Die „Petersburger Weißen Nächten” eröffnen den klassischen Teil

Von: js
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Monschau. Die sprichwörtlichen St. Petersburger Weißen Nächte haben nichts mit Winter und Schnee zu tun. Das erläuterte Jurij Gilbo, der Dirigent der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg, zu Beginn des überaus gefeierten Opern-Gala-Konzerts am Sonntagnachmittag auf der Monschauer Burg.

Er tröstete die dem Frieren nahen Zuhörer aber immerhin damit, dass das Eifel-Wetter mit dem St. Petersburger Hochsommer durchaus vergleichbar sei. „Weiße Nächte”, die hellen Sommernächte im nördlichen Russland, waren titelgebend für den anregenden, langen und doch kurzweiligen Nachmittag auf der Burg, deren Ränge nahezu vollzählig besetzt waren.

Schwungvolle Ouvertüre

Mit der dritten Veranstaltung hatte die Monschau-Klassik jedenfalls endgültig die Klassik erreicht - und es war dann doch die Romantik.

Denn die teils sehr bekannten Musikstücke von russischen Komponisten stammten beinahe durchweg aus der „romantischen” Periode der klassischen Musik, eben der Periode, in der sich erstmals eine nationale russische Musik entwickelte. So begann das Konzert mit der schwungvollen Ouvertüre zu der Oper „Ruslan und Ludmilla” eben des Begründers dieser nationalen russischen Musik, Michail Glinka.

Hier sind gleich zwei Bemerkungen zu machen. Die Märchengestalt „Ruslan” (nach einem Werk des russischen Dichters Alexander Puschkin) ist natürlich nicht zu verwechseln (wie mehrfach in den Ankündigungen und im Programmheft) mit dem geografischen Begriff „Russland”, so naheliegend das vielleicht auch sein mag.

Und überhaupt: das Programmheft! Leider mussten die Zuhörer im ersten Teil des Programms mehr oder weniger raten, was genau sie jeweils gerade hörten. Auch einem einigermaßen kundigen Hörer konnte das nicht immer auf Anhieb gelingen. Nur andeutungsweise konnten aus den kargen Angaben des Programmhefts gewisse Zuordnungen erkennbar werden. Im zweiten Teil hatte der Dirigent Jurij Gilbo das Problem bemerkt und moderierte auf launige und überaus sympathische Weise das weitere Geschehen. Trotzdem darf das eigentlich nicht passieren, sollen nicht an der Professionalität des ganzen Unternehmens Monschau-Klassik gewisse Zweifel aufkommen.

Abgesehen von diesen Monita war das Konzert des russischen Spitzenorchesters ein beinahe ungetrübter Genuss. Auch wer mit klassischen Open-Air-Konzerten seine Schwierigkeiten hat, vor allem, was die Übertragung über Mikrofon und Lautsprecher-Boxen betrifft, konnte in dieser Hinsicht weitgehend zufrieden sein.

Die Qualität der Anlage schien doch erheblich verbessert, und man konnte sich nahezu ungestört des hohen Niveaus des musikalisch Dargebotenen erfreuen.

Liebesduett ging zu Herzen

Neben dem homogenen und präzisen Spiel des Orchesters (bei dem auch einige Instrumentalsolisten sich gelegentlich eindrucksvoll in Szene setzen konnten) stachen vor allem die Vokalsolisten heraus. Die Einzelbeiträge der Sopranistin Diana Petrova und des Tenors Alex Wawiloff gingen sehr zu Herzen, ebenso sehr ein Liebesduett aus Modest Mussorgskijs „Boris Godunow”.

Leider wurde ein weiterer Solist, der Geiger Michel Gershwin, ebenfalls auf dem Programmzettel vermisst. Seine klangvollen und tonreinen Solobeiträge hätten es durchaus verdient gehabt, nicht nur als spontane Zugabe aufgefasst zu werden. Regelrechte „Reißer”, die dann auch mit echtem russischem Temperament dargeboten wurden, waren zwei Orchesterstücke, einmal die „Polowetzer Tänze” aus der Oper „Fürst Igor” von Alexander Borodin und dann besonders der bekannte „Säbeltanz” aus dem Ballett „Gayaneh” von Aram Khatschaturian.

Diana Petrova konnte mit der berühmten „Nachtigall” von Alexander Alabjeff wahre Beifallsstürme hervorrufen. Diese Beifallsstürme steigerten sich nach dem Ende des, wie Jurij Gilbo sagte, „offiziellen” Teils des Konzerts zu stehenden Ovationen. Dass der Beifall Einfluss hat auf die Anzahl der Zugaben, hatte er schon vorher angekündigt. Der Dirigent müsste demnach mit der Zustimmung des Publikums sehr zufrieden gewesen sein, denn nach etlichen, wiederum sehr eindrucksvollen Zugaben musste er schließlich beinahe gewaltsam mit einem letzten Orchesterakkord den erlebnisreichen Nachmittag beenden.
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