Einfache Dinge steigen zu Spezialitäten auf

Von: P. St.
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Die Spezialitäten-Hersteller der Altstadt Monschau und Vertreter des Geschichtsvereins des Monschauer Landes kamen im Restaurant Schnabuleum anlässlich der Neuerscheinung des Büchleins „Kleine Geschichte der Monschauer Spezialitäten” zusammen. Autor ist Dr. Toni Offermann (Mi.). Foto: P. Stollenwerk

Monschau. Els, Dütchen, Pechklötzchen, Senf und Kaffee: Wer denkt da nicht an Monschau? Es war aber ein langer Weg bis diese teilweise ganz alltäglichen Genussmittel zu inzwischen weithin bekannten Spezialitäten aufstiegen sind.

Dass diese Popularität ganz eng mit dem Aufschwung des Fremdenverkehrs in Monschau verbunden ist, ist im soeben erschienenen Büchlein „Kleine Geschichte der Montjoier Spezialitäten” nachzulesen. Intensiv, aber auch ebenso distanziert, beschäftigt sich der Autor Dr. Toni Offermann mit Geschichte und Ursprung von Dütchen & Co. Erschienen ist das kompakte Werk als 10. Veröffentlichung in der Reihe „Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes”, die vom Geschichtsverein des Monschauer Landes herausgegeben wird. Vorgestellt wurde es jetzt an historischer Stätte - dem Restaurant Schnabuleum an der historischen Senfmühle in Monschau.

Dem Autor Dr. Toni Offermann, geboren 1950 in Kommern, Lehrer am Städt. Gymnasium in Schleiden und in der Region wohl bekannt durch zahlreiche regionalgeschichtliche Veröffentlichungen, geht es in seinem auf Fakten beruhenden Beitrag vor allem darum, „die sozialgeschichtlichen Bezüge und Hintergründe” der genannten Produkte herauszuarbeiten. Regionale Produkte, und das gilt nicht für die Monschauer Spezialitäten, seien von ihrer ursprünglichen Bedeutung hier im Alltag „entfremdet” worden und dienten heute weitgehend nur noch als „Objekte des gewerblich-touristischen Kommerzes.”

So ist dem Autor auch nicht daran gelegen, den Aufstieg der Monschauer Spezialitäten mit weiteren regionalbezogenen Sentimentalitäten auszustatten; vielmehr belegt Toni Offermann, dass der Bekanntheitsgrad der Produkte eng mit der Entdeckung des Fremdenverkehrs verbunden ist und einer sich damit „verändernden Wahrnehmung der Stadt.”

Die Auseinandersetzung mit den allseits bekannten Monschauer Spezialitäten ist für Toni Offermann keineswegs Neuland.

Bereits 1986 beschäftigte er sich im Rahmen einer Projektwoche am Monschauer St. Michael-Gymnasium mit der Thematik. Die damals für das Projekt hergestellten neuen „Spezialitäten” wie Pralinen mit Elsfüllung oder Weingummi mit Elsgeschmack konnten sich zwar nicht am Markt behaupten, aber immerhin wuchs die Materialsammlung, und so erschien 1993 im Selbstverlag eine Broschüre, die zum Ziel hatte, die Herkunft und Entstehung der bekanntesten Monschauer Spezialitäten auf der Grundlage verlässlicher Quellen herauszuarbeiten. In überarbeiteter und umfangreicherer Form wird diese Darstellung nun mit dem neuen Büchlein fortgesetzt, wobei auch durchaus unterhaltsame Betrachtungsweisen als Teil der Regionalgeschichte Monschauer Spezialitäten nicht fehlen.

Wer trank eigentlich Els? Wie war es generell in früherer Zeit um den Alkoholgenuss in der Region bestellt? Wer konnte sich überhaupt Dütchen leisten? Woher stammen die Originalrezepte? Diese und andere Fragen werden umfassend beantwortet, wenn auch die gesicherten historischen Belege mitunter dünn gesät sind.

Nicht in der Veröffentlichung Platz gefunden haben die Monschauer Vennbrocken, die einen Bezug zum früheren Torfstechen herstellen.

Diese Marzipan-Spezialität gibt es zwar seit 40 Jahren, aber die Verankerung in der alltagsgeschichtlichen Tradition war aus der Sicht des Autors noch nicht prägend genug.

Dank für gelungene Recherche

Bei der Buchpräsentation dankte dankte Werner Maaßen im Namen der Altstädter Spezialitäten-Hersteller Dr. Toni Offermann für die gelungene Recherche-Arbeit. Für Monschauer Bürger wie auch Gäste sei dieses Buch ein aufschlussreicher und spannender Beitrag zu Stadtgeschichte.

„Dütchen” besitzen die längste Tradition als Monschauer Spezialität

Als im Jahr 1885 erstmals nachweislich in einem Reiseführer des „Monschauer Verschönerungsvereins” die Dütchen erwähnt wurden, dachte wohl noch niemand daran, dass die mit Sahne gefüllte Biskuit-Tüte einmal als Monschauer Spezialität in vieler Munde sein würde. Die Dütchen sind mit Sicherheit Monschaus älteste Spezialität und ihr Ursprung liegt weit vor der erwähnten Veröffentlichung.

Auch der Els hat eine lange Tradition. Mindestens seit 1850 kann seine Herstellung nachgewiesen werden. Auch in vielen Häusern wurde der Kräuterschnaps selbst angesetzt. Eine Produktion auf Gut Reichenstein gab es nachweislich erst seit 1945.

Die „Pechklötzchen” können ebenfalls auf eine lange Tradition zurückblicken. Ihre Existenz kann man bis mindestens ins Jahr 1885 zurückverfolgen. Heute werden die süßen Klötzchen, bei denen es sich im Wesentlichen um verbrannten Zucker handelt, nicht mehr hergestellt.

Den Monschauer Senf gibt es nachweislich seit 1883. Durch eine geschickte Vermarktung, besonders in jüngster Zeit, dürfte der Montjoier Senf überregional das bekannteste Produkt aus Monschau sein. Den Ursprung des Geschäftes legte im Jahr 1883 Clemens August Breuer, als er die Senfherstellung in Monschau per Anzeige bekannt gab.

Der Kaffee aus Monschau ist seit 2004 wieder zu großer Popularität aufgestiegen, seit die Gebrüder Peter und Werner Maaßen die einst bedeutendste Monschauer Rösterei Wilhelm Maaßen wieder aufleben ließen und nach alter Tradition schonend ihren Kaffee herstellen. Das Brennen in Kaffee in Monschau ist seit mindestens 1886 nachgewiesen.

Diese Fakten und vieles mehr ist nachzulesen im Büchlein „Kleine Geschichte der Montjoier Spezialitäten” von Toni Offermann, herausgegeben vom Geschichtsverein des Monschauer Landes.

Erschienen ist es im Helios-Verlag Aachen in einer Auflage von 500 Stück. Es umfasst 74 Seiten mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen. Für Mitglieder des Geschichtsvereins kostet es 7 Euro, im Buchhandel 9,80 Euro.

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