Eindrucksvolles Konzert des Minsker Streichquartetts in Roetgen

Von: js
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In Spiellaune: Das Minsker Streichquartett bei seinem Gastspiel in der evangelischen Kirche in Roetgen. Foto: Josef Schreier

Roetgen. Das Konzert des Minsker Streichquartetts in der evangelischen Kirche gehört schon seit einigen Jahren zum Standardprogramm des Advents in Roetgen. Dabei mag es durchaus ein bemerkenswerter Gegenakzent gegen das rummelmäßige Getriebe der Vorweihnachtszeit sein, dass die jungen weißrussischen Musiker auch diesmal in dieser Hinsicht keinerlei naheliegende Erwartungen befriedigten.

Im ersten Teil des Konzerts hörten die begeisterten Zuhörer zwei Perlen der klassischen Streichquartettliteratur. Das war einmal der bemerkenswerte Streichquartettsatz in c-Moll aus dem Jahre 1820 (mit der Nummerierung D 703), in dem der 23-jährige Franz Schubert mit formalen Experimenten emotionale Extremsituationen zu bewältigen sucht. Dieses Werk in Verbindung gesetzt zu sehen mit dem rund 30 Jahre später entstandenen F-Moll-Streichquartett op. 80 von Felix Mendelssohn-Bartholdy stellte allein schon einen musikalischen Erkenntnisgewinn für die Zuhörer dar. Denn auf diese Weise wurde auch der noch immer oft unterschätzte spätere Komponist zurecht in die Reihe derjenigen Komponisten gestellt, die das musikalische Denken der Moderne in neue Bahnen gebracht haben.

In jeder Weise erstaunlich

Die Interpretation dieser Werke durch die weißrussischen Künstler war in jeder Weise erstaunlich. Noch mehr als in den Vorjahren entfaltete sich von Beginn an ein beinahe orchestraler Klang, in dem jede einzelne Stimme zu ihrem Recht kam und der doch zugleich, als ein wohlabgestimmtes Ganzes begeisterte. Jeder einzelne der vier Musiker darf in dieser Hinsicht eigens hervorgehoben, nicht nur der - in einzelnen Passagen naturgemäß stimmführende - junge Geiger und Primarius Pavel Batsian, sondern ebenso der zweite Violinist Aleksei Ulasenka, der Bratscher Vladimir Khimoroda und besonders der Cellist Denis Skliarov, der auch durch das Programm führte und wohl so etwas wie der gute Geist des Ensembles ist.

Wenn es im zweiten Teil etwas populärer und eingängiger zuging, so zerstreuten sich die vielleicht auftretenden Bedenken wiederum schnell durch die Qualität des Gebotenen. Neben einer kleinen „Melodie“ von Peter Tschaikowski gefielen besonders die Streichquartett-Bearbeitungen einiger Stücke von Sergej Prokofieff aus dessen Ballett „Romeo und Julia“ sowie die des oft und gern gehörten Marsches aus seiner Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“.

So gab es nach dem Ende des Konzertsauch stehende Ovationen, die die Künstler zu nicht weniger als drei Zugaben veranlassten. Zwischen dem wohlbekannten Schlusssatz aus der ersten sogenannten „Salzburger Sinfonie“ von Mozart und dem ebenso berühmten „Air“ von J. S. Bach machte sich das allzu populäre, wenn nicht gar kitschig zu nennende Stück „Schön Rosmarin“ von Fritz Kreisler schon etwas seltsam aus. Dennoch ergab sich ein harmonisches und nachvollziehbares Ganzes.

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