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Ein schönes und völlig verregnetes Fußballfest

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Nass und kalt, aber dennoch sehr schön: Die Zuschauer mussten beim Fußballturnier von Alemannia Aachen gegen die kubanische Nationalmannschaft einiges aushalten. Doch die erwärmten sich mit kräftigem Anfeuern.

Mützenich. „Met die paar Mann”, meinte ein Eifeler Fußballfan mit Blick auf den sich aufwärmenden Alemannia-Kader, dürfte es schwer werden, schwarz-gelbe Aufstiegsträume blühen zu lassen. So ganz Unrecht hatte der Eifeler Fußballfan nicht.

Da dürfen nicht viele ausfallen, sonst passiert das, was eigentlich nicht dem Reglement entspricht und in der Liga unmöglich ist: Patrick Milchraum, zur Halbzeit von Trainer Jürgen Seeberger in der Kabine zurückgelassen, musste nach dem Ausscheiden von Markus Daun in Halbzeit zwei nochmal ran. Letzterer schaffte es mit einem dicken Eisbeutel auf dem Fuß nach der rustikalen Grätsche eines Kubaners so gerade noch in die Umkleide.

Nachwuchssorgen dürfte die Alemannia indes nicht bekommen, denn die E-Jugend ließ den Nachwuchskickern der SG Monschau-Mützenich-Imgenbroich beim 6:1 keine Chance. Der Torwart der SG verhinderte mit einigen Glanzparaden und guten Reflexen sogar Schlimmeres. Die Knirpse mussten nach dem Abpfiff zunächst im Regen stehen und anschließend als Zugabe noch einige Kombinationen und Torraumszenen auf den Platz zaubern, damit das WDR-Fernsehen etwas zu drehen hatte.

Wetter aus dem Venn

Pünktlich zum Anpfiff hörte es dann auf, langsam zu regnen. Es goss wie aus Kübeln. Ein Eingeborener sollte Recht behalten. Der hatte nämlich kurz vor Spielbeginn geweissagt: „Das Wetter hat gedreht, das kommt jetzt direkt aus dem Venn, und da sieht es nicht gut aus.”

Bevor der Schiri jedoch auf seiner Pfeife trillerte, gab es nach erheiternden Worten von Sportmoderator Stephan Kaussen, die kubanische Nationalhymne. Wie angewurzelt standen die Männer au der Karibik, ihrer Nationalflagge zugewandt. Der „Maximo Lider” wäre stolz auf sie gewesen.

Ein Teil der zirka 2500 Besucher hatte unterdessen andere Sorgen. Es regnete ins Bier! Katastrophe! Schneller trinken war ein probates Mittel, zumal das Spiel so früh in der Saisonvorbereitung nichts wirklich Erwärmendes bot, abgesehen vom Führungstor der Alemannia durch Neuling Thorsten Burghardt, dessen fulminanter Schuss aus 25 Metern vom Innenpfosten ins Netz trudelte.

Auf der Suche nach Erwärmendem war das Publikum erfinderisch, spekulierte, ob womöglich Sascha Dum oder sonst jemand Bekanntes an den Tivoli zurückkehre, jetzt, wo Geld in der Kasse sei, und hielt Ausschau nach „karibischen Schönheiten”, die unter Capes und Regenschirmen aber nicht auszumachen waren.



Während in der Halbzeitpause „Tout Montjoie” in der wie auf einem Feldherrenhügel errichteten „VIP-Lounge” mit mühsam von den Wassermassen geschützten belegten Brötchen versorgt wurde, kaute Erik Meijer auf einem der etwa 2000 georderten Brühwürstchen herum.

Die Geschichte der zweiten Halbzeit ist schnell erzählt: Alemannia schickte sieben Neue auf den zu Recht von Bürgermeister Theo Steinröx gerühmten Mützenicher Rasen, was dem Spielfluss nicht gut tat, die Kubaner nutzen zwei kapitale Schnitzer der Aachener Deckung zur Führung, die Kameraden des Löschzugs der Freiwilligen Feuerwehr trafen am Getränkestand ein und das Auge des Gesetzes warf selbiges auf das Spielgeschehen.

Kurz vor Spielende, als die Hoffnung auf das 2:2 schwand, machten sich viele Fans völlig durchnässt auf den Heimweg. Auf den Weg ins Carat-Hotel machten sich die beiden Teams, wo Steinröx ein Büffet hatte auffahren lassen. „Die haben alle nur ihre Tellerchen gegessen und waren schnell wieder weg”, beschreibt Erwin Sauer, Vorsitzender des TuS Mützenich, den Ablauf. Irgendwann war der harte Monschauer Kern dann unter sich, bis gegen 23.30 Uhr das Taxi kam.

Erwin Sauers Resümee fällt ausgesprochen positiv aus: „Wir haben alles organisiert, was es zu organisieren gab, damit es ein schöner Fußballabend wird. Es war ein schöner Fußballabend, von dem, nach Abzug aller Kosten, sicherlich noch etwas für die Jugendabteilung übrig bleiben wird. Und für das Wetter können wir auch nichts.” Wohl wahr!

Gefühlt wie im Winter

Die Kubaner jedenfalls entpuppten sich als relativ winterhart, denn elf Grad und Dauerregen hat für Menschen aus der Karibik wahrscheinlich gefühlt etwas Sibirisches. Gerade deshalb hatte Sauer mit einem Aachener Sieg gerechnet: „Dass die gegen solche Exoten verlieren, hatte ich nicht gedacht. Ich hatte 4:1 für die Alemannia getippt.”

Kein Grund zur Traurigkeit. Am ersten Ligaspieltag beim Karlsruher SC kann Versäumtes nachgeholt werden, auch „met die paar Mann”.
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