Die neue „Seensucht“: Mit modernster Technik und ohne Sprit

Von: Christina Handschuhmacher
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Impressionen von einer Rundfahrt mit der „Seensucht“. Foto: C. Handschuhmacher
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Schiffsführer Felix Stollenwerk steuert die „Seensucht“ durch die heimischen Gewässer und sorgt dafür, dass die Passagiere sicher von einem Anleger zum nächsten kommen. Foto: C. Handschuhmacher
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Die dunklen Gewitterwolken am Horizont stören die Touristen an Bord nicht. Foto: C. Handschuhmacher

Einruhr. Bevor es losgehen kann, muss erst einmal aufgetankt werden. Die „Seensucht“ braucht keinen Sprit, sie hat einen Elektromotor. Aber die Gäste sollen während der zweistündigen Rundfahrt auf dem Obersee über Einruhr, Rurberg und die Urfttalsperre keinen Durst leiden müssen.

Deshalb werden durch eine rechteckige Luke kistenweise kühle Getränke in den Schiffsbauch geladen.

Um 15.02 Uhr heißt es dann: Leinen los. Im Steuerstand sitzt an diesem Donnerstagnachmittag Felix Stollenwerk, der mit 24 Jahren der jüngste der vier Schiffsführer auf dem Obersee ist. Während Oberseeleiter Rudolf Baum – an diesem Tag der zweite Mann an Bord – die Vertauung löst, manövriert Stollenwerk das Schiff mit der Joystick-Steuerung in Richtung Jägersweiler. „Natürlich muss man sich an so ein neues Schiff erst einmal gewöhnen“, erzählt der 24-Jährige. „Die ‚St. Nikolaus‘ hatte ja noch ein richtiges Steuerrad und die Maße der ‚Seensucht‘ sind ja auch ganz andere.“

Während Stollenwerk lenkt, begrüßt eine Ansage vom Band die Passagiere. Die männliche Computerstimme klingt etwas hölzern – charmanter wäre sicherlich eine Ansage vom Schiffsführer selbst. Die Passagiere an Bord erfahren, dass die „Seensucht“ am 4. April ihren Betrieb aufgenommen hat und eigens für die Bedürfnisse des Obersees entwickelt wurde. „Der Obersee gehört zu der bekannten Eifeler Seenplatte“, erzählt die Computerstimme.

Auf dem Oberdeck stehen Charlie Stewart und Nicky Talbot am Heck des Schiffes. Die Durchsage verstehen die beiden Britinnen nicht, aber das spielt im Moment auch keine Rolle. „Es ist einfach überwältigend, so still und reizend“, schwärmen sie. Die Frauen aus der Nähe von Bristol arbeiten und leben derzeit in Mönchengladbach. Und immer wenn Familienmitglieder und Freunde zu Besuch kommen, gehört ein Trip in die Eifel mit einer Fahrt auf dem Obersee zum festen Programm.

Für Charlie Stewart ist es bereits die vierte Fahrt. „Bislang bin ich immer auf einem der anderen Schiffe unterwegs gewesen, aber das hier gefällt mir viel besser“, sagt sie. „Das Deck ist viel größer und moderner.“ Die dunklen Gewitterwolken, die dem Ganzen eine nahezu apokalyptische Atmosphäre verleihen, stören die beiden Frauen und ihre Gäste nicht. Sie genießen jeden Moment, denn für Charlie und Nicky wird es wahrscheinlich die vorerst letzte Fahrt sein – Ende Juni zieht das Paar nach Großbritannien zurück.

Mit einem Tempo von acht bis zehn Kilometern pro Stunde gleitet die „Seensucht“ nahezu geräuschlos weiter über den Obersee. Auf dem modernen Oberdeck sind an diesem Nachmittag Fleecepullis und Regenjacken das Kleidungsmittel der Wahl. Auch wenn eine kräftige Brise weht, die Passagiere bleiben auf dem Deck und genießen die frische Eifelluft, die Stille und die malerische Kulisse.

So wie Ruth Heißenbüttel und Dietmar Schwarzer. „Wir haben am Vormittag eine Runde auf dem Rursee gedreht, sind dann ein Stück gewandert und fahren nun wieder in unsere Pension zurück“, erzählt die Freiburgerin. Auf dem Rückweg von einer Urlaubsreise nach Cornwall hat das Paar noch einen viertägigen Zwischenstopp in der Nordeifel eingelegt.

Während die Touristen sich auf dem Oberdeck entspannen, läuft auch eine Etage tiefer im Steuerraum alles seinen gewohnten Gang. Die Route kennt Schiffsführer Stollenwerk schon aus dem Effeff. Für ihn ist es bereits die vierte Saison bei der Rursee-Schifffahrt. Und die vielen High-Tech-Gimmicks des Katamarans machen auch für ihn die Arbeit leichter. „Auf drei kleinen Bildschirmen werden uns die wichtigsten Daten angezeigt. Das Schiff hat GPS und mit dem fest installierten iPad können wir die komplette Technik des Schiffs steuern.“

Nach zwei Stunden ist die Rundfahrt vorbei. Die „Seensucht“ macht wieder in Einruhr fest; auch dabei ist die moderne Ausstattung praktisch. Via Kamera sieht Stollenwerk im Schiffsstand nämlich ganz genau, wie viele Zentimeter er noch vom Anleger entfernt ist und ob sein Kollege draußen schon das Tau festgezogen hat. Kurz darauf gehen die letzten Gäste von Bord. Für Stollenwerk und Baum ist aber noch nicht Feierabend. Das Schiff muss noch gereinigt werden: Schließlich soll die „Seensucht“ auch morgen wieder sauber über den Obersee gleiten.

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