Simmerath - Eine Briefmarke für den Nationalpark

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Eine Briefmarke für den Nationalpark

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Der Nationalpark Eifel erhält ab Donnerstag eine eigene Sondermarke. Foto: Verena Müller

Simmerath. Unscheinbar ist sie, um nicht zu sagen langweilig, die allererste Briefmarke. Ein rot-weißes Abbild des Pädagogen August Fröbel, in nicht allzu gutem Zustand und eigentlich auch nichts wert. Heino Teping aus Simmerath-Huppenbroich war auf dem Weg zur Schule, als er sie im Dreck auf dem Gehweg liegen sah.

Ohne zu zögern hob er sie auf. „Ich fand sie einfach hübsch”, sagt der 60-Jährige, der damals in die zweite Klasse ging. Er hat sie bis heute aufbewahrt, auch besser erhaltenere Exemplare dieser Marke sind heute Bestandteil seiner umfangreichen Sammlung. An ihrer Vervollständigung arbeitet er seit fünf Jahren wieder intensiv, seit er wegen einer seltenen Erkrankung seine Augenarztpraxis aufgeben musste.

Bald bekommt er seine eigene Briefmarke, mit der eine Lücke in einer Themenreihe geschlossen wird. Das war selbst der Post nicht bewusst. „Bis 2005 waren alles Nationalparke mit einer Sonderbriefmarke geehrt worden. Aber vom Nationalpark Eifel erschien einfach keine”, sagt Teping. Als dann 2007 erstmals Bürger Vorschläge für Sonderbriefmarken machen konnten, schlug er in einer knappen E-Mail den von seinem Haus wenige Kilometer entfernten Nationalpark vor.

Ebenso knapp war die Antwort: Er habe den Ideenwettbewerb Setze ein Zeichen gewonnen. „Ihre Idee Nationalpark Eifel wurde ins Sondermarkenprogramm 2009 aufgenommen”, heißt es in dem Brief des ausschreibenden Finanzministeriums. Ab Donnerstag kann man sie in allen Postfilialen kaufen.

Früh aufstehen und vor der Filiale campieren wird Teping am Donnerstag aber nicht. „Das war früher mal so”, winkt er ab. Inzwischen bestellt er seine Marken Monate im Voraus über die Homepage der Post. Obwohl er Ideengeber der Marke ist, bekommt er sie nicht früher zugeschickt. Teping sieht´s gelassen, schließlich ist auch langfristig mit großer Wertsteigerung nicht zu rechnen. Dafür sei die Auflage viel zu hoch. Rund drei Millionen hat sie. Kein Vergleich zu sehr seltenen Marken wie beispielsweise aus Danzig aus Zeiten, als die Stadt zum Deutschen Reich gehörte.

Teping sammelt nicht etwa bestimmte Motive oder Jahrzehnte, sondern ab 1850 bis heute alle deutschen Marken. Ungebraucht und gestempelt, also jede Marke zwei Mal. Ein Teil stammt aus der Sammlung seines Opas, die er 1974 geerbt hatte. Ganze Sommerferien hatte er als Kind bei den Großeltern in Gemünd verbracht, sagt Teping. „Da gab es das einzige Schwimmbad weit und breit. Das war toll!” Aber noch besser, als schwimmen zu gehen, sei gewesen, wenn der Opa ihn sonntags mit zum Frühschoppen nahm.

Erst hat er noch überlegt, ob er Großvaters Sammlung verkaufen soll. „Nee, das kannste nicht machen, sammel mal lieber weiter”, hat er dann schnell beschlossen. Lange lief das Sammeln so nebenher, erst seit ein paar Jahren durchstöbert Teping das Internet täglich, um die Lücken in den Briefmarkenreihen zu schließen. „Letztens habe ich eine aus den 30er Jahren für 580 Euro entdeckt, die laut Katalog 4000 Euro wert ist”, sagt Teping mit leuchtenden Augen. Eine andere stellte sich als Reinfall heraus. Sie gibt es in zwei Versionen, es war doch nicht die seltene, wie erhofft. Also erhielt sie keinen Platz in Tepings Album.

Die Alben sind ein bisschen wie Sammelhefte für Einklebebildchen aufgebaut: Auf den Seiten gibt es Felder mit Folie, hinter der man die Marke legen kann. Einkleben darf man die Marken nicht, sonst sind sie nichts mehr wert.

Dass Teping nun so etwas wie seine eigene Marke hat, lässt ihn nicht in Jubel ausbrechen. „Das war fast logisch, wenn fast alle Nationalparks schon eine Marke haben”, sagt er. Ein bisschen schade findet er nur, dass es - wie sonst eigentlich üblich - keine feierliche Übergabe an den Nationalpark gab. Zu dem hat er übrigens so gut wie keinen Draht. „Ich wohne nur in der Nähe, das ist alles”, sagt er.

Der Nationalpark Eifel wird ein Urwald

Im Nationalpark Eifel werden fünf Jahre nach der Gründung mittlerweile 40 Prozent der Fläche nicht mehr vom Menschen angerührt. In 25 Jahren sollen es 75 Prozent des 110 Hektar großen Schutzgebietes sein.

Das wichtigste Projekt der nächsten Jahre ist das Nationalparkzentrum Vogelsang mit einer Ausstellung zu den Besonderheiten des Nationalparks, die ab 2012 zu besichtigen sein soll. Ein Konzept für die Ausstellung liegt allerdings noch nicht vor, das Investitionsvolumen soll bei etwa drei Millionen Euro liegen.

Naturschützer kritisieren nach wie vor das Wegenetz. Die Präsenz der Wanderer auch in ökologisch empfindlichen Gebieten entspreche nicht dem Schutzgedanken. Die Nationalparkverwaltung sagt dagegen: „Der Mensch darf aus dem Nationalpark nicht ausgeschlossen werden.”
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