Aachen 2025

Diebestour bei Silvesterfeier: Täter an der Kirche gestellt

Von: hes
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Roetgen. Eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls in der Silvesternacht hat ein Verantwortlicher der Pfadfinderinnenschaft St. Georg, Stamm Roetgen, gegen vier junge Männer aus Roetgen gestellt.

Außerdem wurde eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen eine Polizeibeamte eingeleitet. Hintergrund ist ein Vorfall am Silvesterabend gegen 23.30 Uhr, den ein Mitglied der Pfadfinder bei der Polizei zu Protokoll gab und nun auch öffentlich machte.

Danach feierten etwa 15 Jugendliche und junge Erwachsene der Roetgener Pfadfinder im Saal des katholischen Pfarrheims den Jahreswechsel, als etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht plötzlich Personen das Heim an der Hauptstraße betraten. Vier junge Männer waren durch die nicht verriegelte Tür ins Foyer gelangt, wo sie das Raketensortiment der Pfadfinder und mehrere Taschen mit Wertsachen der Feiernden vorfanden. „Während unsere Mitglieder im großen Raum des Pfarrheims feierten und aufgrund der lauten Musik zunächst nichts von den Besuchern mitbekamen, befand ich mich gerade auf dem Weg in die Küche und sah im Augenschein, was im Foyer geschah“, schildert der Leiter die Situation.

Als er die neuen „Gäste“ ansprechen wollte, waren diese aber schon zur Tür raus und liefen Richtung Kirche davon – mitsamt der im Foyer deponierten Gegenstände. Der Betreuer verfolgte das Quartett und bekam auf dem Kirchenvorplatz auch einen der Flüchtenden zu packen, hielt diesen fest und alarmierte per Handy die Polizei. Inzwischen waren auch die feiernden Pfadfinder aus dem Pfarrheim gestürmt und hatten die Verfolgung des Rests der Eindringlinge aufgenommen. Auf dem Friedhof hinter der Kirche stellte die Gruppe zwei weitere der getürmten jungen Leute und führte auch diese zum Kirchenvorplatz, wo der Betreuer mit seinem „Fang“ sowie der mittlerweile eingetroffenen Polizei wartete.

Was dann geschah, schildert der Zeuge so: „Zwei weitere Täter ... wurden auf dem Kirchenvorplatz der Polizei übergeben. Von einem vierten Täter wurde das Portmonee auf dem Friedhof gefunden. Ich stand neben Peter S. (Name geändert), als die Polizistin diesen nach dem Namen fragte. Sie schien Peter S. zu kennen, nahm sich diesen zur Seite und unterhielt sich mit ihm am Streifenwagen. Zwei weitere Streifenwagen trafen ein.

Im weiteren Verlauf riet uns die Polizistin von einer Anzeige ab. Es würde eh nichts bringen, die Verfahren würden eingestellt. Wir hätten eine Menge Arbeit damit, müssten uns einen Tag Urlaub für die Aussage nehmen und sie hätte drei Stunden Arbeit für den Bericht. Wir verzichteten erst mal auf eine Anzeige, die Polizistin sprach Platzverweise aus. Mittlerweile war es 0.00 Uhr und wir feierten Silvester.“

Wenn der Vorfall letztlich auch glimpflich für die Pfadfinder verlaufen sei, so sei doch die Vorgehensweise der Polizei merkwürdig gewesen, berichtete der Leiter der Pfadfinder: „Ich finde das Verhalten der Polizistin nicht korrekt, uns die Anzeige auszureden“, heißt es im Protokoll des Roetgeners, der deshalb neben der Anzeige gegen die vier Verdächtigen auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Polizistin „für das nicht korrekte Verhalten“ einreichte.

Ihre Verfahrensweise sei „ein schlechtes Vorbild für alle beteiligten Jugendlichen“ – Opfer wie Verdächtige. „Der Verzicht auf eine Anzeige signalisiert den jungen Leuten doch: So etwas kann man ruhig machen, das zieht keine weiteren Konsequenzen nach sich.“

Indes habe er sich knapp eine Stunde nach Mitternacht auf dem Rathausvorplatz noch mit einigen anderen Jugendlichen unterhalten, berichtete der Betreuer später. Diese seien zur Tatzeit auf dem Rathausplatz gewesen und hätten sich auch an der Verfolgung der Eindringlinge auf dem Friedhof beteiligt, wie sie berichteten. „Sie erzählten mir, dass sie im Laufe des Abends der Gruppe schon mal begegnet seien und die Gruppe gedroht habe, sie zu verkloppen. Sie hätten sich aber zurückgezogen, da die andere Gruppe zu dem Zeitpunkt nicht aus vier, sondern aus 15 Personen bestanden hätte“, so der Verantwortliche.

Die Pressestelle der Polizei in Aachen bestätigte am Mittwoch den Eingang der Anzeige auf Anfrage unserer Zeitung. „Das zuständige Fachkommissariat hat die Ermittlungen aufgenommen und wird auch sämtliche Vorhalte bezüglich des Polizeieinsatzes prüfen“, sagte deren Leiter Werner Schneider.

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