaufs der EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH in Stolberg, nimmt im Gespräch mit unserer Zeitung zu diesem Thema Stellung.

Zeitgleich mit den tiefsten Temperaturen seit langem streitet sich das größte Erdgas-Lieferland, Russland, mit einem wichtigen Transitland, der Ukraine. Müssen die EWV-Kunden befürchten, dass die Heizung demnächst kalt bleibt?

Dr. Skups: Da besteht überhaupt kein Grund zur Sorge. Die EWV wird weiterhin jeden Kunden mit genug Erdgas beliefern, sei es für die Heizung, das warme Wasser oder fürs Kochen. Das gilt übrigens auch wenn die Temperaturen noch weiter fallen sollten.

Was macht Sie da so zuversichtlich?

Dr. Skups: Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit unseren vier Erdgaslieferanten, die von uns bestellten Mengen werden zu 100 Prozent geliefert. Unsere Lieferanten sind auch nur teilweise von russischem Erdgas abhängig, große Mengen des EWV-Erdgases kommen aus der Nordsee und weiteren Regionen.

Sie befürchten auch keine Lieferausfälle für den russischen Erdgas-Anteil?

Dr. Skups: Nein. Zu den EWV-Lieferanten gehört unter anderem auch das Unternehmen Wingas, einer der größten Importeure russischen Erdgases in Deutschland. Die Wingas erhält die größeren Mengen russischen Erdgases aber nicht über die Pipelines in der Ukraine, sondern über die davon unabhängige nördliche Importroute über Weißrussland und Polen. Darüber hinaus gehört der Wingas der größte natürliche Erdgasspeicher Westeuropas im norddeutschen Rehden. Mit seinem Erdgasvolumen von über vier Milliarden Kubikmetern umfasst er rund ein Fünftel der insgesamt in Deutschland verfügbaren Lagerkapazität. Alleine aus diesem Speicher könnten beispielsweise zwei Millionen Einfamilienhäuser ein Jahr lang versorgt werden.

Was ist denn ein natürlicher Erdgasspeicher?

Dr. Skups: Der Erdgasspeicher in Rehden besteht aus einer 20 bis 40 Meter dicken Gesteinsschicht, die sich in 2000 Metern Tiefe auf einer Fläche von rund acht Quadratkilometern erstreckt. Hier hat die Natur ein riesiges Reservoir geschaffen, in dem Erdgas über Jahrmillionen sicher gelagert war. Diese natürliche Erdgaslagerstätte wird heute weiterhin als Speicher genutzt.

Wie funktioniert die Speicherung von Erdgas konkret?

Dr. Skups: Die Ein- und Auslagerung des Erdgases erfolgt über Bohrungen in das poröse Speichergestein. In Niedrigverbrauchszeiten, also im Sommer, werden überschüssige Mengen aufgenommen. In Spitzenverbrauchszeiten, also jetzt im Winter, können schnell zusätzlich benötigte Erdgasmengen entnommen werden. Vor der Entnahme durchläuft das Gas noch diverse Stationen, wo es unter anderem gereinigt und getrocknet wird. Erst danach wird das Erdgas qualitätsgerecht in das Pipelinesystem zur Kundenbelieferung abgegeben.

Entdeckt und erschlossen wurde das Feld Rehden in den 1950er Jahren von der Wintershall AG, der Muttergesellschaft der Wingas. Seit dieser Zeit wird Erdgas aus drei übereinander liegenden Lagerstätten gefördert: aus Buntsandstein, Zechstein und Karbon.

Ein großer Teil der Zechsteinformation dient seit 1993 der Speicherung von Erdgas, das über Pipelines in den niedersächsischen Ort gelangt. Die Wingas betreibt in Europa ein Ferngasnetz von über 2000 Kilometer mit mehreren Übergabestationen sowie Stich- und Anschlussleitungen.

Innerhalb der drei übereinander liegenden Lagerstätten konzentriert sich Rehden auf die Zechsteinformation, die 1992 bereits weitgehend ausgefördert war. Rehden stellt mit rund 22 Prozent des in Deutschland insgesamt verfügbaren Speichervolumens einen ausgesprochen hohen Anteil.

16 Horizontalbohrungen werden für die Ein- und Ausspeicherung benutzt. Sieben Verdichteraggregate bringen das über Pipelines ankommende Erdgas auf den notwendigen Druck. Der Arbeitsdruck liegt zwischen 110 und 280 Bar, dem ursprünglich natürlichen Druckniveau der Lagerstätte.

Dass man Gas ein- und ausspeichert, hat seinen Grund in den starken Schwankungen des Verbrauchs. Als Energieträger für Raumwärme kann der Verbrauch im August auf zehn Prozent des Spitzenbedarfs vom Januar zurückgehen. Auch die Industrie benötigt Gas in unterschiedlichen Mengen.

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