Enthusiastisch gefeiert: „Lustige Witwe” bei der Monschau-Klassik

Von: Josef Schreier
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Der letzte große Operettenkla
Der letzte große Operettenklassiker, Franz Lehárs „Lustige Witwe”, wurde auf der Monschauer Burg von Ela Baumann relativ sparsam inszeniert. Auch das Bühnenbild war vergleichsweise spartanisch. Foto: Josef Schreier

Monschau. Trotz vergleichsweise günstiger Witterung blieben am Sonntag doch etliche Plätze leer, als auf der Burg im Rahmen der Monschau-Klassik die „lustige Witwe” gastierte. Woran mag es gelegen haben? Ist die Operette vielleicht doch nicht mehr gar so zeitgemäß oder attraktiv?

Im Allgemeinen krankt die Operette ja wirklich daran, dass sie menschliche Beziehungen und Probleme in einem arg trivialen, manchmal sogar albernen Rahmen behandelt.

So ist wohl auch in der „Lustigen Witwe” die wundersame Wandlung des lebenslustigen, offenbar balkan-slawischen Diplomaten Danilo Danilowitsch - man hat ihn vielleicht noch im brüchigen Tenor von Johannes Heesters im Ohr, dem man eine Affinität zur Halbwelt der Pariser „Grisetten” durchaus abnahm - heute nicht mehr so interessant. Und die beinahe zynische Hymne auf das „Studium der Weiber”, das gar so schwer sei, passt in die heutige Welt der Gleichberechtigung auch nicht sehr gut hinein.

Nun, immerhin ist die „Lustige Witwe” - der letzte große Klassiker des Opretten-Genres - schon mehr als hundert Jahre alt. Damals war die etwas schmierige Verbindung von Halbwelt, Politik und Kommerz, so wie sie hier dargeboten wird, wohl durchaus aktuell. Aber heute könnte man vielleicht versuchen, eine Spur zur Gegenwart zu ziehen oder den ernsten Hintergrund des Plots (Staatsbankrott) sichtbar zu machen.

Die relativ sparsame Inszenierung der Kölner Kammeroper (Regie Ela Baumann) machte sich diese Mühe nicht, sondern setzte neben einigen choreographisch ansprechenden Bewegungs-Szenen vor allem auf die üblichen und erwartbaren „Gags”.

Auch das sehr karge Bühnenbild hatte möglicherweise den Sinn, vor allem auf die Musik die Aufmerksamkeit zu lenken. Die melodischen Einfälle des Komponisten Franz Lehár verdienen dies auf jeden Fall. Das slawische Kolorit erfasst der aus Ungarn stammende Lehár natürlich ausgezeichnet. Das Vilja-Lied sowie der berühmte Walzer „Lippen schweigen” ragen musikalisch heraus.

Die sängerischen Leistungen des Nachmittags verdienten durchweg Respekt. Hervorragend vor allem der Bariton Wolf H. Latzel, der den Danilo darstellte. Die sympathische Ausstrahlung von Stimme und Gestalt lenkte mehr auf das seelische Drama zwischen Danilo und Hanna hin. Das Liebesduett am Schluss - eben der genannte Walzer - konnte daher auch musikalisch als Höhepunkt erscheinen.

Die Hanna Glawari von Rebekka Maeder hatte es im Vergleich dazu fast etwas schwer, konnte sich aber gut behaupten. Sie hatte schließlich mit dem Vilja-Lied das zweite große musikalische Highlight ganz für sich, das sie bewegend gestaltete.

Neben den beiden Hauptfiguren gibt es in der „lustigen Witwe” noch ein zweites Paar, das vom Komponisten musikalisch gut ausgestattet ist. Es ist die Gattin des balkanischen Gesandten, die sich ihren französischen Verehrer nur mit Mühe vom Leibe halten kann.

Dieses zweite Paar ist nicht - wie sonst in der Operette und auch bei Lehár meist - im Buffogenre angesiedelt, sondern hat durchaus seriösen Charakter, was vor allem für die Tenorpartie des Camille de Rosillon gilt. Julika Birke und Antonio Rivera meisterten ihre Partien vorbildlich.

Die weiteren Nebengestalten, wie der Gesandte Baron Zeta oder das Kanzleifaktotum Njegus, hielten sich im Rahmen des „komischen” Faches. Emanuel Pichler und (in einer reinen Sprechrolle) Volker Hein machten ihre Sache gut.

Dankenswert ist das Engagement der Kölner Symphoniker unter der Leitung von Inga Hilsberg und des Ensembles der Kammeroper Köln im Ganzen. Inga Hilsberg hielt das musikalische Geschehen unauffällig und souverän zusammen, - was nicht ganz selbstverständlich war, angesichts der räumlichen Distanz zwischen Orchester und Bühne.

Die Übertragungsanlage bereitete dem Zuhörer diesmal wieder ein wenig Schwierigkeiten, vor allem bei Ensembleszenen. An einigen wenigen Stellen trat bei der Tontechnik eine Übersteuerung ein.

Der Applaus des Publikums war nach dem ersten Akt noch etwas verhalten, am Schluss aber herzlich und enthusiastisch.
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