Ein noch recht zartes Pflänzchen namens Kompromiss

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:

Roetgen. Entschieden wurde am Dienstagabend nach fast dreistündiger Debatte im Roetgener Gemeinderat zum Thema Schule nichts.

Zum Glück, denn das zarte Pflänzchen „Kompromiss” wäre samt Wurzeln ins Nichts katapultiert worden. So aber besteht die Möglichkeit, heute in der Gesellschafterversammlung der Roetgener Gemeinde-Entwicklungs-Gesellschaft (RGEG) in erweiterter Runde die in Rede stehenden Varianten zu diskutieren.

Der Rat soll dann in einer weiteren Sondersitzung möglichst einen Kompromiss durchwinken, der Mehrkosten und Zeitverzögerung in erträglichem Rahmen hält. So jedenfalls hat sich Bürgermeister Manfred Eis das weitere Prozedere vorgestellt,

Trotz der spürbaren Kompromissbereitschaft war der Ton zeitweise rüde. Alte Geschichten kamen zur Sprache, alte Wunden brachen auf. Da waren Rechnungen offen. Etliche Kommunalpolitiker reagierten bisweilen reichlich dünnhäutig, andere wieder polterten wie in besten Nahkampfzeiten los. Architekt Gerhard Wittfeld war nicht vor Ort. Er war anderweitig terminlich gebunden, hatte seine Mitarbeiter Jasna Moritz und Ulf Wimmers in die Höhle des Löwen geschickt.

Die Beiden schlugen sich gut, aber für SPD-Fraktionschef Klaus-Jörg Onasch nicht gut genug. Sein Informationsbedürfnis ging über das hinaus, was die Architekten ihm zu bieten hatten. Er wolle Zahlen nicht nur präsentiert bekommen, er erwarte sie so aufbereitet, dass er ihre Entstehung nachvollziehen könne. Außerdem kritisierte Onasch die mangelnde Kommunikationsbereitschaft des Architekturbüros: „Sie müssen sich schon Mühe geben!”

Diesen Vorwurf wiesen Wimmers und Moritz entschieden zurück, wie sie sich auch gegen die ihrer Meinung nach unverhältnismäßige Kritik aus der Roetgener Politik verwahrten. Direkte Kommunikation sei nur mit RGEG erlaubt. Mit den Fraktionen sei sie per Vertrag ausdrücklich untersagt. Auch sei es nicht richtig, dass Kada-Wittfeld seine Teilnahme an der Ratssitzung im April abgesagt habe. Nach Rücksprache mit dem RGEG-Geschäftsführer hätten die WFG und Kada-Wittfeld auf eine Teilnahme verzichten können, weil die wesentlichen Informationen zuvor bei der RGEG kommuniziert worden seien.

Für UWG-Fraktionsvorsitzende Silvia Bourceau war diese Information neu. Es habe schon „eine andere Qualität”, ob jemand seine Teilnahme absage oder nach Rücksprache auf seine Teilnahme verzichten könne.

Dr. Axel Thomas, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) der Städteregion, der in der Zwischenzeit die beratende Tätigkeit der WFG mit der RGEG ausgekündigt hat, erklärte, dass möglicherweise Informationen von der RGEG nicht an die Ratsfraktionen weitergegeben worden seien. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dämmerte es einigen, dass es wahrscheinlich an der Schnittstelle RGEG einen Kommunikationsstau in beide Richtungen gegeben haben könnte. So hockte denn auch der inzwischen zurückgetretene Geschäftsführer Hubert Pauls zeitweise zusammengesunken wie ein Häufchen Elend auf seinem Stuhl.

„Ein Stück aus dem Tollhaus”

Als ein „Stück aus dem Tollhaus” bezeichnete es Klaus Onasch, dass es ausgerechnet den Fraktionen, die seinerzeit als Jamaika-Koalition der Gemeinde die Suppe eingebrockt hätten, jetzt um das Wohl der Kinder gehe. Von einer finanziellen „Punktlandung” in den beiden ersten Bauabschnitten, wie von der CDU bejubelt, sei man „meilenweit entfernt”. Nur durch permanentes Streichen von Leistungen sei es gelungen, im finanziellen Rahmen zu bleiben.

Bei der aktuellen Budgetüberschreitung handele es sich eben nicht, wie von CDU-Fraktionschef Michael Seidel formuliert, prozentual um „Peanuts”, sondern um knapp 400.000 Euro, schloss sich Silvia Bourceau an. Hätte man nicht beispielsweise „eine ganze Etage” aus dem Programm gestrichen, wäre man den gutachterlich errechneten Gesamtkosten von 9,3 Millionen Euro schon bedenklich näher als derzeit.

„Jeder muss sich bewegen”

Michael Seidel wollte am liebsten so weitermachen wie bisher: Das Budget wird ohne viel Getöse entsprechend erhöht und weiter gehts. Seinem Fraktionskollegen Stephan Speitkamp war allerdings rasch klar, dass daraus nichts werden würde. Er appellierte an die Kompromissbereitschaft aller Ratskollegen. Jeder müsse sich bewegen und dürfe nicht auf seiner Position verharren. Wie strapazierfähig diese Kompromissbereitschaft ist, wird sich heute in der RGEG-Sitzung zeigen. Aber es wird auch darum gehen, der Bitte von Schulleiterin Elisabeth Gerhards-Eckert zu folgen: Man müsse „sehr genau hinsehen”, was noch nötig sei.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert