Dylan, Brecht und eine falsche June Carter bei den Festspielen

Von: Nadine Preller
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Blicken mit voller Erwartung gen klassischen Sommer: Bürgermeisterin Margareta Ritter, Peter Oppermann, Chefdramaturg Staatstheater Trier, Dirigent Juri Gilbo, Dorit Schlieper, Vorsitzende Förderverein Monschau Klassik, Mezzosopranistin Kristina Stanek, Liedermacher Günter Hochgürtel (v.l.) und Alexander Lenders, Verlagsleiter Weißdruck Foto: Nadine Preller

Monschau. Während die Rur langsam unter ihm dahinplätschert, steht der junge Günter Hochgürtel mit seiner Gitarre im Arm in der Monschauer Altstadt auf einer Brücke, spielt um ein paar Mark, die ihm Passanten zuwerfen. Das war vor mehr als 30 Jahren.

Immer wieder schweift damals Hochgürtels Blick hoch gen Monschauer Burg - und während der Musiker Klassiker der RocknRoll Geschichte zum Besten gibt, träumt er von der großen Karriere. Hannes Wader, einer der letzten großen deutschen Liedermacher, war damals schon Vorbild für den heutigen Eifel-Troubadour. „Das ist unglaublich für mich, dass ich dieses Jahr auf derselben Bühne stehen darf, wie er”, erklärt Hochgürtel überschwänglich. Denn Wader, der hat gemeinsam mit Konstantin Wecker die Monschau Klassik im vergangenen Jahr eröffnet. Und in diesem Jahr ist es Günter Hochgürtel.

Gemeinsam mit Jens Streifling, der schon mit Größen wie Udo Lindenberg oder BAP gearbeitet hat und mit Hannes Schöner jetzt Mitglied der Kultband Höhner ist, Gero Körner, Wolf Simon, Hermann Heuser und Tato Gomez eröffnet er den Abend der Liedermacher am ersten Monschau Klassik-Wochenende, Freitag, 13. Juli.

Die ungewöhnliche Kombination dieser Protagonisten, aber auch die schräge Mischung aus Songs, Chansons und Liedern von Berthold Brecht bis zu den Beatles, versprechen einen wild-wirren und abwechslungsreichen Abend. Nicht zuletzt auch deshalb, „weil wir zuweilen spontan zwei Stunden vor Konzertbeginn das komplette Programm umwerfen”, bekundet Hochgürtel lachend.

Die Klinke in die Hand gibt sich Hochgürtel mit dem Staatstheater Trier, das am Samstag, 14. Juli, Shakespeares Sommernachtstraum auf die Burgbühne bringt. Helmut Lanio, Geschäftsführer des Monschau Festivals: „Ich freue mich, dass wir wieder den Mut haben, nicht nur Operetten, Musicals und Opern, sondern auch wieder ein Schauspiel zu präsentieren.” Die Aufführung der Trierer Gruppe ist zugleich die deutsche Open Air-Erstaufführung der Schauspiel-Übersetzung von Heinz Rudolf Kunze. Der Rockpoet und Buchautor, dessen Sommernachtstraum-Musical vor einigen Jahren in Hannover mit überregionaler Resonanz zur Uraufführung kam, hat seine Adaption des Shakespeare-Klassikers für das Theater Trier exklusiv als Schauspielfassung eingerichtet.

Bürgermeisterin Margareta Ritter verspricht sich Einiges vom Programm im Sommer: „Es ist ein wunderbares Gefühl, dass mit so vielem privatem Engagement aller Beteiligten unsere Stadt mit kultureller Vielfalt Menschen aus der ganzen Region anlockt. Das macht mich sehr stolz.” Während Ritter das sagt, strahlen ihre Augen. Das liegt vielleicht auch an dem großen Gesang von Kristina Stanek, die mit einer Evita-Darbietung und „Dont Cry for Me Argentina” bereits im Vorfeld der Festspiele die Veranstalter und Beteiligten verzauberte. Die Mezzosopranistin verspricht ohnehin frischen Wind in Webbers Musical-Fassung zubringen, wenn die ausgebildete Opernsängerin im Sommer in die Rolle einer Musical-Sängerin schlüpft.

Am Sonntag, 15. Juli, können dann Besucher die Wirren und Leiden der ehrgeizigen Provinzschönheit Eva Perón hautnah mitverfolgen, die als First Lady Argentiniens an der Seite des Diktators Juan Perón mit ihrem Krebsleiden zu kämpfen hat.

Aufgeführt wird das Musical in Monschau von Musiktheatersolisten, Opernchor und Extrachor des Theaters Trier sowie dem Philharmonischen Orchester. Nicht nur für Peter Oppermann, Chefdramaturg, „mehr als eine Herausforderung, zum ersten Mal auf einer Open-Air-Bühne zu stehen.”

Auch Juri Gilbo, ein großartiges Talent der neuen Dirigentengeneration, schätzt den Freiluftfaktor in Monschau. „Vor einigen Jahren besuchte ich eine Opernaufführung in einer kleinen Stadt in der Ukraine”, erzählt der in St. Petersburg geborene Musiker. „Wow, was war das für eine Atmosphäre. Ein Stück, dass eigentlich auf eine Weltbühne gehörte. Auf genau so eine Stimmung freue ich mich hier in Monschau.” Gleich bei mehreren Aufführungen wird er mit seinem Talent Musik zum Leben erwecken.

Neben den klassischen Opern - „Eine Nacht in Venedig” von Johann Strauß am Samstag, 21. Juli, die „Zauberflöte” von Wolfgang Amadeus Mozart am Sonntag, 22. Juli und „Tosca” von Giacomo Puccini am Samstag, 28. Juli - geht es mit Helen Schneider am Freitag, 20. Juli, in eine einzigartige Melange von Jazz, Pop und Blues. In der Festspielstadt wird der Weltstar sein Bühnen-Programm „Juke Box Blues” präsentieren. Dafür schlüpft die extravagante Sängerin nicht zum ersten Mal in Amerikas Country-Legende June Carter. Die gab sie zuvor schon im Theaterstück „Hello, Im Johnny Cash”.

Persönliche Evergreens, das ist das Programm der Sängerin: Songs aus dem Great American Songbook, von Bob Dylan, Leonard Cohen oder Sting.

Die Amerikanerin tourte bereits mit Künstlern wie Willi Dixon oder Weather Report durch die USA, bevor Udo Lindenberg sie über den großen Teich holte, mit ihr in West- und Ostdeutschland auftrat. Schneider war die erste westliche Künstlerin, die im DDR-Palast auftreten durfte. In ein paar Monaten steht sie auf der Burgbühne in Monschau.

Die Monschauer Festspiele 2012 finden an drei aufeinander folgenden Wochenenden vom 13. Juli bis 29. Juli auf der Burg Monschau statt.

Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Infos und Ticket-Hotline unter Tel. 02472/804828 oder 02472/80480.
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