Die „kleine Entführung“: Ein großer Spaß auf Burg Monschau

Von: Heiner Schepp
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Von Heiner Schepp Monschau. „Hurra, hurra, das Happy End ist da!“ Modern, poppig und mit fröhlich tanzenden Darstellern endete am Dienstag „Die abenteuerliche Reise ins Morgenland“, die diesjährige Kinderopernaufführung im Rahmen der Monschauer Festsp
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Monschau. „Hurra, hurra, das Happy End ist da!“ Modern, poppig und mit fröhlich tanzenden Darstellern endete am Dienstag „Die abenteuerliche Reise ins Morgenland“, die diesjährige Kinderopern-Aufführung im Rahmen der Monschauer Festspiele auf der Burg. Zuvor hatte die Kleine Oper Bad Homburg gut 70 Minuten lang rund 800 kleine und große Musikfreunde mit ihrer kindgerecht aufbereiteten Version von Mozarts „Entführung aus der Serail“ an klassische Musik herangeführt.

Die Handlung: Der spanische Edelmann Belmonte versucht seine von Piraten geraubte Braut Konstanze, Pedrillo und Blondchen aus dem Serail des Bassa von Selim in der Türkei zu befreien. Er gibt sich als Religionsgelehrter aus, um in den Serail zu gelangen. Der gastfreundliche Bassa lädt ihn ein.

Der weise Herrscher merkt aber schnell, dass er mehr Ahnung von Religionen hat als Belmonte. Auch wenn diese Gespräche über Religion und Toleranz eher ernsthaft sind: Meist geht es lustig zu auf der Bühne, auch wegen Ingrid El Sigai alias Blondchen, die mit Tanzeinlagen und ihrem Kampf mit Osmin die Kinder zum Lachen bringt.

Immer wieder versucht sie, ihm einzubläuen, dass sie sich nicht einsperren lässt: „Ich will frei sein“, brüllt sie ihm ins Gesicht. „Männer und Affen kapieren gar nichts“, stellt sie zur Freude des weiblichen Publikums fest. Der falsche Religionsgelehrte Belmonte plant die Flucht aus dem Serail. Die wird jedoch von Osmin vereitelt. Er bringt alle vier zum Bassa, in der Hoffnung, dass Köpfe rollen.

Am Ende siegt – natürlich – die Liebe: Der Bassa ist zwar enttäuscht, verzichtet aber auf Rache und sagt, dass er in Belmonte, dem Europäer, keinen Herausforderer sehe. Da kann sich Osmin nicht mehr halten: Er schmeißt sich schreiend auf den Boden und beißt vor Wut in seinen Turban – das Publikum grölt vor Lachen.

Es ist nicht der leichteste Stoff, den Mozarts Singspiel behandelt: Es geht um Liebe, Freundschaft, Treue, vor allem aber um Toleranz einer anderen Religion. Christen, Juden und Moslems – sie alle halten ihren Glauben für den einzig wahren, „doch dabei gibt es keine eine Wahrheit, sondern stattdessen viele Gemeinsamkeiten aller Religionen. Die Menschen aber erkennen dies nicht und machen die Religion gar zum Anlass für Kriege in aller Welt.

75 Minuten gefesselt

Nicht leicht war so die Gratwanderung zwischen Mozarts Original und der kindgerechten Inszenierung, weil man einerseits die Kinder an den klassischen Stoff und die Thematik heranführen, andererseits aber auch für 75 Minuten fesseln möchte – gar nicht so einfach, vor allem, wenn dann noch Sonne und Wind zum häufigen Kleiderwechsel zwingen oder eine Wespe die Zuschauer angreift.

Der Kleinen Oper aber gelang dies auch, in dem man – neben einer Verkürzung und Vereinfachung des Inhalts – den lustigen Affen Ramazan als verbindendes Element einbaute. Schön herausgearbeitet waren die Charaktere des Stückes: Osmin als gefürchteter Despot mit schwachen Seiten, Blondchen als emanzipierte Sklavin, Selim Bassa als weltoffener, gerechter Herrscher sowie Belmonte als stürmischer Liebhaber, dem letztlich ein Happyend mit seiner Liebe Konstanze beschert wurde.

Bis es soweit war, wurde klassisch gesungen und geschauspielert, und lockerten poppige Stücke, ein Bauchtanz und witzige Dialoge fernab des Mozart‘schen Librettos („geiles Getränk!“) das Stück auf.

Farbenfrohe Kostüme und ein aufwendiges Bühnenbild, Lichtdesign und Pyrotechnik machten die „abenteuerliche Reise“, der die Bad Homburger Bühne zunächst den Titel „Die Kleine Entführung“ gab, zu einem großen Erlebnis.

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