Radarfallen Blitzen Freisteller

Die äußersten Eifeler Grenzpunkte als touristische Chance

Von: BERND KEHREN
Letzte Aktualisierung:
7119633.jpg
Mitglieder im Zipfelbund sind Wölef und Rita Jansen, weil sie Sylt, Görlitz, Oberstdorf und Selfkant innerhalb von vier Jahren besuchten. Foto: Jansen
7119639.jpg
Als „unumstrittenen Star“ der Punkte in der Gemeinde Hellenthal bezeichnet Wölef Jansen den „Südpol“, der mit einer Bronzetafel an der Höckerlinie am Losheimer Landgraben bezeichnet ist.

Nordeifel. Wolfgang Jansen aus Hellenthal, der es lieber hört, wenn man ihm Wölef nennt, ist ein Mann, der an die Grenzen geht. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Zusammen mit seiner Frau Rita hat er fast die gesamte Grenze der Bundesrepublik erkundet. Dabei hat er alle äußeren Punkte der Republik und ihrer Länder erreicht - zu Lande, teilweise zu Wasser und sogar in der Luft.

Als Erinnerung an diese zuweilen abenteuerlichen Unternehmungen hat er ein tolles Buch geschrieben, das es jedoch nicht im Buchhandel gibt: „Die äußersten Punkte und Orte Deutschlands - von großen und kleinen Zipfeln“ lautet der Titel. Schon vor einigen Jahren hegte er den Wunsch, mit Rita die Republik zu umrunden und alle markanten, geografischen äußeren Punkte und Dreiländerecke ausfindig zu machen.

Der 57-Jährige wusste noch nicht, dass die Orte List auf Sylt im Norden, Görlitz im Osten, Oberstdorf im Süden und Selfkant im Westen 1999 bereits einen „Zipfelbund“ gegründet hatten und dass es einen Zipfelpass für denjenigen gibt, der die vier Orte innerhalb von vier Jahren besucht. Längst hatten die beiden diese Orte aufgesucht. Als sie vom Zipfelbund erfuhren, fehlte ihnen allerdings der Beweis mittels Stempeln, um den Pass zu erhalten. Also holten sie dies nach. Mittlerweile sind sie beim „Zipfelbund“ bekannt wie „bunte Hunde“. Mit den Bürgermeistern der vier Orte ist Jansen mittlerweile per Du.

Sein „Zipfelbuch“ stieß auf großes Interesse beim Besuch im NRW-Zelt auf der Ländermeile in München 2012. Dort bat ihn Dr. Detlef Herbner, Referatsleiter in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, ihm ein Exemplar für sein Büro zur Verfügung zu stellen. Er teilte Jansen mit: „Eine derart intensive Dokumentation der äußersten Grenzpunkte unseres Landes hat derzeit aktuell noch niemand vorgenommen. Ihre Anregung, diese Grenzpunkte in die eine oder andere Dokumentation zur Topographie des Landes aufzunehmen, werden wir gerne bedenken.“ Dr. Herbner lud Wölef und Rita vom 27. bis 29. Juni zum NRW-Tag nach Bielefeld ein. Das ist der alle zwei Jahre stattfindende Landesfesttag zum Gedenken an die Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen am 23. August 1946.

Hatte Wölef Jansen die äußersten Zipfel der Republik, des Landes NRW und des Kreises Euskirchen besucht, so stand es an, dies auch in seiner Heimatgemeinde Hellenthal zu tun. „Bundesweit kann Hellenthal sich brüsten, eine von 18 Kommunen zu sein, wo sich zwei Bundesländer und zwei Staaten begegnen: Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Deutschland und Belgien.“ Als „unumstrittenen Star“ der Punkte in der Gemeinde bezeichnet Jansen den „Südpol“.

An der Höckerlinie am Losheimer Landgraben wurde 1986 eine Bronzetafel aufgestellt. Diese Stelle bezeichnet die ehemalige Grenze zwischen Kur-Trier und Luxemburg und bildet den südlichsten Punkt der Gemeinde, des Kreises und des Landes. Die Tafel markiert nicht den genauen Punkt. Den fand Jansen am Zusammenfluss von zwei kleinen Bächlein, die das Ländereck bilden. „Ohne zu übertreiben, denken wir, behaupten zu können, dass dieser Punkt in unserer Sammlung einen Ehrenplatz einnehmen darf“, so der Grenzgänger.

