Die Jugendämter wollen nicht drohen, aber...

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Städteregion. Vor Ablauf der „Toleranzgrenze” waren die Eltern mit ihrem zwölf Monate alten Sprössling zur U6-Untersuchung beim Kinderarzt.

Trotzdem flattert das Erinnerungsschreiben eines Landesinstituts in den Briefkasten, mit der Bitte, doch die U6-Untersuchung zu machen.

Wenige Wochen später meldet sich dann sogar das örtliche Jugendamt: „Sie waren noch nicht bei der U6-Untersuchung.” Das bringt für viele junge Eltern das Fass zum Überlaufen. Es gibt erboste Reaktionen. Dabei wollen in 99 Prozent aller Fälle alle nur das Beste für das Kind.

„Wir haben Anlaufschwierigkeiten”, gibt Norbert Latz vom Jugendamt Herzogenrath zu, dass es zu Lücken in den Informationsketten gekommen sei. Doch eines stellt seine Eschweiler Kollegin Gabi Brettnacher klar: „Wir sind nicht das drohende, sondern das helfende Jugendamt!”

Aufgrund vieler Probleme in der jüngeren Vergangenheit möchten die Jugendämter der Städte Alsdorf, Eschweiler, Herzogenrath und Würselen gemeinsam aufklären (siehe Box). Denn die seit August vor Ort umgesetzte „Verordnung zur Datenmeldung der Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen” sorgt für reichlich Zündstoff. „Wir gehen da sensibel ran”, verspricht Eschweilers Jugendamtsleiter Heinz Kaldenbach. Keinesfalls droht das Jugendamt bei versäumten Terminen und unterstellt direkt eine Kindeswohlgefährdung, es möchte vielmehr vor allem beratend und informierend tätig sein.

Aufklärungsbedarf sieht auch Dr. Josef Michels vom Gesundheitsamt der Städteregion. Das neu installierte Erinnerungssystem erfasst die Früherkennungsuntersuchungen U5 bis U9. Bei U5 (Kinder im Alter von sechs bis sieben Monaten) liegen die Teilnahmequoten bei 98 Prozent, dann sinken sie allerdings auf 80 Prozent bei den U9-Untersuchungen (fünf Jahre alte Kinder). Daher gelte es, Netzwerke auszubauen, an unterschiedlichen Stellen wie in Kindergärten, bei Ärzten, Krankenkassen und eben auch von Seiten des Jugendamtes auf die kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen hinzuweisen.

Das Schwierige für die Jugendämter: Eine verpflichtende Überprüfung wird von Familien oftmals als völlig unangemessen angesehen. „Dabei gehen wir nicht automatisch hin und sagen: Weil eine Untersuchung nicht wahrgenommen wurde, liegt direkt eine Kindeswohlgefährdung vor”, ist es Oliver Krings vom indestädtischen Jugendamt wichtig, Vertrauen zu schaffen und gegebenenfalls Informationen über die Wichtigkeit der U-Untersuchung zu geben.

Genau hier entstehe oftmals ein falsches Bild, wie auch Herbert Heinrichs (Jugendamtsleiter Alsdorf), und Brigitte Killing (Jugendamt Würselen) wissen.

Letztlich handelt es sich um eine freiwillige Entscheidung, die U-Untersuchungen in Anspruch zu nehmen. Die Kontrolle bei Nicht-Aufsuchen des Arztes ist für die städtischen Jugendämter aber verpflichtend.

Ein Paradoxon, mit dem die Mitarbeiter vor Ort zu kämpfen haben. In anderen Bundesländern sind die Vorsorgeuntersuchungen verpflichtend.

Kinderarzt meldet dem Landesinstitut die Untersuchung

Das Land NRW hat im Rahmen eines umfassenden Kinderschutzkonzeptes die Verordnung verabschiedet. Der Kinderarzt meldet dem zentralen Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (Liga), dass eine Untersuchung stattgefunden hat.
ArtikelDieses vergleicht die Daten (nur zur Person, nicht zu den Untersuchungsergebnissen) mit den Daten aus den Einwohnermeldeämtern. So werden Kinder ermittelt, die nicht bei der freiwilligen Untersuchung waren.

Betroffene Eltern werden dann zwei Wochen vor Ablauf der Toleranzfrist angeschrieben, mit dem Hinweis, die entsprechende U-Untersuchung schnellstmöglich nachzuholen.
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