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Die Steinmetze trauern um ihre Grabsteine

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Steinmetz Karl Goffart aus Imgenbroich und seine Kollegen sehen ihren Berufsstand durch eine sich enorm verändernde Bestattungskultur in Gefahr. Auch das Kaufverhalten trauernder Angehöriger trägt dazu bei, dass die Steinmetze einen massiven Auftragsrückgang zu beklagen haben. Foto: Heiner Schepp

Nordeifel. Hat der alte Beruf des Steinmetzmeisters noch Zukunft? Gut 20 Steinmetze und Steinbildhauer aus dem Kammerbezirk Aachen, Heinsberg und Düren berieten jetzt anlässlich einer Zusammenkunft in Aachen über die Aussichten für die kommenden Jahre.

Das sich stark verändernde Verhalten bei Bestattungen, geänderte Friedhofssatzungen, aber auch das veränderte Kaufverhalten von Hausbauern stimmen die Handwerksmeister der Region derzeit äußerst nachdenklich. Viele sehen die Arbeitsplätze in ihren Betrieben gefährdet.

Seit dem Inkrafttreten des neuen Bestattungsgesetzes in Nordrhein-Westfalen wandelten sich die Bestattungsformen hin zu mehr anonymen oder einfachen Bestattungen mit Einheitsgrabsteinen. Das war die einhellige Erfahrung aller Steinmetz- und Steinbildhauer der Region. „Dies führt zu einem Rückgang der traditionellen Trauerkultur und so auch der bislang üblichen Grabmale bei neuen Bestattungen”, so Innungsobermeister Karl Goffart, der einen Steinmetzbetrieb in Imgenbroich leitet.

Der Umsatzrückgang bei den traditionellen Grabformen sei enorm. Aber besonders bei den anonymen Beisetzungen erlebten die Steinmetze immer wieder, dass sich Hinterbliebene um den Ort der Trauer gebracht sähen. Unerlaubt angebrachter Blumenschmuck, Grableuchten, oder einfache Trauerkreuze mit einer Namensinschrift inmitten von anonymen Bestattungsfeldern seien Beweis dafür, dass viele Menschen ein echtes Grab als Trauerort benötigten.

„Den Steinmetzen ist es daher wichtig, dass Politik und Gesellschaft begreifen, welchen kulturellen Stellenwert Grab bzw. Grabmal und damit Friedhöfe in der Gesellschaft haben”, erläutert Karl Goffart. Aus diesem Grund will man zukünftig verstärkt in der Öffentlichkeit die Nachteile der anonymen Bestattungen aufzeigen.

Anonyme Bestattung zu preiswert

Besonders sorgen sich die Steinmetzmeister auch um die Friedhofsordnungen. Durch falsche Kalkulationen würden die Preise für anonyme Bestattungen oder solche in so genannten Kolumbarien künstlich niedrig gehalten. Dabei seien sich die Fachleute einig, dass der Kostenaufwand für die Pflege der anonymen Gräber für die Stadtverwaltung durch die eingehenden Gebühren bei weitem nicht kostendeckend sei. Denn die großen Friedhöfe mit einem enormen Grünflächenanteil müssten weiter betrieben werden. Dies dürfe, so Vizeobermeister Uwe Weiler aus Düren, nicht weiter durch die überhöhten Gebühren der bislang üblichen Erdbestattung finanziert werden.

Aus diesem Grund wollen die Steinmetze mit ihrem Bundesinnungsverband zukünftig in der Region mehr Aufklärung bei den Ratsmitgliedern der Kommunen betreiben. „Anonyme Bestattungen oder Urnen in Kolumbarien bringen keine Arbeit für Steinmetze oder Friedhofsgärtner. Das hat den ein oder anderen schon zum Aufgeben seines Betriebes gedrängt und wird weiter Arbeitsplätze kosten”, so Weiler.

Fehler in der Kalkulation

Darüber hinaus müssten die Kommunen ihre Kalkulation der Grabgebühren offen legen, denn an so mancher Stelle habe der Bundesinnungsverband schon erhebliche Fehler entdeckt. Danach sei man sich sicher, dass vielerorts die Wahl- und Reihengräber die anonymen Grabfelder unerlaubt subventionierten.

Aber auch außerhalb des Friedhofes machen sich die Steinmetze Sorgen um ihre Zukunft. Mit gemischten Gefühlen sehen viele Meister die Rabattaktionen der Baumärkte und den Preiskampf der Fliesenleger. „Wenn Fußbodenbeläge zum Schleuderpreis angeboten werden, zahlt immer einer drauf”, weiß Obermeister Goffart. Gäbe es dann später beim selber Verlegen Probleme mit dem Zuschnitt oder der Verarbeitung, werde nicht selten der Steinmetz um Rat gefragt. „Das Geschäft machen andere, während der Steinmetz nicht als unfreundlich gelten mag und natürlich nicht seinen Ruf verlieren will”.
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