Dichtheitsprüfungen in Roetgen: Viel Fremdwasser in der Leitung

Von: Helga Giesen
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Michael Vorpeil ist im Bauamt
Michael Vorpeil ist im Bauamt der Gemeinde Roetgen zuständig für rund 45 Kilometer öffentliche Kanalisation und auch Ansprechpartner der Bürger in allen Fragen rund um die Dichtheitsprüfung von privaten Abwasseranlagen. Foto: Helga Giesen

Roetgen. Der Paragraph 61a Landeswassergesetz macht derzeit Kommunen und Hauseigentümern zu schaffen. Er schreibt vor, dass Abwasserleitungen grundsätzlich dicht sein müssen.

Das heißt, es darf weder Schmutzwasser aus den Leitungen in das Erdreich versickern und Boden und Grundwasser verunreinigen, noch darf umgekehrt so genanntes Fremdwasser in die Leitungen einsickern und sich mit dem Schmutzwasser vermischen, das dann in den Kläranlagen teuer gereinigt werden muss.

Deshalb sieht der Paragraph 61a Dichtheitsprüfungen privater Abwasserleitungen vor. Vorgeschrieben sind diese bei Neubau oder Änderung von Abwasseranlagen sowie als Erstprüfung für bestehende Anlagen bis zum 31. Dezember 2015. Eine Wiederholungsprüfung muss alle 20 Jahre stattfinden.

Eine Satzung zur Dichtheitsprüfung stand kürzlich auf der Tagesordnung des Roetgener Gemeinderates. Fremdwasser ist auch hier ein gravierendes Problem, berichten Bauamtsleiter Hubert Pauls und sein Mitarbeiter Michael Vorpeil, zuständig für Tiefbau und Kanalisation.

Nachdem Anfang der 2000er Jahre durch Datenabgleich zwischen Kläranlagenbetrieb und Frischwasserbezug ein Fremdwassereintrag von über 400 Prozent ermittelt worden war, wurde mit der Bezirksregierung ein Sanierungsprogramm abgesprochen. Nachdem die Gemeinde ihre Hausaufgaben gemacht und die öffentlichen Kanäle saniert hat, lag der Fremdwasseranteil noch immer bei rund 350 Prozent.

Hauptverursacher sind demnach die privaten Abwasserleitungen. Die Überprüfung der Kanalanschlussleitungen, die auf Privatgrundstücken verlaufen, ist Pflicht der Eigentümer, im Straßenraum von der Grundstücksgrenze bis zur Einmündung in die öffentliche Kanalisation ist die Gemeinde zuständig.

Diese Arbeiten hat die Gemeinde seit 2005 ebenfalls in Angriff genommen und allen Grundstückseigentümern angeboten, gleichzeitig auch ihre privaten Leitungen überprüfen zu lassen.

Haben sich die Eigentümer in den Ortsteilen Rott und Mulartshütte, wo die Überprüfungen inzwischen abgeschlossen sind, nur etwa zur Hälfte beteiligt, so haben im zurzeit bearbeiteten Teil „Roetgen Nord I” schon rund zwei Drittel das Angebot angenommen. Zum einen rücke der Stichtag 2015 näher, zum anderen habe sich auch das Bewusstsein gewandelt, freuen sich Hubert Pauls und Michael Vorpeil über diesen Erfolg.

Wenig erfreut waren sie allerdings über den Verlauf der Ratssitzung. Hier konnte sich die Verwaltung mit ihrem Satzungsentwurf nicht durchsetzen. Mit großer Mehrheit quer durch alle Fraktionen abgelehnt wurde für die Erstprüfung die physikalische Prüfung per Luft-/Wasserdruck, wie sie für Neubauten und bei Änderungen verpflichtend ist.

Eine optische Prüfung (TV-Inspektion), die in einem neuen Vollzugserlass der Landesregierung als Regelverfahren bezeichnet wird, schien den Ratsmitgliedern ausreichend.

Dass Roetgen in einem Fremdwasserschwerpunktgebiet liegt und daher als Ausnahme anzusehen ist, wie die deutlich über der zulässigen 100-Prozent-Grenze liegenden Werte zeigen, schien ihnen dabei nicht von Belang.

Auch die von der Verwaltung vorgeschlagenen Fristen, die den Eigentümern für die Beseitigung von Mängeln gesetzt werden sollten, wurden abgelehnt. Analog zur von ihr selbst geübten Praxis sollten diese sechs Monate bei starken Schäden, zwölf Monate bei mittleren Schäden und 24 Monate bei geringen Schäden betragen.

Sechs Monate für starke beziehungsweise fünf Jahre für mittlere Schäden will der Gesetzgeber Zeit lassen, leichte Schäden sollen gar nur im Rahmen der Wiederholungsprüfungen beobachtet werden. Damit sei auf Jahre hinaus eine Chance vertan, gemeinsam mit den Bürgern nachhaltige Lösungen zu finden, die als Diskussionsgrundlage für die Vermeidung eines Fremdwassersanierungskonzeptes dienen könnten, ärgert sich Michael Vorpeil.

Das komme jetzt verpflichtend auf die Gemeinde zu. Über die Gebühren bezahlen müssten letztendlich alle Bürger die überhöhten Fremdwassereinträge.

Ein besonderes Kapitel sind Drainagen zur Ableitung von Oberflächenwasser. Grundsätzlich gilt jeder Anschluss, in den eine Drainage eingeleitet wird, als undicht. Nach aktuellem Erlass können Drainagen jedoch geduldet werden, wenn es keine andere Möglichkeit der Ableitung zum Beispiel in ein Grabensystem oder in ein nach Regen- und Schmutzwasser getrenntes Kanalsystem gibt.

Das bedeutet zunächst Entwarnung für die meisten Roetgener Eigentümer, denn im Gemeindegebiet ist noch überwiegend ein Mischkanalsystem verlegt.

Wo jedoch die Möglichkeit besteht, muss „umgeklemmt” werden. Im Rathaus steht Michael Vorpeil, Tel. 02471/1837, für Beratungen in allen Fragen rund um die Dichtheitsprüfung von privaten Abwasseranlagen zur Verfügung.
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