„Durch abgelegene Lage keine Integration möglich”

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Simmerath. „Mit Freude” registriert der Katholikenrat Aachen, dass die Sammelunterkunft für Flüchtlinge in Lammersdorf Langschoss Aufmerksamkeit findet.

Weniger erfreut war allerdings die Gemeinde Simmerath nach dem Besucher von Vertretern des Katholikenrates in Langschoß. Bei dem Besuch war die Rede von „Lager” und „schlimmen Zuständen” gewesen. Solche Bezeichnungen hatte die Gemeinde massiv zurückgewiesen.

Keine Kritik am Sozialamt

Nun äußert sich für das Netzwerk Asyl des Katholikenrates Aachen Pfarrer Dr. Herbert Kaefer:

„Bei diesem Besuch ging es nicht um Kritik an Personen - weder am Sozialamt noch am Hausmeister, der geäußerte Kritikpunkt war die abgelegene Lage von Langschoss,” stellt Kaefer klar.

Laut Fahrplan der Linie 86 gebe es nur zweimal täglich eine „normale” Busverbindung nach Lammersdorf-Simmerath, nämlich um 6.56 Uhr und um 18.47 Uhr. Außerdem gebe es um 8.06, um 13.25 und um 14.22 Uhr Busse an Schultagen; letzterer verkehre auch an Ferientagen. Am Wochenende und an Feiertagen gebe es überhaupt keine Busverbindung.

Kaefer: „Ansonsten sind die Bewohner darauf angewiesen, dass der Hausmeister sie fährt - z.B. zu Arztbesuchen, zur Kirche oder zu Einkäufen. Ein junger Iraker berichtete, dass er - obwohl er nicht schulpflichtig war - unbedingt etwas lernen wollte und daher das Berufskolleg in Stolberg besuchte. Dazu musste er morgens zwischen 5 und 6 Uhr zu Fuß losgehen. Hätte er da den Hausmeister beanspruchen können? Heute spricht dieser junge Mann perfekt Deutsch und macht in diesen Tagen sein Fachabitur.”

Fast alle Bewohner von Langschoss würden gern arbeiten, schon um der Langeweile und Tristesse ihres Alltags zu entfliehen. In aller Regel müssten sie bereit sein, Schichtarbeit zu machen. Das würden sie gerne tun - aber wie können sie zur Arbeit kommen?”, fragt sich Kaefer.

Würden die Leute arbeiten, spare die Gemeinde Simmerath Kosten, ist Herbert Kaefer überzeugt. Hohe Kosten entstünden auch durch gesundheitliche Probleme wie Depressionen, die manchmal sogar zu Selbstmordversuchen führten. Diese Probleme würden, da ist das Netzwerk Asyl sicher, nicht so oft auftreten, wenn die Bewohner - wie in vielen anderen Orten - zentraler wohnten.

Viele Gemeinden, die auch sparen müssen, hätten auf Gemeinschaftsunterkünfte dieser Art verzichtet.

Zentral ist für das Netzwerk Aysl jedoch die humanitäre Situation: Zur Zeit hielten sich in Langschoss mindestens 15 Erwachsene und fünf Kinder aus acht Nationalitäten mit unterschiedlichen Sprachen regelmäßig auf. „Manche Bewohner haben niemand, mit dem sie sprechen können, da sie weder Deutsch noch Englisch können. Kann jemand sich vorstellen, was es bedeutet, mit niemand über seine Situation sprechen zu können?

Zudem ist durch die abgelegene Lage keine Integration möglich - gerade das wird jedoch immer wieder gefordert.”

Kaefer: „Die Unterbringung in Langschoss abgelegen im Wald empfindet das Netzwerk Asyl „als zutiefst inhuman.”

Dem Sozialausschuss macht Dr. Herbert Kaefer den Vorschlag, er möge sich mit Mitgliedern der Flüchtlingsinitiativen in Langschoss zum Gespräch treffen. „Wir regen an, die Fahrzeuge in Lammersdorf zu parken und zu Fuß nach Langschoss zu gehen. Das wäre zwar in der jetzigen Jahreszeit nicht so beängstigend, wie im Winter bei Dunkelheit und Schnee, könnte aber doch einen eigenen Eindruck von der Lage vermitteln.”
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