„Der Staat soll mir nicht sagen, was gut ist“

Von: Jan Mönch
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Der Tresen des Bierbaums an der Simmerather Hauptstraße: Wirt Lothar Brewer rechnet durch das Rauchverbot mit Umsatzeinbußen. Doch er verlässt sich darauf, dass seine Stammgäste ihm die Treue halten. Kollegen ohne Außenausschank tun ihm Leid. Foto: J. Mönch

Nordeifel. Irgendwann in der Nacht zum Mittwoch wurden sie ausgedrückt, die letzten Zigaretten. Neben bayerischen gilt in nordrheinwestfälischen Kneipen seit diesem Tag das bundesweit strengste Rauchverbot. Das gilt natürlich auch für Lokale in der Nordeifel: Egal ob für den Haller in Monschau, die Buche und den Nassenhof in Mützenich – oder den Bierbaum in Simmerath.

Dort kocht Lothar Brewer seit 14 Jahren für seine Gäste vormittags Kaffee und zapft abends Bier. Mit einer schummerigen Spelunke hat der Bierbaum nichts gemein. Im Gegenteil: Eine große Glasfront taucht die Kneipe mit ihrer liebevoll gewählten Einrichtung tagsüber in freundliches Licht, mit dem Wirt ist man zu jeder Tages- und Nachtzeit gleich per Du.

Und doch soll der Bierbaum mitverantwortlich sein für 3300 Passivraucher, die angeblich jedes Jahr in Deutschland an der Sucht ihrer Mitmenschen sterben. Hauptsächlich mit diesem Argument hat nun auch die nordrhein-westfälische Landesregierung das sogenannte Nichtraucherschutzgesetz durchgesetzt.

„Dann muss ich bald eben in meinem eigenen Haus zum Rauchen vor die Tür“, sagt Lothar Brewer mit ironischem Unterton, und steckt sich eine Zigarette an. Noch darf er ja. Brewer ist niemand, der sich leicht aufregt. Dass ihm der Staat nun sagt, was er in seiner eigenen Lokalität zu tun und zu lassen hat, dafür hat er trotzdem wenig Verständnis. 70 Prozent seiner Gäste, schätzt er grob, seien Raucher. Und von denen, die zu den übrigen 30 Prozent zählen, habe sich nie einer bei ihm beklagt. „Ich habe nie geraucht, aber zu einer Kneipe gehören Zigaretten“, ruft wie zur Bestätigung ein Gast vom Tresen herüber.

Ähnlich wie Brewer lautet die Einschätzung des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), der insbesondere kleinere Kneipen in ihrer Existenz bedroht sieht. Für 2500 bis 3000 Lokale, hieß es vergangene Woche, könnte die wirtschaftliche Lage durch das Rauchverbot kritisch werden.

Auch Lothar Brewer geht fest davon aus, dass er in Zukunft weniger Striche auf die Deckel kritzeln wird, als bisher. Existenzielle Sorgen plagen ihn bislang dennoch nicht. Denn einen großen Teil seines Umsatzes verdankt er seiner Stammkundschaft. Und die wird ihn – darauf zählt er fest – schon nicht zwischen Zapfhahn und Spüle im Regen stehen lassen.

Außerdem hat Brewer auch vor der Tür an der Landesstraße einige Tische und Stühle für seine Gäste stehen. Er schätzt sich also noch verhältnismäßig glücklich. Ein Wirt, der ohne Terrasse etwa in der Aachener Partymeile Pontstraße bestehen muss, während sein Nachbar und Konkurrent womöglich über eine große Außengastronomie verfügt? „Der kann seinen Laden doch zumachen.“

Doch auch größere Betriebe blicken der Zeit nach dem heutigen Tag bang entgegen. Arno von den Driesch etwa ist Inhaber des Nassenhofs in Mützenich. Sein Lokal besteht aus einem Restaurant, einem großen Festsaal – und einer Kneipe. Auch von den Driesch rechnet mit gravierenden Umsatzeinbußen.

Doch schon jetzt haben die Gesetzesänderungen ihn einiges gekostet. Denn bei der Sanierung des Nassenhofs vor zwei Jahren achtete er penibel darauf, dass diese Aufteilung entsprechend dem alten Nichtraucherschutzgesetz eingehalten wird: „Ich musste für Gegenlüftung sorgen, Glastüren einbauen, das hat schon einige Tausend Euro gekostet.“ Heute weiß er: Das Geld hätte er sich ebenso gut sparen können. „Man wird heutzutage schon sehr bevormundet. Aber uns Geschäftsleute fragt ja niemand.“

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