Nordeifel - Die Rückkehr des Wolfes ist sehr wahrscheinlich

Die Rückkehr des Wolfes ist sehr wahrscheinlich

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
16220889.jpg
Dass der Wolf früher oder später auch in der Eifel wieder auftauchen wird, ist aus der Sicht von Wolfsberater Hermann Carl aus Monschau „sehr wahrscheinlich“. Auf dem Bild ist ein ausgestopftes Tier aus der Rollenden Waldschule der Kreisjägerschaft zu sehen, die Carl schon seit vielen Jahren leitet.

Nordeifel. Kaum ein Tier löst bei den Menschen solch unterschiedliche Reaktionen aus wie der Wolf, über dessen Rückkehr zurzeit überall in Deutschland diskutiert wird. Die einen sind der Meinung, dass auch der Wolf seinen Platz in der Natur habe, die anderen fordern rigoros den Abschuss der Tiere, eine differenzierte Betrachtung erfolgt eher selten.

Auch das Land Nordrhein-Westfalen hat auf die Rückkehr des Wolfes reagiert. „Die Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen ist eine besondere Herausforderung. Daher wurde der Arbeitskreis „Wolf in NRW“ beim LANUV eingerichtet. Ziel ist es, Konzepte zu erarbeiten, die das Nebeneinander von Mensch und Wolf gewährleisten sollen“, ist auf der Internetseite des Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz (LANUV) nachzulesen.

Auf Anregung dieses Arbeitskreises hat das Land ein Verfahren für die Entschädigung von Nutztierrissen entwickelt und Wolfsberaterinnen sowie Wolfsberater ausgebildet. Einer davon ist Hermann Carl aus Monschau. Dass der Wolf früher oder später auch in der Eifel wieder auftauchen wird, ist aus seiner Sicht „sehr wahrscheinlich“. „Damit wird fest gerechnet“, sagt Carl. Einen verlässlichen Beweis gebe es bislang aber noch nicht.

Für ihn steht bei dem Thema eine Frage im Mittelpunkt: „Wie viel Wolf verträgt Deutschland?“ Und die ist auch für den Fachmann nicht einfach zu beantworten. Dafür gibt es zu viele unterschiedliche Aspekte bei diesem Thema. „Wenn der Wolf hier einwandert, dann haben wir damit zu leben, ob es uns passt oder nicht“, sagt Carl. Es komme auf die Zahl der Tiere an, und es sollte klar sein, dass mit der Rückkehr des Wolfes auch Probleme verbunden seien.

„Wild gibt es hier genug. Man könnte das ein oder andere auch dem Wolf überlassen. Die Jäger müssen zurzeit keine Angst haben, dass ihnen der Wolf zu viel von diesem wertvollen Lebensmittel wegnimmt“, sagt Carl, der auch ein Jäger ist. Das Muffelwild zum Beispiel habe aber gar keine Chance gegen den Wolf. Auch wenn diese Tierart hier nicht heimisch ist, so seien die hiesigen Bestände doch wichtig für den Genpool dieser Art, da es in den Ursprungsgebieten nur noch wenige von ihnen gebe.

Das Rotwild hingegen reagiere mit riesigen Rudeln auf die Präsenz des Wolfes und ziehe weit in die Feldlandschaft hinein. „Dann können sie die Wölfe kommen sehen“, erklärt Carl. Das könne bei den Landwirten zu großen Schäden führen.

In früheren Zeiten, als die einfache Landbevölkerung vielleicht ein bis zwei Schafe oder Ziegen, bestenfalls eine Kuh gehalten habe, sei der Riss eines der Tiere eine Katastrophe und eine Bedrohung der Existenz gewesen. „Das ist heute nicht mehr der Fall“, sagt Carl. In der Regel stelle der Wolf für Viehhalter keine Existenzbedrohung mehr da. „Es sei denn, der Wolf kommt immer wieder. Aber dann handelt es sich auch um einen Problemwolf“, erklärt Carl.

Dennoch hat der Wolfsberater auch viel Verständnis für die Ängste vieler Viehhalter. Auch wenn Schutzmaßnahmen wie spezielle Zäune oder Schutzhunde zu 80 Prozent bezuschusst würden, sei der damit verbundene Aufwand extrem hoch. Schadenersatz gebe es außerdem nur, wenn der Tod eines Nutztieres zweifellos auf den Wolf zurückzuführen sei. Deshalb sei es wichtig, sich bei einem solchen Verdacht so schnell wie möglich an das LANUV oder einen Wolfsberater zu wenden, damit rechtzeitig eine Genprobe genommen werden kann, um den Verdacht zu bestätigen.

Im Falle eines Schafhalters aus Mützenich sei es dafür schon zu spät gewesen. Nachdem ein Schaf gerissen und ein anderes mit Bisswunden aufgefunden wurde, habe es eine Woche gedauert, bis er verständigt wurde. „Da war es schon zu spät“, sagt Carl. Die dokumentierten Spuren hätten aber auch nicht auf einen Wolf schließen lassen. „Wahrscheinlich handelte es sich um einen streunenden Hund.“

Inzwischen lasse sich das Vorkommen von Wölfen in der Eifel nie ganz ausschließen. „Die Wahrscheinlichkeit ist aber noch gering“, sagt Carl. Zunächst habe man vermutet, dass die ersten Wölfe von Frankreich aus in die Eifel zurückkehren, dies sei aber widerlegt worden, als sich um die Jahreswende eine knapp zwei Jahre alte Wölfin, die aus einem Wurf in Mecklenburg-Vorpommern stammt, in der niederländischen Provinz Limburg aufhielt und dann weiter nach Belgien wanderte. Auch in Rösrath bei Köln wurde schon ein Wolf gesichtet. „Für einen Wolf ist das nur eine Nachtwanderung von uns entfernt. Die Eifel ist sehr wildreich, das könnte schon verlockend sein“, erklärt Carl.

Er sieht auch eine Gefahr darin, die Wölfe zu verharmlosen. Wie überall gebe es auch hier Ausnahmen – die sogenannten Problemwölfe. „Deshalb ist es verantwortungslos, Kindern zu sagen, der Wolf wäre harmlos. Man darf auch nicht jeden Hund streicheln“, sagt der Wolfsberater.

Grundsätzlich darf der Wolf noch nicht bejagt werden, da er nicht im Jagdrecht aufgenommen ist. Ob dies künftig möglich sein soll, ist zurzeit auch Thema in der politischen Debatte. Noch ist die Jagd nur erlaubt, wenn der Wolf durch besonderes Verhalten zum Problem wird. Aber auch dann könne die Jagd nur durch die zuständige Naturschutzbehörde in Gang gesetzt werden, erläutert Carl.

Der Abschuss eines Problemwolfes sei auch nicht einfach. Schließlich hätten die Tiere ein großes Einzugsgebiet und würden in einer Nacht 70 bis 80 Kilometer zurücklegen. Noch schwieriger sei es, sie aus kurzer Distanz zu betäuben oder mit einer Falle einzufangen. „Das ist alles sehr theoretisch“, sagt Carl.

Eine Kompromisslösung im Umgang mit dem Wolf wäre für ihn die Ausweisung von speziellen Gebieten, in denen die Tiere geduldet werden, so ähnlich wie es jetzt auch schon bei Rot- und Damwild der Fall ist. „Meines Erachtens hängt alles von der Vernunft ab. Da muss man nüchtern drangehen. Andererseits gibt es so viele Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, da wird nicht so viel Energie investiert“, sagt Carl.

Leserkommentare

Leserkommentare (15)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert