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Die Gewitterjäger: Auf der Jagd nach dem schönsten Blitz

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
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René Pelzer und Andy Holz sind „Stormchaser“. Sie jagen Blitze, um sie fotografisch für die Ewigkeit festzuhalten. Foto: René Pelzer
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Stets auf der Jagd nach dem besten Foto: René Pelzer (links) und Andy Holz (rechts) wagen sich in fast jedes Unwetter. Foto: Laura Beemelmanns
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Wenn die Gewitter in der Eifel entstehen oder nach dem Aufstieg noch dynamisch genug sind, leben sie sehr lange. Foto: Andy Holz
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Oft lohne es sich, auch nach oder unmittelbar vor einem aufkommenden Gewitter da zu sein, sagt Blitzjäger René Pelzer. Denn dann lassen sich noch ganz andere Wetterphänomene beobachten. So beispielsweise der Regenbogen. Foto: René Pelzer

Nordeifel. Wenn sich der Himmel verdunkelt, der Wind stärker wird, eine imposante, fast bedrohliche Wolkenfront immer näher kommt, es donnert und blitzt, dann, wenn sich ein jeder unterstellt, zuhause verkriecht oder Schutz im Auto sucht, schnappen sich René Pelzer und Andy Holz ihre Kameras, Stative, Handys, Regenjacken und etwas Verpflegung, setzen sich ins Auto und fahren los.

Immer der Gewitterfront entgegen, immer mit einem Ziel: das beste Foto zu schießen. René Pelzer (26) und Andy Holz (29) sind seit einigen Jahren Hobbymeteorologen, Naturfotografen und Gewitterjäger. Sie „chasen“, so nennt sich das außergewöhnliche Hobby der beiden Eifeler. Chasing bedeutet aus dem Englischen übersetzt so viel wie jagen. Sie jagen Gewitter, Blitze und andere außergewöhnliche Wetterphänomene, um „schöne Wolkenstrukturen“ und vor allem Blitze für die Ewigkeit festzuhalten. Seit 2007 ist Pelzer auf Blitzjagd, im Jahr 2009 folgte ihm Holz. Beide fotografierten auch schon vorher. Damals waren es aber noch Landschaftsfotos. Da beide großes Interesse am Wetter haben, lag es nahe, auch mal andere Bilder zu machen.

Und das ist oft gar nicht so leicht in der Eifel. Denn „die Eifel macht Gewitter häufig kaputt“, sagt René Pelzer. Andy Holz findet klare Worte: „Die Eifel ist eine Gewitter-Vernichtungsmaschine.“ Denn „wenn Gewitter vom flacheren Land in Richtung der Ardennen und der Eifel ziehen, sind die Wolken gezwungen, aufzusteigen. Dadurch verlieren sie ihre Dynamik“, sagt Holz. Er muss es wissen, denn er jagt nicht nur das Wetter, er beobachtet es auch und erstellt täglich Prognosen – zu sehen auf seiner Internetseite www.huertgenwaldwetter.de und in unserer Zeitung.

Wenn die Gewitter jedoch in der Eifel entstehen oder nach dem Aufstieg noch dynamisch genug sind, leben sie sehr lange. Das ist dann die Chance für die beiden Stormchaser. Oft verbringen sie viele Stunden in der Natur. „Wir sind bis tief in die Nacht unterwegs, wenn es sich lohnt“, sagt Pelzer. Nicht immer zusammen, aber ein Gewitter zu verschlafen, kommt für beide nur selten in Frage.

Für gute Bilder fährt René Pelzer auch schon mal bis nach Frankreich. 800 Kilometer. An einem Tag. „Ich bin damals mit einem anderen Stormchaser in die Nähe von Lille gefahren, weil die Prognosen sehr gut waren“, sagt er. „Das war der Wahnsinn dort. Es gab tolle Wolkenstrukturen, Wallclouds und auch positive Blitze konnte ich festhalten.“

Unfreiwilliger Kontakt

Wallclouds, auch Mauerwolken, sind mehr oder weniger isolierte Absenkungen einer Schauer- oder Gewitterwolke. Der Begriff erklärt es eigentlich schon, denn es sieht wahrlich aus wie eine riesige starke Mauer aus Wolken. Positive Blitze sind Blitze, bei denen die Blitzentladung aus dem oberen, positiv geladenen Teil der Wolke (Amboss) zum Boden erfolgt. Sie sind um einiges stärker als negative Blitze und können kilometerweit vom eigentlichen Gewitter entfernt einschlagen.

Das musste auch Andy Holz schon unfreiwillig feststellen. „Ja, bei so einem positiven Blitzeinschlag bin ich schon fast gegrillt worden“, sagt er. Auf der Jagd nach Blitzen hielt Holz auch damals genügend Abstand zu dem Gewitter, das er fotografieren wollte. Doch die Wege eines Blitzschlages sind eben unergründlich. Als er aus dem Auto stieg, schlug nur wenige Meter entfernt ein Blitz ein. Da lag es nahe, dass Andy Holz schnell wieder in sein Auto stieg und dieses Gewitter ausnahmsweise undokumentiert ließ.

In der Regel wissen die Beiden aber, wann ein Gewitter gefährlich wird. „Wenn positive Blitze im Spiel sind, dann hört man das. Der Donner ist dann viel viel lauter“, sagt Pelzer. „Er knallt mit richtig viel Bass“, sagt Holz.

Ein gutes Jahr für Blitzjäger

Und in diesem Jahr knallt es nicht gerade selten. „Gefühlt gibt es in diesem Jahr so viele Gewitter wie in den beiden vorherigen Jahren zusammen“, sagt Holz. Er spricht allerdings bewusst davon, dass es sich nur so anfühlt, als würde es mehr Gewitter geben. Denn: „Es muss nicht zwangsläufig häufiger gewittern, es gibt einfach mehr Möglichkeiten, die Gewitter auszumachen und zu melden. Immer mehr Menschen nutzen Apps und Webseiten, um Gewitter zu dokumentieren. Die Beobachtungsdichte ist gewachsen. Daher wirkt es vielleicht auch einfach nur so, als ob es häufiger vorkommen würde“, sagt Pelzer. Für einen Blitzjäger sei es in jedem Fall ein gutes Jahr. Auch wenn Quantität nicht gleich Qualität bedeutet.

Denn es eignet sich noch lange nicht jedes Gewitter für gute Aufnahmen. Doch da gehen die Meinungen auseinander. „Das waren nur ein paar billige Gewitter“, sagt Holz. „Ach, da waren schon ein paar gute dabei“, sagt Pelzer. Sie mögen es am liebsten, wenn es richtig kracht. Dass es „ein spannendes Jahr“ ist, darüber sind sie sich dann aber doch einig.

„Die Gewitter haben zum Teil wirklich schöne Strukturen“, sagt Pelzer, der sich in all den Jahren zu einem Experten auf diesem Gebiet gemausert hat. Inzwischen meldet er die Unwetter auch bei www.skywarn.de. Die wiederum beliefern unter anderem den deutschen Wetterdienst mit Infos. Und so kommen die Informationen zum Wetter live aus der Eifel und werden in ganz Deutschland wahrgenommen.

Kaum zu glauben, dass René Pelzer als Kind noch Angst vor Gewittern hatte und sich lieber verkroch, als sich mitten ins Geschehen zu stürzen. „Das hat sich gelegt. Nun ist es mein Hobby“, sagt der 26-Jährige. Ein Hobby, dem René Pelzer und Andy Holz mit Vorsicht begegnen, aber eben auch mit viel Leidenschaft und Geduld.

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