Ensemble „Wortspiel“: In eine kleine und verrückte Welt entführt

Von: M. S.
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Eine chaotische Familie: Das Ensemble „Wortspiel“ begeisterte in der voll besetzten Aula des St.-Michael-Gymnasiums mehr als 200 Besucher mit mit rabenschwarzem Humor.

Mützenich/Monschau. Manche Zeitgenossen haben „eine Leiche im Keller“. Zur Premiere der Komödie „Für die Familie kann man nichts“ saß dagegen eine „Leiche mit Familienanschluss“ auf der Couch in der guten Stube der Chaotensippe Beierle, grinste vielsagend, rollte wild mit den Augen und machte Faxen als gelenkiger Bodenturner.

Das anfänglich perplexe Publikum war begeistert und machte die unerwartet präsentierten, ideenreichen Übungen des Ensembles „Wortspiel“ im Theaterverein Concordia Mützenich im Geiste temperamentvoll mit.

Der Dreiakter aus der Feder des erfolgsgewohnten Autors Hans Schimmel vom Kreativteam des Bonner Plausus-Theaterverlags erfreute am Abend des zweiten Weihnachtstages mehr als 200 Besucher in der voll besetzten Aula des Monschauer St.-Michael-Gymnasiums. Schimmel schreibt ausschließlich Lustspiele, erzählt humorvolle Geschichten mit Knalleffekt, keine Massenware, „weil das Leben ohnehin ernst genug ist, die Menschen wollen für zwei Stunden den Alltag vergessen. Lachen ist schließlich sehr gesund.“ Der seit Jahren auf deutschen Bühnen vielgespielte Boulevardschriftsteller Schimmel macht deshalb, postuliert er sein künstlerisches Anliegen, „mit jeder Vorstellung meiner Werke den Zuschauern ein persönliches Geschenk“.

Geister entpuppen sich als Nieten

Während draußen vereinzelte Schneeflocken doch noch einen Hauch von weißer Weihnacht ankündigten, sorgte Regisseurin Brigitte Palm auf der Bühne für Wärme; sie studierte vor dem „ersten Vorhang“ mit ihrer hoch motivierten Laienspielschar Konzentrations- und Lockerungsübungen ein.

Der in Monschau präsentierte Schwank mit rabenschwarzem Humor à la Gruselmeister Hitchcocks Krimiklassiker mit Augenblinzeln („Ärger mit Harry“) entführte das Publikum unter Spielleiterin Palms Ägide in die kleine, verrückte Welt der Gebrüder „Fürchterlich“ (sprich Beierle). Friedhelm, strenger, aber gegen die Narreteien seiner Familie letztendlich machtloser Chef des Hauses und auf Freiersfüßen (Roland Kaspar), hat mit seinen Brüdern Willi und Hubbi (Michael Sommer, Ralf Steffens) ständig seine liebe Müh und Not. Die beiden verkannten Genies sind Erfinder von eigenen Gnaden und international gefürchtete Computerhacker, sprich Tölpel.

Nach dreimonatiger, fleißiger Probenarbeit stellte sich auch zur Erstaufführung für die Regie das logistische, genial gelöste Problem, dass laut Drehbuchvorlage teilweise alle 18 mitwirkenden Schauspieler und Schauspielerinnen zugleich auf den kaum ausreichenden Brettern standen und sich dennoch dank ausgeklügelt platzierter Rollenverteilung nicht im Wege waren. Denn rings um den Verblichenen Albert (Manfred Strang) pulsierte das pralle Leben. In mimisch perfekter Pantomime wurde kommuniziert, spiritistische Sitzungen hatten zweifelhafte Resonanz. Die gerufenen Geister und Spukgestalten entpuppten sich – zum geistigen Horizont des Hauses passend – als hoffnungslose Nieten.

Ein Vor-Silvester-Feuerwerk entfachten alle Akteure, einer wie der andere mit Herzblut und Verve mit seiner Rolle verbunden. Von den Zuschauern mit spontanen Brüllern und herzlichem Szenenapplaus quittiert.

Zu allem Verdruss ihrer Lieben ist Hermine (Annemarie Stollenwerk ) auf Ego und Esoteriktrip; sie schwört auf fernöstliche Reinigungsriten „von innen“ statt auf die heimische Badewanne. Verständlich, dass ihre Angehörigen flehentlich ihr „Verduften“ fordern. Vergeblich!

Weitere Aufführung

Die Handlung des Lustspiels kletterte bis zum Finale von Höhepunkt zu Höhepunkt. Etwa, als es den ansonsten zum Einschlafen langsam sprechenden Protagonisten per PC gelang, Kontakte zum französischen Botschafter herzustellen, „damit der sich mit der Bundeskanzlerin zum zärtlichen Tête à Tête trifft“.

Das Stück über die „jecke Familich“ wurde vergangenen Samstag erneut aufgeführt und steht am Sonntag, 4. Januar (15 Uhr), sowie am 10. Januar, 19 Uhr 30, erneut auf dem Spielplan .

Die Charaktere des Stücks wurden von Manfred Strang, Annemie Stollenwerk, Michel Sommer, Roland Kaspar, Hermine Schmitz, Michael Funken, Friederike Dörr, Petra Jollet, Lydia Grau. Ralf Steffens, Wolfgang Schmitz, Ronja Läufer, Sonja Funken und Mona Jansen überzeugend gemimt. Hinter den Kulissen und in der Technik trugen zum trefflichen Gelingen des Auftaktprogramms auch Michael Funken, Frederike Dörr, Hagen Kaspar, Andrea Lenzen, Wolfgang Schmitz , Uschi Kaspar und Paintbox-Grafik bei.

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