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Ein Ort der Stille und der inneren Einkehr

Von: dm
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Unterstützung in schweren Zeiten: Links in der eigentlichen Grotte der betende Christus, rechts ein Engel, der dem Herrn in seiner Todesangst beistehen will. Foto: dm

Widdau. In der kleinen Grotte gleich an der Dorfstraße, die von Widdau hoch nach Rohren führt, da wohnt der Frieden. Die Ruhe, die von diesem heiligen Ort ausgeht, dringt tief in Herz und Seele. Selbst die Autos und die vielen Motorräder, die auf der steilen Straße unterwegs sind, stören den Frieden innen drin nicht.

Brennende Kerzen und frische Blumen zeigen an, dass die Ölberg-Grotte von Widdau, auch Todesangst-Grotte genannt, oft besucht wird von Menschen, die für Augenblicke den Lärm der Welt da draußen vergessen wollen, von Menschen, die Ruhe finden wollen für ihre Gedanken und ihr Gebet. „Vielen Dank 1989” steht da auf einer kleinen Holztafel zu lesen. Und auf einer anderen Tafel hat jemand, der Hilfe erhalten hat, notiert: „Zum Dank I.M.”

Die Grotte von Widdau an der Dorfstraße, der Kreisstraße 26, die steil hinauf nach Rohren führt, liegt ein wenig versteckt in der Böschung der Dorfstraße. Talwärts führt rechts eine gut 50 Meter lange Fahrspur, die mit Steinen ausgefüllt ist, ganz nahe an der Grotte vorbei.

Bäume, Thujas, Lärchen standen bislang oben auf dem Hang, der von Waldbeersträuchern überwuchert wurde. Vor wenigen Wochen wurde in dem Gestrüpp kräftig aufgeräumt, dazu wurden auch die Thujas abgeholzt, so dass das „Dach” der Grotte nun wieder mehr Luft und Licht bekommt. Dafür haben Walter Lauscher und Ludwig Steffen gesorgt.

Wer das Eisentor am Eingang, von Efeu umrankt, öffnet, gelangt zunächst in einen kleinen Vorhof, der wie ein Gang zur eigentlichen Grotte führt. Ein recht bunt bemalter Kreuzweg, wohl aus Gips gefertigt, erzählt die Stationen des Leidens und Sterbens Christi.

Links in der eigentlichen Grotte der betende Christus, rechts ein Engel, der dem Herrn in seiner Todesangst beistehen will. Vor Jahren war der Engel aus der Grotte plötzlich verschwunden. Unbekannte Diebe hatten die 1,10 Meter große Figur gestohlen.

Entführter Engel

Auf den Engel hatten Diebe es schon wiederholt abgesehen. Auch im Sommer 1985 hatte irgendjemand den Engel entführt. Pater Laurentius Englisch, der Künstler aus dem Franziskaner-Kloster Vossenack, hatte dann nach einer Fotografie des alten Engel einen neuen modelliert. Pater Laurentius hatte dann wieder einen neuen Engel mit Kelch geschaffen, der seit Gründonnerstag 1990 in der Widdauer Grotte steht.

Schon mehrmals haben Diebe den kleinen Opferkasten in der Grotte aufgebrochen, doch da ist nie viel Geld drin, höchstens ein paar Cent vom Opfergeld für die Kerzen, erzählen Monika und Hans Krings, die ersten Nachbarn der Grotte. Sie kümmern sich schon seit Jahren um die kleine Stätte, sie besorgen die Kerzen und den Blumenschmuck, sie fegen die Grotte und schaffen den Unrat, den andere hinterlassen, weg.

Zwei kleine Bänke laden zum stillen Gebet, zum Innewerden ein. Wer sich auf die Atmosphäre der Todesangst-Grotte einlässt, der spürt bald die himmlische Ruhe und den Frieden, der in der Grotte wohnt.

Die frischen Blumen neben den künstlichen und die brennenden Kerzen zeigen, dass die Grotte oft besucht wird. Im Hintergrund der Grotte ist eine Darstellung zu erkennen: die schlafenden Jünger Jesus.

Eine kleine Bronzetafel rechts neben dem Eingang erzählt kurz die Geschichte der Ölberg-Grotte von Widdau: Franz-Josef Hesseler, der von 1900 bis 1906 Pfarrer in Rohren war, hat die Ölberg-Grotte errichten lassen. Fuhrleute aus Rohren und Widdau schafften rund 80 Fuhren Bruchsteine und etwa 30 Fuhren Sand aus der Rur nach Widdau hinauf.

Im Hand- und Spanndienst haben die Bürger die Grotte errichtet. Ein Grund für das Projekt: Die älteren Menschen aus Widdau, die den beschwerlichen Weg hinauf zur Kirche nach Rohren nicht mehr schafften, sollte eine würdige Stätte für ihr Gebet erhalten, immerhin macht der Höhenunterschied mehr als 100 Meter aus.

Neuer Anstrich

Vor ungefähr 105 Jahren, am 26. Juli 1904, wurde die kleine Grotte eingeweiht. Der Chronist berichtete damals im „Montjoie„r Volksblatt” über die „Todesangst-Grotte mit Kreuzweg”: „Der Besucher erblickt den Heiland in andächtigem Gebet versunken. Dem Künstler ist es meisterhaft gelungen, der lebensgroßen Statue den tiefernsten, flehenden Blick einzuhauchen, man glaubt förmlich, den Heiland lebend zu schauen.” Günter Cremer aus Rohren, Maler und Anstreicher im Ruhestand, hat der Christus-Figur unlängst einen neuen Anstrich gegeben, sodass sie gleichsam in neuem Glanz erstrahlt. Demnächst will er den Kreuzweg mit dezenten Farben bearbeiten.

Karfreitagsprozession

Die Ölberg-Grotte von Widdau ist benannt nach dem Ölberg in Jerusalem:, dem Berg an dessen Fuße Jesus im Garten Getsemani gefangen genommen wurde. Vom Ölberg aus ist Jesus in Jerusalem eingezogen und in den Himmel aufgefahren.

Die Ölberg-Grotte in Widdau - sie ist auch heute immer wieder das Ziel von Menschen: von Wanderern, die ein wenig rasten wollen, von Gläubigen, im innere Ruhe suchen und Hoffnung.

Zur Tradition gehört seit vielen Jahren eine Karfreitagsprozession, von Rohren hinab zur Grotte nach Widdau, - so auch am kommenden Karfreitag (10. April) um 9 Uhr ab der Kirche in Rohren.
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