Die Roetgener SPD leitet den Generationswechsel ein

Von: Helga Giesen
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Drei Vorsitzende stehen für Tradition und Fortschritt in der SPD: Sich der sozialdemokratischen Wurzeln und Ideale bewusst zu sein und gleichzeitig angemessene Antworten auf die Probleme der Gegenwart zu finden, sieht der neue Vorsitzende Helmut Mulorz (Mitte, mit Hans Lennartz und Frank Knur) als Herausforderung für seine Amtszeit. Foto: Helga Giesen

Roetgen. Mit der Wahl eines neuen Vorstandes stellte die Roetgener SPD auf ihrer Mitgliederversammlung am Freitagabend die Weichen für die politische Arbeit der kommenden Jahre. Nach fast 14 Jahren als Parteivorsitzender gab Frank Knur den Stab weiter an Helmut Mulorz.

In der Roetgen Therme begrüßte Knur neben Bürgermeister Manfred Eis auch das älteste Mitglied des Ortsvereins, Dr. Edgar Cremer, der kürzlich 80 Jahre alt geworden war und immer noch regen Anteil an der Parteiarbeit und am politischen Geschehen nimmt.

Mit der Wahl eines neuen und teilweise verjüngten Vorstandes könne nach dem zurückliegenden Wahl-Marathon die Parteiarbeit vor Ort und darüber hinaus in eine neue Phase gehen, erklärte Knur.

Fast einstimmige Wahlen

Der amtierende Vorstand hatte der Versammlung zur Besetzung der einzelnen Ämter Personalvorschläge unterbreitet, die von den 23 Stimmberechtigten nahezu einstimmig gebilligt wurden. Der neue Vorsitzende Helmut Mulorz und Kassierer Klaus Onasch als einziges aus dem bisherigen geschäftsführenden Vorstand verbleibendes Mitglied konnten alle Stimmen auf sich vereinen.

Für Karsten Knoth als Schriftführer und Rainer Axer als Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit stimmten 22 Mitglieder. Der neuen stellvertretenden Vorsitzenden Janine Köster sprachen 19 Genossinnen und Genossen das Vertrauen aus. Die 29-jährige Lehrerin war nach den Kommunalwahlen als jüngstes Ratsmitglied für die SPD in den Gemeinderat eingezogen.

Auch in der achtköpfigen Beisitzerriege ist neben den „alten Hasen” der Parteinachwuchs stark vertreten, als Jüngste die 18-jährige Karla Recknagel. Hier wurden gewählt (in der Reihenfolge der Stimmen): Manfred Eis (23), Frank Knur und Julia Recknagel (je 20), Willi Axer und Martin Frank (je 19), Karla Recknagel (18), Stefan Könnike (17) und David Giersberg (16).

Zur Verabschiedung von Frank Knur würdigte Bürgermeister Manfred Eis seine Verdienste. Im März 1997 habe er die Verantwortung als Vorsitzender übernommen, nachdem er selbst nach seiner Wahl zum Gemeindedirektor seine Ämter in Partei und Fraktion niedergelegt hatte, blickte er zurück.

Mit einer programmatischen Rede warb der vom Vorstand nominierte Kandidat Helmut Mulorz um das Vertrauen der Versammlung und stellte sich sowie die Motive und die Ziele für sein politisches Engagement vor.

Mulorz, Jahrgang 1947, ist als Ur-Roetgener einer der wenigen „Eingeborenen” in den politischen Gremien der Gemeinde. Er ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Als Lehrer war er lange Zeit an einer Hauptschule in einem sozialen Brennpunkt tätig, ist also mit den Hintergründen der zurzeit aktuellen Integrationsdebatte aus eigener Erfahrung vertraut.

Seit 1972 ist er Mitglied des SPD-Ortsvereins. Vorsitzender war damals, als noch Mut dazu gehörte, sich in Roetgen zu den Sozialdemokraten zu bekennen, Hans Lennartz, erinnert er sich.

Sechs Jahre zurückgezogen

Nach dem Unfalltod seiner Tochter habe er sich lange aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, berichtete Mulorz weiter, aber seit ca. sechs Jahren habe er sich wieder stärker engagiert, zunächst als sachkundiger Bürger, heute - auch weil ihm der Ruhestand dafür Zeit lasse - als Ratsmitglied und erster Stellvertreter des Bürgermeisters.

Auf allen Feldern der Politik gebe es viele Dinge, die ihn wütend machen, erklärte Mulorz, von der Lobby-Politik auf Bundesebene bis zum Stichwort „Grundschule” auf kommunaler Ebene, aber, zitierte er Willy Brandt: „Nichts kommt von selbst.”

Es sei wichtiger als je zuvor, sich für die traditionellen Ideale der SPD zu engagieren, denn die Gerechtigkeitsfrage stelle sich heute wie vor 100 Jahren, verwies er auf die sozialen Sicherungssysteme, die unter den Bedingungen des sich vollziehenden demografischen Wandels funktionsfähig zu halten seien, oder die Arbeitsmarkt, wo die sich aufhellende Statistik den Blick auf Fehlentwicklungen verstellt.

Hier Antworten zu finden, sei man den folgenden Generationen schuldig. An diesen Themen seien zu Recht viele junge Menschen interessiert, darauf die zeitgemäßen Antworten zu geben, könne sie für die SPD interessieren und an sie binden.

Bezogen auf den Ortsverein stellte Mulorz drei Ziele heraus. Dass hier kommunalpolitische Diskussion und Willensbildung stattfinden müsse, sei in Zukunft besonders wichtig, wenn die SPD nicht mehr von der Popularität ihres Bürgermeisters profitieren könne. Durch ein überzeugendes Wahlprogramm müsse klar werden, was die Sozialdemokraten von den anderen Parteien unterscheidet.

Um aber bei Wahlen erfolgreich zu sein, brauche es zwei Säulen, führte Mulorz aus: ein überzeugendes Programm und Personen, die dieses Programm überzeugend vertreten. Deshalb sei es sein Hauptziel, einen Generationswechsel sowohl im Parteivorstand als auch in den Wahlkreisen einzuleiten, was konsequenterweise bedeute, dass er versuche, in absehbarer Zeit einen jüngeren Nachfolger zu finden.

Die wichtigen kleinen Dinge

Schließlich wolle er auch die Mitglieder wieder mehr aktivieren, erklärte Mulorz und schlug den Bogen von der großen Politik zu den kleinen Dingen, die nach seiner Meinung entscheidend für einen lebendigen Ortsverein sind. Dazu gehören neben einem guten persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern auch die Weiterentwicklung der Zeitung „Unsere Sicht” und gemeinsame Veranstaltungen zur Stärkung des Wir-Gefühls.
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