Der Trinkwasserdieb ist doch nur „dämlich”

Von: Ernst Schneiders
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Betroffene Schmidter Verbraucher habe die rötlich-braune Brühe aus ihren Wasserleitungen fotografiert. Die Farbe hat etwas von Weinbrand oder von Tee, der zu lange gezogen hat.

Schmidt. War am Dienstag noch von einer nicht näher bezifferten großen Menge Trinkwasser die Rede, die aus der Transportleitung des Perlenbachverbandes im Bereich Schmidt-Harscheidt vornehmlich an Wochenende illegal entnommen wird, so machte am Mittwoch eine wenn auch noch unbestätigte Zahl die Runde: Acht Kubikmeter Wasser sollen es jedes Mal sein, die abgezapft werden.

Und während sich der Perlenbachverband und das Gesundheitsamt des Kreises Aachen Gedanken machen, wie erstens der optimale Zustand des Lebensmittels Trinkwasser zu garantieren ist und man zweitens dem Wasserdieb auf die Schliche kommt, bleiben einige Frage nach wie vor unbeantwortet: Wohin fließt das Wasser? Wie wird es abgezapft, ohne dass jemand etwas merkt? Aber vor allem, wie wird es unbeobachtet abtransportiert? Wenn es denn acht Kubikmeter sind, geht das nicht in Eimern und Gießkannen.

Dieses Rätsels Lösung konnte am Mittwoch auch Monschaus Bürgermeister Theo Steinröx, Verbandsvorsteher des Perlenbachverbandes, nicht präsentieren.

„Mit Nachdruck unterbinden”

Derk Buchsteiner, Technischer Betriebsleiter des Perlenbachverbandes habe den „klaren Auftrag erhalten” den Missständen auf die Spur zu kommen und sie „mit Nachdruck zu unterbinden”, so Steinröx. Außerdem, so der Verbandsvorsteher weiter, solle künftig „so viel Technik vorangeschickt werden” wie erforderlich sei, um zu garantieren, dass bei größeren Wasserentnahmen der Feuerwehr das Trinkwasser in Schmidt oder sonstwo nicht wieder diese rötlich-braune Färbung annehme.

Den vorliegenden Fall der illegalen Wasserentnahme nannte Monschaus Bürgermeister „ärgerlich für alle Beteiligten und eine Straftat”. Entscheidend seien jetzt die Hinweise aus der Bevölkerung. Steinröx: „Wir brauchen die Mithilfe der Schmidter!”

„Turbulenzen” im Netz

Für das Gesundheitsamt des Kreises Aachen ist die Einfärbung des Wassers eine Folge von „Turbulenzen im Rohrleitungsnetz”, hervorgerufen durch große Wasserentnahmen. Durch diese Turbulenzen würden Beläge in den Leitungen, in aller Regel bestehend aus Eisen und auch aus Mangan, losgelöst. Kurzzeitige Überschreitungen der Eisen- und Mangan-Grenzwerte, so Hygieneärztin Dr. Cornelia Konteye, „stellen keine Gesundheitsgefährdung dar”. Allerdings könnten sie zu technischen Problemen bei Haushaltsgeräten führen.

Das Gesundheitsamt, so Dr. Konteye weiter, habe dem Perlenbachverband „einen detaillierten Handlungsplan auferlegt”, um das Problem des Rostwassers zu analysieren und zu klären.

Die Gesundheitsbehörde hat aus diesem Grunde ein akkreditiertes Labor beauftragt, Wasserproben zu entnehmen, und zwar nicht nur unter der Woche, sondern auch am Wochenende, wenn bei einer neuerlichen großen Wasserentnahme wieder starke Eintrübungen des Trinkwassers zu erwarten sind.

Für Nideggens Bürgermeister Willi Hönscheid macht die ganze Angelegenheit im Ortsteil Schmidt keinen Sinn, ist nicht logisch, und die entscheidende Fage lautet für ihn: Was passiert mit dem Wasser, das dort verschwindet? „Das muss doch irgendwer mitbekommen”, ist er überzeugt. Außerdem könne sich doch nur jemand ans Werk machen, der über das entsprechende Equipment verfüge.

„Wer tut sich das an?”

Der Perlenbachverband habe bisher auf eine Stafanzeige verzichtet. Höhnscheid: „Das sehe ich anders. Der Diebstahl von Trinkwasser ist kein Kavaliersdelikt.” Der Nideggener Bürgermeister, selbst Mitglied der Verbandsversammlung der Perlenbachverbandes, will sich mit Verbandsvorsteher Steinröx beraten und anschließend über eigene juristische Schritte nachdenken.

Verstehen kann Hönscheid das alles nicht. Be einem Preis von etwas mehr als einem Euro für den Kubikmeter Wasser, rechnet er vor, „wer tut sich das an, sogar noch mit dem Risiko, entdeckt zu werden? Das ist doch nur dämlich!”
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