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Eine gänzlich jecke Familie

Von: KARL-HEINZ HOFFMANN
Letzte Aktualisierung:
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Familienbilder-Potpouri durch vier Jahrzehnte Karneval. Oben links 1976 Dieter Offermann als Karnevalsprinz mit Ehefrau Ute als Mariechen auf dem Prunkwagen und rechts 2004 mit Tochter Natascha bei einer Playback-Nummer. Foto: Hoffmann
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Ausnahmsweise ruhig auf dem Sofa sitzend: Die „total jecke Karnevalsfamilie“ mit Dieter Offermann, Ehefrau Ute und Tochter Natascha Mingers. Ute Offermann feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum und am Karnevalssonntag mit ihrem Mann Hochzeitstag. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Lammersdorf. So mancher feiert einfach nur gerne Karneval, während ein wesentlich kleinerer Teil mit viel Engagement durch Veranstaltungen und Vorträge, Tänze, Comedy-Shows und sonstige Bühnenauftritte dazu beiträgt, dass die anderen feste feiern können. Von Letzteren gibt es auch in unserer Region einige.

 Zur Rubrik „Die total jecke Familie“ zählen auch die Offermanns aus Lammersdorf. Für Dieter und Ute Offermann nebst Tochter Natascha Mingers ist eigentlich das ganze Jahr über Karneval.

Die „Offermann-Company“, wie sie in heimischen Karnevalskreisen gerne genannt wird, hat über vier Jahrzehnte und zwei Generationen hinweg dem Fastelovend, vielen Tanzgruppen, Mariechen und Elferräten ihren auch über den Ort hinaus anerkannten Qualitätsstempel aufgedrückt.

Familienoberhaupt Dieter Offermann (74) stellt inzwischen den ruhenden Pol der Familie dar und wirkt im Hintergrund beratend, wenn „seine beiden Frauen“ Choreographien, Showeinlagen, Kostüme, Musikzusammenstellungen, Playbackshows und sonstige Dinge planen. „Und wenn bei den Beiden Training von Mariechen, Garden und Gruppen ansteht, also in der Session von Montags bis Freitags, bin ich für das Sitten der zwei Enkel zuständig“, verrät Dieter Offermann augenzwinkernd.

Er stieg zum ersten Mal mit 17 Jahren in die Bütt. Dies dann auch vor 50 Jahren (1954) gleich so erfolgreich, dass er als Preis für den besten Jungbüttenredner bei der Fahrschule Maus in Lammersdorf den Führerschein machen durfte. Dann ging es mit der Karnevalskarriere Schlag auf Schlag: Funkengarde, Fanfarenkorps, Elferrat, Karnevalsprinz (1976), Kommandant der Prinzengarde, Komitee und stellvertretender Vorsitzender.

Voll in seinem Element war Senior Offermann dann nach vielen tollen Büttenreden aber 30 Jahre lang (1974 bis 2004) auf der Bühne bei der Präsentation vieler Play-backshows.

Für seine Klasse sprach, dass er auch in größeren „Karnevalshochburgen“ gebucht wurde. Seine Auftritte als Heino, Gottfried Wendehals, Marika Röck, Liza Minelli, die Eifel-Tenöre, Max Raabe und die Comedian Harmonists seien hier nur als Beispiel erwähnt. Dass Offermann, der 2004 den Ehrenhut der Karnevalsfreunde erhielt, sich 1971 das Kesternicher Tanzmariechen Ute Jansen „krallte“ und in den Stand der Ehe führte, passt in das Bild des Mannes, der Karneval nicht nur feiert, sondern liebt und „lebt“.

Besagtes Fräulein Jansen (Ute Offermann) feiert in diesem Jahr zwei äußerst seltene Bühnenjubiläen: „Vor 50 Jahren habe ich zum ersten Mal als Kindermariechen auf der Bühne gestanden und 1974, also vor 40 Jahren, bin ich in Lammersdorf zum ersten Mal als Mariechen über die Bühne gewirbelt“, verrät Ute Offermann (63) mit strahlenden Augen.

Später machte sie sich in der Region durch die Einstudierung von Tänzen mit Gruppen und Mariechen einen Namen und avancierte zur Verbandstrainerin. Das „Schwanenballett“ von 1989 mit Chefarzt Dr. Schwacke und anderen Prominenten sowie die „Sieben Zwerge“ (2009) seien hier nur als zwei Highlights genannt, die das Publikum begeisterten.

Über 200 Tänze hat Ute Offermann bis heute mit Garden, Elferräten, Mariechen und Gruppen einstudiert. Zudem gründete sie 2004 die Jugendgarde des Vereins und sammelte mit Tochter Natascha im Bereich der Tanzgarden, Mariechen und Showtänze über 50 Pokale. Dass man dabei in der Regel ganz oben auf dem Treppchen stand, verschweigt Mutter Offermann im Gespräch bescheiden.

Tochter Natascha (Mingers), Chefin des Aushängeschildes der Karnevalsfreunde Lammersdorf (KFL), der Showtanzgruppe „Dancefire“, trat 1986 in die Fußstapfen der Eltern.

Als Achtjährige trat sie mit Papa Dieter in eine seiner Shows auf und war spätestens seitdem Tanz und Karneval verfallen. Die Trainerin mit C-Lizenz des BdK und Jury-Mitglied des VKag, die von 2000 bis 2005 auch bei den Oecher Printe tanzte, leitet seit 2005 auch die Ehrengarde des Vereins. Dazu sind bei ihr und Mutter Ute noch sieben Mariechen aus der Region im Training. In diesem Jahr hat die Mutter zweier kleiner Kinder neun Choreographien erstellt, wozu sie anmerkt: „Während der Session machen wir uns schon Gedanken, wie die Tänze nächstes Jahr aussehen sollen“.

Eine Mammutarbeit also, so dass es nicht verwundert, wenn darüber nachgedacht wird, etwas kürzer zu treten. Hierzu steht ihr „Lieblingskind“ Dancefire nicht zur Diskussion, versichert Natascha Mingers, die im übrigen ihrem Ehemann Frank dankbar ist, dass er den ganzen Karnevals- rummel seit Jahren verständnisvoll mitmacht.

Zum Schluss gibt es zur „total jecken Karnevalsfamilie“ noch eine schöne und eine trau rige Nachricht. Am Karnevalssonntag (wann sonst?) feiern Ute und Dieter Offermann ihren Hochzeitstag. Da sollten bei der Familiensitzung im Festzelt die Sektkorken der Karnevalsfreunde knallen. Und dann möchte Ute Offermann zugleich Abschied nehmen vom Engagement im Karneval: „Aschermittwoch will ich in Rente gehen“, erklärt sie eisern.

Die Karnevalsszene in der Region wird sie schmerzlich vermissen, und bei den Mädels der Tanzgarden und den Mariechen wird sicher manches Tränchen fließen, wenn Ute Offermann „Tschüss“ sagt.

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