Einmal Eifler heißt für immer Eifler

Von: Felix Lennertz
Letzte Aktualisierung:
Plaudert in seinem neuen Buch
Plaudert in seinem neuen Buch aus dem Eifler Nähkästchen: Jupp Hammerschmidt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Männern wie Jupp Hammerschmidt und Hubert vom Venn ist es im Wesentlichen zu verdanken, dass der Eifler mitunter als Kultfigur gilt. Die beiden haben als „Die Zwei aus der Eifel” jahrzehntelang für Furore gesorgt und die liebenswerten Eigenheiten der Eifler zur Marke gemünzt.

Bald ist Schluss - in wenigen Wochen geben die beiden als Duo ihren definitiv letzten Auftritt, passenderweise in einem Bestattungshaus am Aachener Büchel. Grund zur Sorge ist das für die Fans allerdings nicht: „Wir machen jeder weiter, nur dann als Einzelkämpfer”, sagte Jupp Hammerschmidt am Mittwoch, ab 2012 startet er mit einem Soloprogramm durch.

In seinem neuen Buch „Das Klümpchensglas” pflegt Hammerschmidt, er ist selber aus Höfen, die Marke „Eifler” liebevoll weiter. In 22 Kurzgeschichten destilliert er einmal mehr heraus, wieso der Eifler gar nicht anders sein kann, als er ist. Er schaut mit Humor und Charme in vergangene Tage zurück - damals, als es in den Eifel-dörfern, zwischen hohen Buchenhecken und bei schneidendem Westwind, noch ums Wesentliche ging, um Essen und Fortpflanzung, und als es noch der große Sport der Höfener war, bloß nichts mit denen aus Kalterherberg zu tun zu haben.

Viele der Geschichten hat Hammerschmidt selbst erlebt. Der Buchtitel bezieht sich auf das Klümpchensammeln in der Fastenzeit und der Verzehr der Süßigkeiten „alle auf einmal” am Karsamstag mittags, wenn die „Glocken aus Rom vom Brei essen zurück waren, so hat man uns das damals erzählt”. Am Ostersonntag sei dann zu den Klümpchen in den Eingeweiden noch gekochte Eier gekommen. Wegen der drohenden Darmwinde habe man dann in der Eifel die Osterspaziergänge erfunden, „die Leute wären sonst in ihren niedrigen Häuschen erstickt”.

Auf munteren 143 Seiten erinnert sich Hammerschmidt an den Charme des Landlebens in der Eifel in den 50er Jahren - und schildert vergnüglich die verschwundenen Sitten und Gebräuche, die es so sicherlich nicht nur in der Eifel gab. Allerdings schwingt ein Hauch Wehmut in den Geschichten von einst mit. Hammerschmidt sagt: So wie früher sei es nicht mehr, „alles ist irgendwie sauberer und quadratischer geworden”.

Der Zusammenhalt auf den Dörfern, der sei auch nicht mehr das, was er mal war, „alles ist jetzt sauberer, es gibt weniger Fortpflanzung, wir waren 17 Kinder zuHause”, das war damals eben so üblich. Und dann kamen die vermaledeiten Städter, die Millionäre aus Köln, die die Fachwerkhütten „auf Hochglanz versaut haben”. Viele Dörfer seien jetzt mit Zugezogenen verwässert - und der Zusammenhalt in den Dörfern zwischen Kirmes und Karneval, den gebe es auch nicht mehr.

Jupp Hammerschmidt: „Das Klümpchensglas”, Grenzecho-Verlag, ISBN 978-3-86712-060-9, 10 Euro.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert