Ein ganz neues Reich für echte Königinnen

Von: Helga Giesen
Letzte Aktualisierung:
bienen-bu
Der Roetgener Imker Dietmar Bothe (links) freut sich mit den Vorstandsmitgliedern Josef Kessel und Ulrike Groteclaes vom Eupener Bienenzuchtverein über den Erfolg der neuen Belegstation für Königinnen in Ternell. Den bisher zwölf von Vereinsmitgliedern hergestellten Wabenschutzkästen sollen weitere folgen. Foto: Giesen

Ternell. Sanftmütig, ertragstark und gesund, so wünschen sich die Imker ihre Bienenvölker. Um diese Eigenschaften zu erreichen, bedarf es einer sorgfältigen Züchtung. Deshalb hat der „Königliche Bienenzuchtverein Eupen und Umgebung” auf Ternell eine Belegstation für Königinnen eingerichtet.

Der „Probelauf” in diesem Sommer habe sich sehr gut bewährt und wird deshalb wohl zur festen Einrichtung werden, berichtet der Roetgener Imker Dietmar Bothe, der sich bei den Eupener Bienenfreunden engagiert. Er hat 2003 durch einen Imkerkurs in Ternell zu seinem Hobby gefunden und ist, nachdem er in Welkenraedt Bienen übernahm, dem Verein treu geblieben.

Dass Bienen fleißige Honigsammlerinnen sein sollen, versteht sich von selbst. Wie wichtig Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten ist, zeigen die Alarmmeldungen über Bienensterben in jüngster Zeit. Aber auch Sanftmut ist eine hoch geschätzte Charaktereigenschaft, denn hektische und aggressive Bienen erschweren nicht nur den Imkern die Arbeit, sondern sie sind auch bei Nachbarn nicht gerade beliebt.

Entscheidend für die Vererbung der gewünschten Charaktereigenschaften sind neben den Königinnen, die im Laufe ihrer vier bis fünf Lebensjahre bis zu 200.000 Eier pro Saison legen, die Drohnen. Während ihres einzigen „Hochzeitsfluges” im ersten Lebensjahr paart sich die junge Königin gleich mit zehn bis zwölf Drohnen und zehrt von dem dabei angelegten Samenvorrat ihr ganzes Leben lang.

Während der Imker die Eigenschaften seiner Königinnen genau kennt, bergen die von den Drohnen eingebrachten ein großes Risiko, wenn die Begattung dem Zufall überlassen wird. Diese Erfahrung musste auch schon Josef Kessel, Vorsitzender des Eupener Bienenzuchtvereins, machen. Er musste sieben Königinnen austauschen, nachdem sich seine Bienen der als ruhig und sanftmütig bekannten Rasse Carnica mit den weniger friedlichen Schwarzen Bienen eines Nachbarn gekreuzt hatten.

Für eine gezielte Begattung, die solche „Pannen” vermeiden hilft, sei ein entlegener Ort wie das Naturschutzgebiet um Ternell deshalb ideal, berichten die Züchter. Im Umkreis von mehreren Kilometern finden die Königinnen hier keine anderen als die eigens eingebrachten, streng selektierten Drohnen. Und dies auch noch in weit höherer Zahl als in der freien Natur. Deshalb sei auch die Erfolgsquote mit rund 90 Prozent sehr hoch, ziehen die Eupener Imker ein zufriedenstellendes Fazit. Mehr als 100 Königinnen waren bis Ende Juli aus der Grenzregion nach Ternell gebracht worden.

Für die Einrichtung und Betreibung der Belegstation haben die Vereinsmitglieder großes Engagement aufgewendet. Dazu zählt nicht nur die Herstellung der bisher zwölf Schutzkästchen, in denen die in speziellen Begattungskästen - den so genannten Einwabenkästen - nach Ternell gebrachten Königinnen mit ihrem Hofstaat für jeweils zwei Wochen untergebracht werden. Ehrenamtliche Belegstellenwarte regeln auch alle Formalitäten der Anlieferung und Abholung und kümmern sich zudem um die Fütterung, denn in der eher kargen Umgebung von Ternell finden sie nicht genügend natürliche Nahrung.

Der Königliche Bienenzuchtverein Eupen zeichnet in Zusammenarbeit mit dem Naturzentrum Haus Ternell auch für die Ausbildung von Imkern verantwortlich. In Kursen zum „zertifizierten Imker” erhalten hier interessierte Laien das Rüstzeug für die selbstständige Ausübung ihres Hobbys.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert