Dunkle Aussichten für den Solarstrom

Von: Robert Baumann
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Hofft auf wolkenfreien Himmel
Hofft auf wolkenfreien Himmel und viele Sonnenstrahlen für seine neue Photovoltaik-Anlage und lässt sich auch von den Kürzungen bei der Solarförderung nicht verunsichern: Walter Koll auf dem Dach seines Wohnhauses in Strauch. Foto: Robert Baumann

Nordeifel. Es droht ein heftiges Gewitter über die Sonnenenergie hereinzubrechen. Ab dem 1. April soll es massive Kürzungen bei der Solarförderung geben. Je nach Größe der Anlagen will die Bundesregierung die Förderung um 20 bis 30 Prozent senken - mit massiven Folgen für die Unternehmen der Branche.

Eigentlich sollten die geplanten Kürzungen bei der Einspeisevergütung für Strom aus Photovoltaik-Anlagen schon ab heute gelten, jetzt wurde der Stichtag nochmal auf Anfang April verlegt. Der drastische Einschnitt hat auch konkrete Auswirkungen für die Eifelregion.

Viele „Torschlusskäufe”

So stehen dem Betrieb „Elekroservice Schreiber” aus Monschau und seinen insgesamt 18 Mitarbeitern mit großer Sicherheit düstere Zeiten bevor, obwohl der sich vor Anfragen für Photovoltaik-Anlagen aktuell kaum retten kann. „Wir haben diesen Monat dreimal so viele Aufträge wie sonst”, erklärt Elektrotechnikermeister Dirk Schreiber, der sich dennoch nicht freuen kann. „Das sind nur noch Torschlusskäufe, die vor dem 1. April über die Bühne gehen sollen. Danach rentieren sich die Anlagen aufgrund der sinkenden Einspeisevergütungen nicht mehr.”

Deshalb rechnet Schreiber mit einem starken Auftragsrückgang, vor allem beim Bau großer Anlagen. Erst vor kurzem sei ein Auftrag in Höhe von 2,5 Millionen Euro zurückgezogen worden, zu verunsichert sei der Kunde gewesen. Die Folgen für den Elektroservice sind noch nicht genau absehbar. „Ich gehe davon aus, dass viele Arbeitsplätze gefährdet sind. Eventuell müssen wir auf 30 bis 50 Prozent unserer Belegschaft ab Sommer verzichten.”

Bei weitem nicht so hart wie den Betrieb von Dirk Schreiber trifft die Kürzung der Solarförderung die Firma Envis (Energie Visionen) aus Monschau. „Wir sind aus dem Photovoltaik-Anlagen-Geschäft schon vor drei Jahren ausgestiegen, weil sich diese Turbulenzen auf dem Markt andeuteten”, berichtet Raffael Frank, Büromanager bei Envis. Die auf Heizungsbau spezialisierte Firma bietet auch thermische Solaranlagen an. „Diese produzieren Wärme und keinen Strom und haben somit auch nichts mit der Einspeisevergütung zu tun”, erklärt Frank. Dennoch merkt man auch bei Envis die Skepsis der Kunden. „Das Jahr läuft schleppend an und die Aufträge gehen zurück. Die Kunden sind vermutlich etwas verunsichert.”

Wenig Verunsicherung ist im Haushalt der Eheleute Koll spürbar. Sie beziehen seit Donnerstag Strom über eine Photovoltaik-Anlage auf ihrem Wohnhaus in der Sonnenstraße in Strauch. „In dieser Straße muss man ja wohl davon ausgehen, dass die Sonne immer scheint”, scherzt Walter Koll. Mit seiner Frau Alice hat er sich trotz der schlechten Prognosen für eine Photovoltaik-Anlage entschieden - noch vor dem Stichtag. 24,43 Cent bekommen die Kolls pro eingespeister Kilowattstunde ins öffentliche Netz. Und das über eine Laufzeit von 20 Jahren. „Ab 1. April würde ich nur noch 16,5 Cent kriegen”, rechnet der 57-Jährige vor.

Ein Kurzschlusskauf war es aber nicht. „Wir haben schon lange Zeit den Bau einer Anlage geplant. Uns ist es wichtig, etwas für die Umwelt zu tun und unabhängig von den steigenden Strompreisen zu sein”, betont Koll. Insgesamt 63 Module mit jeweils 60 Solarzellen bedecken 107 Quadratmeter des Schrägdachs seines Wohnhauses. Über 13.000 Kilowattstunden Strom soll die neue Anlage pro Jahr produzieren.

Der Eigenverbrauch der Krolls liegt bei 5000 Kilowattstunden. „Ich speise deutlich mehr ein, als ich verbrauche und gehe davon aus, dass sich die Anschaffung in zehn Jahren durch die Vergütung amortisiert hat.” Für die neue Prämie, die ab April gelten soll, hat Koll kein Verständnis: „Wenn man auf erneuerbare Energien setzt, kann man nicht die Einspeisevergütung herabsetzen.”

Günstige Kredite mit einem niedrigen Zinssatz für den Bau einer Photovoltaik-Anlage vergibt seit ein paar Jahren die Raiffeisenbank. Über 300 Photovoltaik-Anlagen in Monschau, Roetgen, Hürtgenwald und Simmerath seien in den letzten drei Jahren von der Bank finanziert worden, berichtet Torben Wilden, Baufinanzierungsberater von der Raiffeisenbank in Simmerath. Einen Rückgang von Krediten beobachtet Wilden allerdings nicht.

„Wir haben immer noch viel Zulauf und gewinnen viele Kunden über Photovoltaik-Anlagen. Es gibt jede Woche rund fünf Anfragen zu diesem Thema. Kurz vor dem Stichtag wird es erfahrungsgemäß nochmal deutlich anziehen”, sagt Wilden. Über der Bank werden demnach in nächster Zeit durch die Kürzung der Solarförderung also erstmal keine dunklen Wolken aufziehen.
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