Nordeifel - Der Luchs hat die Eifel wiederentdeckt

Der Luchs hat die Eifel wiederentdeckt

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
Der Luchs ist zurück in der E
Der Luchs ist zurück in der Eifel. Es gibt immer wieder Beobachtungen, allerdings ohne regionale oder lokale Häufung. Wie viele Tiere sich zwischen Aachen und Trier mittlerweile aufhalten, ist aber noch völlig unklar. Foto: imago

Nordeifel. Schrecklich viel haben die Luchsberater in der Eifel noch nicht zu tun. Es gibt immer wieder Beobachtungen, so dass es zwar Gewissheit gibt, dass sich diese scheue Raubkatze irgendwo zwischen Aachen, Trier und den belgischen Ardennen aufhält, doch wie viele es sind und woher sie einwandern, wer weiß es schon?

„Wir können leider nicht fragen: Hey, wo kommst du her?”, beschreibt Dr. Ingrid Hucht-Ciorga von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung des Landesbetriebes Wald und Holz NRW in Bonn die Problematik.

Weil die Luchsberater mangels Luchsen noch Kapazitäten frei haben, werden sie zu Wolfsberatern weitergeschult. Denn der Wolf, das wollen Fachleute wissen, ist ebenfalls auf dem Weg in die Eifel.

In den Vogesen, also noch ein gutes Stück entfernt, wurde unlängst ein Tier gesehen, das, so Dr. Hucht-Ciorga, „wie ein Wolf aussah”. Das Foto war allerdings aus einem ungünstigen Winkel gemacht und so unbrauchbar, dass nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob es sich um eines dieser Tiere handelt, die bereits seit Jahrhunderten unter ihrem schlechten Image leiden.

Belegt würde damit allerdings die Annahme etlicher Experten, die davon ausgehen, dass der künftige „Eifel-Wolf” nicht von Westpolen über die Lausitz aus dem Osten einwandert, sondern aus dem Süden, von Frankreich kommend, wo sich inzwischen etliche Wolfsrudel etabliert haben. Die Vorfahren dieser Wölfe stammen ursprünglich aus Italien, wo sie auf dem Apennin die Nachstellungen während der Jahrhunderte überlebt haben, so Dr. Hucht-Ciorga.

Seit 2010 gibt es in NRW eine „AG Wolf”, in der Sachverstand aus verschiedenen Disziplinen und gesellschaftlichen Gruppen versammelt ist, um sich Isegrimm angemessen zu nähern. Denn, so Ingrid Hucht-Ciorga und Matthias Kaiser in einem Beitrag für „Natur in NRW” 2/11, der Wolf weise durch „seine Stellung am Ende der Nahrungskette ein vergleichsweise hohes Konfliktpotenzial in unserer Kulturlandschaft auf”. Der Umgang mit ihm müsse deshalb da-rauf ausgerichtet sein, Konflikte zu verhindern oder zu minimieren und den gesetzlich geforderten Schutz der Art zu gewährleisten.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Wolf im heutigen Nordrhein-Westfalen ausgerottet. „Letzte Wölfe” gab es in vielen Landesteilen. Sie galten als Monster und Ungeheuer, waren in Sagen, Mythen und Märchen immer die Bösen. Einen Kuschelfaktor hat Canis lupus bis heute nicht wirklich. Streng geschützt ist er allerdings genauso wie Lynx lynx, wobei die Großkatze mit ihren Pinselohren sehr sympathisch daherkommt. Der Luchs, so hieß es im Frühjahr aus dem Nationalparkforstamt, habe sogar das Zeug, das Wappentier des Nationalparks Eifel zu werden.

Im Dezember 2003 gelang erstmals in der Eifel ein Foto, das unzweifelhaft einen Luchs zeigt. Für Tierschützer und Wildbiologen wie Ingrid Hucht-Ciorga ein erfreulicher Anblick, denn der letzte Luchs ist bereits im 17. Jahrhundert aus unseren Wäldern verschwunden.

In den vergangenen zehn Jahren gebe es immer wieder Sichtungen in der nordrhein-westfälischen und der rheinland-pfälzischen Eifel sowie in den Ardennen, eine regionale oder lokale Häufung der Sichtungen sei allerdings nicht festzustellen.

Dabei müsse man auch stets in Rechnung stellen, wie gut die Beobachtungen seien und wie regelmäßig die Luchsberater über die Sichtungen informiert würden. Seit Jahren bereits seien keine Jungtiere mehr gesichtet worden, zumindest seien keine Meldungen darüber eingegangen. Deshalb wisse man auch nichts über die Reproduktionsraten der Raubkatzen, so die Biologin aus Bonn. Dr. Ingrid Hucht-Ciorga: „Spektakuläres gibt es nicht zu vermelden. Fest steht aber: Der Luchs ist da!”

Um das Beobachtungspotenzial besser ausschöpfen zu können, bittet Ingrid Hucht-Ciorga, Sichtungen möglichst zeitnah den örtlichen Luchsberatern mitzuteilen. Das gilt auch bei Auffinden von gerissenem Wild oder gerissenen Schafen. Die Luchs- und künftigen Wolfsberater sind geschult und können feststellen, ob die Tiere einem Luchs oder einem Wolf zum Opfer gefallen sind. Sofern das zweifelsfrei feststeht, zahlt das Land Schadensersatz. „Wenn so ein Kadaver aber bereits eine Weile liegt und die Füchse waren schon dran, dann sieht das aus, als habe ein Luchs das Tier gerissen. Das sind aber dann fast immer streunende Hunde gewesen.”

Freilaufende und streunende Hunde bereiteten weithaus größere Sorgen als Luchs oder Wolf. Die Wildbiologin: „Das ist inzwischen ein Riesenproblem!” Wer seinen Hund im Wald von der Leine lasse, der müsse das Tier jederzeit unter Kontrolle haben. Das sei allerdings sehr oft nicht der Fall. Hucht-Ciorga: „Viele Hundehalter sind ziemlich blauäugig.”
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