Die Kinder ruhen in „Abrahams Schoß”

Von: Ernst Schneiders
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Auf diesem Teil des Roetgener
Auf diesem Teil des Roetgener Friedhofs, genannt „Abrahams Schoß”, soll eine Begräbnis-und Gedenkstätte für Föten entstehen, die per Gesetz nicht bestattungspflichtig sind. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Juristisch ist es Leibesfrucht, medizinisch sind es Föten, tatsächlich aber sind es Kinder. Kinder, die nicht ausgetragen worden sind, die im Familienverbund aber dennoch als Kinder mitgezählt werden.

Die Mütter haben ihre Kinder in den ersten Wochen oder Monaten der Schwangerschaft verloren. Für diese Kinder soll es demnächst auf dem Roetgener Friedhof eine eigene Begräbnisstätte geben, mit einem Gedenkstein, an dem Kerzen entzündet und Blumen abgelegt werden können.

Eine Gedenkstätte, wie es sie in Simmerath bereits gibt. Wo die Eltern einen Ort zum Trauern finden. Das jedenfalls ist der Plan des Kirchenvorstandes von St. Hubertus, so dessen stellvertretende Vorsitzende, Dr. Marion Behrendt-Höhne,

Wenn eine „Leibesfrucht” weniger als 500 Gramm wiegt, ist sie nach deutschem Recht nicht bestattungspflichtig.

Früher wurden diese Föten „irgendwie entsorgt”, so Behrendt-Höhne. Mittlerweile gibt es in einigen Städten und Gemeinden Sammelbestattungen, zu denen auch die Eltern eingeladen werden. In Roetgen will man andere Wege gehen. Die kleinen Wesen sollen in so genannten Moses-Körbchen zwar anonym, aber einzeln bestattet werden, auf einem Teil des Friedhofs, der für normale Erdbestattungen nicht mehr geeignet ist. Bezeichnenderweise heißt dieser Ort, mit seinen großen Bäumen und umgeben von einer Hecke, im Volksmund „Abrahams Schoß”.

„Bei Gott geht keiner verloren, und sei er auch noch so klein”, ist Dr. Behrendt-Höhne überzeugt. Deshalb soll auf der Gedenktafel auch der Spruch stehen „Sieh hier: Ich habe dich eingezeichnet in merine Hände” (Jesaja 49,16). Darüber hinaus soll ein Holzkreuz errichtet werden, an welchem mit Einverständnis der Eltern ein Schild angebracht werden kann, mit Geburts-/Sterbedatum und dem Namen des Kindes. Denn, so Dr. Marion Behrendt-Höhne, zumeist hätten die Kinder bereits mit Beginn der Schwangerschaft einen Namen.

„Manchmal sind es richtige Torturen, bis er geklappt hat. Wenn man bedenkt, was manche Frauen auf sich nehmen, um überhaupt schwanger werden zu können, und sie verlieren ihr Kind dann schon in einem so frühen Stadium der Schwangerschaft, dann ist der Schmerz unbeschreiblich. Sie und ihre Familien brauchen einen Ort, an dem sie um dieses Kind trauern können. Mit Trauerarbeit erreicht die Kirche die Menschen noch. Da ist sie gefordert, muss Wege aufzeigen, auf denen die Menschen Kraft finden können.”

Vor vier Jahren bereits wurde erstmals über eine solche Begräbnisstätte nachgedacht, die nicht nur Roetgenern offenstehen soll, und die nicht konfessionsgebunden ist, wie Dr. Marion Behrendt-Höhne betont.

20.000 Euro fehlen

Mit einem Landschaftsbauer und einem Architekten ist in der Zwischenzeit ein Plan entworfen und der Gemeinde Roetgen vorgestellt worden - mit positiver Resonanz. Eine Treppe und eine Rampe für Rollstuhlfahrer sind auch schon fertig. Für die Vollendung der Begräbnis- und Gedenkstätte fehlen nach Schätzung von Marion Behrendt-Höhne allerdings noch etwa 20.000 Euro.

Doch wer die Finanzlage der Gemeinde kennt und die aktuellen Erkenntnisse der Kommunalaufsicht, die den Haushalt für 2011 nicht genehmigt hat, der weiß: Im Rathaus ist kein Euro zu holen.

Um aber dieses „wichtige seelsorgerische Anliegen” nicht bis zum St.Nimmerleinstag auf Eis zu legen, sollen Sponsoren die fehlenden Mittel aufbringen. Bittbriefe sind bereits unterwegs, und am Dienstag, 31. Mai, soll auf einer Info-Veranstaltung um 20 Uhr im Pfarrheim „De Kirchbroek” weiter um Unterstützung geworben werden.

Dr. Marion Behrendt-Höhne und ihre Mitstreiter wollen nicht lockerlassen, um einen Ort zu schaffen, an welchem auch in der heutigen Zeit „noch geweint werden darf”.
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