Die Opfer von Krieg und Gewalt nicht vergessen

Von: rpa
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Verneigen sich von den mehr als 2300 Kriegstoten, die auf dem „Russenfriedhof” bei Rurberg ihre letzte Ruhestätte gefunden haben: Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Städteregionsrat Helmut Etschenberg (im Vordergrund). Foto: R. Palm

Rurberg. „Die Kriegsgräberstätten sind die großen Prediger des Friedens.” Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns zitierte am Ende seiner Ansprache ein Wort von Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer.

Und der „Russenfriedhof”, wie die Ehrenstätte für die 2322 sowjetischen Kriegstoten im Volksmund genannt wird, ist eine Stätte des Friedens und der ständigen Mahnung, Frieden zu halten.

Dazu gehört auch, „an einer angemessenen Erinnerungskultur zu arbeiten”, appellierte Dr. Angelica Schwall-Düren, NRW-Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien, in ihrer Ansprache zur 50-Jahr-Feier auf dem Ehrenfriedhof für sowjetische Kriegstote.

Viele Besucher

Die Feier auf dem „Russenfriedhof, von der Gemeinde Simmerath würdig gestaltet, fand in der Bevölkerung reges Interesse, wie die große Zahl der Besucher und Ehrengäste deutlich machte. Zahlreiche Vereine aus dem Gemeindegebiet waren mit Abordnungen vor Ort, anwesend waren auch viele Repräsentanten der benachbarten Kommunen in der Städteregion.

Zu den Ehrengästen, die Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns besonders begrüßte, gehörten unter anderem Seniorkonsul Michail Korolev vom Generalkonsulat der Russischen Föderation, Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren, Dr. Fritz Behrens, Staatsminister a.D und NRW-Landesvorsitzender des Deutschen Volksbundes der Kriegsgräberfürsorge, Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Gemeindedirektor a.D. Leo Jansen, der maßgeblichen Anteil daran hat, dass die Ehrenstätte für sowjetische Kriegstote dort an der Landstraße von Kesternich nach Rurberg überhaupt verwirklicht wurde.

Zu den Ehrengästen gehörten der katholische Pfarrer Michael Stoffels (Simmerath), der evangelische Pfarrer Jens-Peter Bentzin (Monschau) und Alexej Ribakov, Priester der russisch-orthodoxen Kirche.

Dauerhaftes Mahnmal

Sie sprachen gemeinsam die Friedensgebete, dabei sang Alexej Ribakov ein „Gospodi pomiluj” (Herr, erbarme dich). Mit seinen Gesängen (wie Dona nobis pacem) gab der Kirchenchor aus Simmerath der Gedenkfeier eine zusätzlich würdige und andachtsvolle Note. Feuerwehrmänner aus Rurberg und Kesternich hielten mit brennenden Fackeln in ihren Händen am Kreuz des Friedhofes die Ehrenwache.

In seiner Ansprache erinnerte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns an das Entstehen der Gedenkstätte und an die Hintergründe: 2322 sowjetische Kriegstote (Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, Kinder, Jugendliche) aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Aachen wurden auf dem Friedhof beigesetzt. Hermanns: „Die Toten, die hier ruhen, haben ein Recht darauf, dass wir und auch künftige Generationen an sie denken und an ihrem Schicksal Anteil nehmen.”

Die Feierlichkeiten, so Hermanns weiter, sollen an das „Unrecht und an das Leid erinnern”, das die Menschen, die hier beigesetzt sind, erlitten haben. „Insbesondere für die jüngere Generation, die die Schrecken des Krieges nur aus Erzählungen oder aus dem Geschichtsunterricht kennt, soll die Gedenkstätte ein dauerhaftes Mahnmal gegen Krieg und Gewalt sein.” Der Bürgermeister versicherte, auch künftig werde es für die Gemeinde Simmerath eine „ehrenvolle Verpflichtung und Aufgabe sein, die Gedenkstätte würdig zu pflegen und anspruchsvoll zu gestalten”.

Der Friedhof so Karl-Heinz Hermanns, möge allen Besuchern „eine stetige Mahnung zum Frieden, zur Verständigung und Freundschaft unter den Völkern sein”.

Michail Korolev von der Russischen Föderation erinnerte an das gewaltige Elend und an die Millionen Toten, die das „menschenverachtende Nazi-Deutschland” mit dem „schrecklichsten Krieg der Menschheitsgeschichte” über das russische Volk gebracht habe. Der Sieg über die Nazis sei ein „Sieg des Lichtes über die Finsternis und über die Barbaren” gewesen.

Die Gedenkfeier auf dem Ehrenfriedhof sei heute als Mahnung für den Frieden zu verstehen, als Aufforderung, „Wege der Versöhnung” zu gehen. Michail Korolev lobte den „würdigen Zustand” der Ehrenstätte, er würdigte die „Pflege der Ehrenstätte als Arbeit für den Frieden”.

Orte des Besinnung

Kriegsgräber seien, gerade mit wachsender zeitlicher Distanz zu den Weltkriegen, die von deutschem Boden ausgegangen sind, Orte der Besinnung für den Frieden, sagte Dr. Angelica Schwall-Düren. Die NRW-Ministerin für Bundesangelegenheiten bezeichnete die Kriegsgräber als „bleibende Zeugen der Vergangenheit, die die Erinnerung an die Schrecknisse von Krieg und Gewaltherrschaft wach halten”.

„Sie sind nachhaltiger Appell an spätere Generationen, sich stets der Bedeutung des Friedens für das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten zu vergewissern. Dieses Vermächtnis der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft darf nicht in Vergessenheit geraten. Denn nur aus der Rückbesinnung auf die Vergangenheit können wir Kraft und Einsicht gewinnen, um Gegenwart und Zukunft in Frieden human und demokratisch zu gestalten.”

Schwierige Aufgabe

Die Ministerin hält es für „unbedingt erforderlich”, an einer deutschen Erinnerungskultur zu arbeiten, die dem „Unrechtsgehalt dieser Vernichtungspolitik angemessen” sei. Sie erinnerte daran, dass der Überfall auf die Sowjetunion vor 70 Jahren der „Anfang eines brutalen Vernichtungsfeldzuges war, an dessen Ende fast 20 Millionen getötete Zivilisten und acht Millionen getötete Soldaten standen”.

Die Erinnerungskultur, „eine komplexe und überaus schwierige Aufgabe, erfordere vor allem Vertrauen und gegenseitiges Verständnis. „Wir müssen das Gemeinsame der Völker betonen, nicht das Trennende. Dies ist unsere Verantwortung den Opfern und den Hinterbliebenen gegenüber.”

Die Kränze und Blumengebinde, die am Hochkreuz des Ehrenfriedhofes niedergelegt wurden, werden noch lange an die Gedenkfeier „50 Jahre Ehrenfriedhof für sowjetische Kriegstote” an der Landstraße von Kesternich nach Rurberg erinnern.
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