Nordeifel - Der Natur wird kräftig unter die Arme gegriffen

Der Natur wird kräftig unter die Arme gegriffen

Von: Ernst Schneiders
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Beim Entrinden der Fichten im Nationalpark ist verstärkt Muskelkraft gefordert. Foto: Ernst Schneiders

Nordeifel. Mitmachen kann jeder. Bezahlen muss man nichts, aber Geld gibt´s auch nicht. Dafür gibt es jede Menge Arbeit an frischer Luft und das befriedigende Gefühl, der Natur eine Woche lang kräftig unter die Arme gegriffen zu haben.

Bergwald heißt der Verein aus Würzburg, der sich seit mehr als 20 Jahren und den Erhalt von Waldökosystemen kümmert. Zehntausende haben bereits bei diesen Projekten mit Hand angelegt. Die Teilnehmer kommen aus allen Altersgruppen, aus allen Berufsgruppen und aus allen Himmelsrichtungen. 18 Helfer hat es in diesem Jahr in den Nationalpark Eifel geführt.

„Wertvoll und effektiv”

Nach der Premiere im vergangenen Jahr hat die Nationalparkverwaltung auch in diesem Jahr wieder gerne das Hilfsangebot angenommen, wie Gerd Ahnert, stellvertretender Nationalparkleiter, betonte. Die Arbeit der Truppe zwischen 23 und 60 Jahren sei „wertvoll und effektiv”, lobte Ahnert, und mit Lohnarbeitern oder Betrieben nicht zu machen, weil nicht zu bezahlen.

Pfeifengras schützen

In drei Gruppen aufgeteilt, ging es unter der Woche ins Gelände. Eine Gruppe brachte am Obersee erneut die Pfeifengraswiese auf Vordermann. Dieses Pfeifengras ist laut Ahnert extrem selten und deshalb ebenso extrem schützenswert. In ganz Nordrhein-Westfalen gebe es nurmehr 56 Hektar, die mit diesem Gras bewachsen seien, und das, so Ahnert, sei vergleichsweise „Fliegenschiss”.

Weil es am Pfeifengras kein wirtschaftliches Interesse gebe, werde es ohne Hege und Pflege verschwinden, und mit ihm eine spezialisierte Tierwelt, beispielsweise der Mädesüß-Perlmuttfalter, der von Pfeifengras lebt. Eine zweite Gruppe hatte reichlich damit zu tun, junge Douglasien auszurupfen, um den Ziel eines Buchenmischwaldes näherzukommen, und die dritte Gruppe schälte Fichten, die als Totholz im Wald liegen bleiben, um die biologische Vielfalt zu fördern und Kleinlebenwesen Lebensraum zu bieten. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Mit Schabern und Muskeln

Der andere heißt Borkenkäfer, in hiesigen Breiten oft eine Plage. Während man inmitten des Nationalparks den „Buchdrucker” und andere zwischen Baum und Borke gewähren lässt, damit Natur auch Natur sein kann, ist man nach Ahnerts Worten an den Rändern des Nationalparks, an den Grenzen zu den Fichtennachbarn, peinlichst darauf bedacht, den Borkenkäfer nicht zur Plage werden zu lassen.

Weil Chemie nicht in Frage kommt, geht das nur mit scharf geschliffenen Schabern und Muskelkraft. Vier Männer und zwei Frauen, alle beheimatet zwischen Berlin und München, spuckten kräftig in die Hände und machten sich ans schweißtreibende Werk. Unterstützung mit schwerem Gerät gab es nur dann, wenn die etwa 100 Jahre alten Preußenbäume gewendet werden mussten. Diesen Namen verdanken die Fichten, welch eine Überraschung, den Preußen, die die verkarstete Eifel mit den schnell wachsenden Nadelbäumen aufforsteten. Was wiederum den Einheimischen gar nicht in den Kram passte, denn die wurden ihre kargen Schafweiden los.

Deshalb mussten die Anpflanzungen zeitweise von preußischen Soldaten bewacht werden, kramte Gerd Ahnert in der Historienkiste. Am Freitag endet das Bergwald-Projekt in der Eifel für dieses Jahr. Für einige endet damit gleichzeitig der Urlaub und Anfang nächster Woche wartet wieder der Job. Andere ziehen weiter zum nächsten Projekt in einem anderen Nationalpark, möglicherweise auf ein Wiedersehen in der Eifel im nächsten Jahr.
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