Schmidt - Drei Wochen auf Freiersfüßen gewandelt

Drei Wochen auf Freiersfüßen gewandelt

Von: Anneliese Lauscher
Letzte Aktualisierung:
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Nach seiner Flucht in Nideggens Wälder, um die Damen des Reviers auszuspähen, hat der weiße Hirsch aus dem Wildpark Schmidt einen neuen Spitznamen: „Jumper”. Foto: Dahmen

Schmidt. Sein ganz persönliches Abenteuer hat jetzt der weiße Hirsch aus dem Wildpark Schmidt erlebt: Er nahm eine Auszeit für drei Wochen. Die Brunft, die Anfang September begann und nun allmählich zu Ende geht, war wie immer eine sehr aufregende und unruhige Zeit.

Der Platzhirsch, ein stattlicher „ungerader” 16-Ender im besten Alter von acht Jahren, hielt sich und seinen Hirschkühen in anstrengenden Aktionen die Nebenbuhler vom Leib. Das Röhren der Hirsche war bis ins Dorf zu hören.

Cremefarbenes Fell

Der weiße Hirsch, im Schmidter Wildpark geboren, fiel schon immer durch seine seltene Farbe auf. Sein Fell ist cremefarben, sein Vater war ein Albino. Er war einer der Herausforderer des Platzhirsches, wurde aber konsequent vertrieben. Dabei hatte er noch Glück, er blieb ohne Blessuren, während einer seiner Kumpels schmerzhafte Bekanntschaft machte mit dem Geweih des Platzhirsches.

Ende September war die Stimmung bei hereinbrechender Dunkelheit wieder einmal sehr gereizt, laut röhrend forderte der weiße Hirsch den Chef heraus, der ihn einmal mehr sehr energisch in die Schranken verwies - nicht ganz, denn der weiße Hirsch suchte das Weite: Mit einem gewaltigen Satz übersprang er das Gatter und ebenfalls den 1,80 Meter hohen Außenzaun.

Verfolgung aufgenommen

Zufällig waren noch Gäste im Wildpark, die das unfassbare Geschehen beobachteten, und man nahm unverzüglich per Pkw die Verfolgung auf, doch der weiße Hirsch konnte in die umliegenden Wälder entkommen. Der Pächter des Wildparks, Willibert Scheidtweiler, dem so etwas in seiner über 30-jährigen Tätigkeit noch nicht vorgekommen war, erkundigte sich bei den Förstern und Jagdpächtern.

Mehrfach gesichtet

Der weiße Hirsch wurde in den folgenden Tagen mehrfach gesichtet, mal am Rursee, mal am Dammesweiher, gar nicht weit entfernt von seinem Domizil.

Im Prinzip hatte man ja Verständnis dafür, dass er woanders sein Glück bei den Damen versuchen wollte.

Nach drei Wochen, als Willibert Scheidtweiler wie immer morgens mit seiner Arbeit im Wildpark begann, erblickte er den weißen Hirsch wieder, und zwar im Gatter!

„Ich dachte, ich hab Halluzinationen”, erzählt er, noch immer völlig perplex. Wie „Jumper”, so nennen sie den Ausreißer mittlerweile, wieder hereingekommen ist, das bleibt sein Geheimnis. Weder ist der Zaun irgendwo beschädigt, noch weist der Hirsch Verletzungen auf. Ihm muss wohl wieder ein turnierreifer Sprung gelungen sein.

Er wird aufgepäppelt

Liebe zehrt, sagt man. Entsprechendf abgemagert war „Jumper” wieder in seinem Gehege eingetroffen. Jetzt wird er erst einmal aufgepäppelt. Zu Heu, Eicheln und Brot gibt es ab und zu ein Zuckerplätzchen.

Und wer weiß, vielleicht tritt ja im nächsten oder übernächsten Jahr der alte Chef zurück, und dann darf „Jumper” als neuer Platzhirsch seine zwölf Damen beglücken.
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