Vom Feuerwachturm bei Wahlerscheid gelangt man ein Stück entlang der L 245 zum Westzipfel. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite findet sich ein Grenzstein. Hier ist der westlichste Zipfel der Gemeinde, hier treffen die Gemeinden Hellenthal, Monschau und Büllingen aufeinander, aber auch die Kreise Euskirchen, die Städteregion Aachen sowie Belgien. Der genaue Punkt befindet sich allerdings 15 Meter weiter. Am „Nordpol“ der Gemeinde treffen die Kommunen Hellenthal und Schleiden aufeinander.

Der Punkt ist weder ausgeschildert noch markiert. Man erreicht ihn bei einer Wanderung entlang der Oleftalsperre und dann über den abzweigenden Wanderweg A2/A3, zur Linken der Kahlenberg, zur Rechten der Kalberberg. Wie immer fand Wölef Jansen den genauen Punkt per intensiver Recherchen in topographischem Kartenmaterial. Hier stießen Rita und er auf „eine arme Fichte“, gespickt mit Schildern von fünf zusammenlaufenden Wanderwegen in Zipfelnähe. Kein Grenzstein ist hier zu finden.

Der Ostzipfel (quasi die Neißelinie von Hellenthal) liegt mitten im Wisselbach. Er ist auch nicht markiert. Vom Parkplatz am Silberberg in Paulushof überquert man die Straße und biegt auf die „Burgenroute“ ab. Die Wallfahrt nach Barweiler führt die Pilger durch dieses Tal. Hier besteht sogar ein kleines „Dreiländereck“, gebildet vom Zusammentreffen der Gemeinden Hellenthal, Nettersheim und Dahlem.

In anderen deutschen Orten werden Wanderer, die die Zipfel erreichen, mit Anstecknadeln oder einem Pass belohnt. Jansen, der ein Exemplar seines Zipfelbuchs im Rathaus vorbeibrachte, könnte sich vorstellen, dass Ähnliches auch in Hellenthal passieren könnte und die äußersten Zipfel als touristische Anlaufpunkte vermarktet und markiert werden. Auch Einheimischen dürften die Punkte kaum bekannt sein. Er wäre bereit, dabei zu helfen, etwa einen kleinen Führer zu erstellen, der beispielsweise an der Tourist-Info ausgehändigt würde. Diese Broschüre könnte mit Kartenausschnitten versehen werden, damit die Wanderer die Punkte finden. An den Punkten könnten Stempel mit Stempelkissen ausgelegt werden. Hiermit könnten die Wanderer beweisen, dass sie das Ziel erreicht hätten. Die Punkte selbst könnten mit Info-Tafeln markiert werden.

Jansen könnte sich vorstellen, dass mit „kleinem Geld“, ein wenig Fantasie und vielleicht mit Sponsoren-Unterstützung eine Vermarkung der Zipfel möglich sein könnte. Vor allem aber die bessere Präsentation des „Südpols“ der Gemeinde Hellenthal liegt ihm am Herzen. Vorbildlich präsentiere sich der Norden NRWs, „die Arktis“ in der Stadt Rahden im Kreis Minden-Lübbecke: mit Ausschilderung, Schaukasten mit reichhaltigen Infos und einladender Sitzgelegenheit. Dies alles fehle der Hellenthaler „Antarktis“. Wölef Jansen könnte sich vorstellen, die beiden Bürgermeister dieser „Pole“ zusammenzubringen, um auf kommunaler Ebene - ähnlich wie beim großen Zipfelbund, einen „Pol-Pakt“ zu gründen, um sich dann zum Beispiel beim NRW-Tag gemeinsam touristisch zu präsentieren.

Wolfgang Jansen hat sich auch mit dem Mittelpunkt der Gemeinde Hellenthal beschäftigt. Es gibt verschiedene komplizierte Methoden, diesen zu ermitteln. Fest steht, dass bei unregelmäßigem Grenzverlauf ein genau zu definierender Punkt nicht gemessen werden kann, sondern nur ein annähernder. Der Mittelpunkt des Hellenthaler Gemeindegebiets befindet sich laut Jansens Messungen zwischen den Orten Kamberg und Giescheid. Die Gemarkung hier heißt auch Kamberg.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert