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Der etwas andere Gottesdienst in Roetgen

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:
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Möhnenmessen besitzen in Roetgen bereits Tradition. Am Donnerstag trafen sich die Teilnehmer des etwas anderen Gottesdienstes wieder in der Pfarrkirche St. Hubertus. Foto: Günther Sander

Roetgen. „The same procedure as every year!“ Genau das hatte eine nette Möhne sicher gemeint, aber in gutem Deutsch „Die gleiche Prozedur wie jedes Jahr“ ausgesprochen, als sie Donnerstagmorgen gut gelaunt auf dem Weg zur Möhnenmesse in der katholischen Pfarrkirche St. Hubertus unterwegs war. Sie war nicht Miss Sophie, aber es wurden bei ihr noch Erinnerungen an Silvester und „Dinner for One“ wach.

„Aber es ist immer eine schöne Sache“, schwärmte das Rüetscher Mädche, das bisher noch keine dieser Möhnemessen ausgelassen hat. Das traf sicher auch auf viele andere der Rütscher Seniorinnen und Senioren (die hatten sich auch spärlich unter die Weiber gewagt) zu. Natürlich waren hübsche Kostüme nicht zu übersehen, wie es sich halt für eine „Festmesse“ geziemt. Stimmung, gute Laune pur, lustiger Gesang und Platt-Gebete und -gesänge wurden gen Himmel geschickt.

Die Hände zum Himmel

Der frühere Pfarrer Hans-Georg Schornstein, bekanntlich ein „närrischer Mann“, ob auf dem närrischen Parkett, in der Bütt, Pardon auf der Kanzel, oder im Kostüm als Prinz Karneval zu Roetgen, hatte seinerzeit mit diesem Angebot genau den Geschmack seiner „Schäfchen“ getroffen. Diesmal war er als Gast da. „Es ist heute ein närrisches Jubiläum, nämlich zweimal elf, also die 22. Messe“, sagte er stolz.

Er verstand es vorzüglich, die Messtexte in Rüetscher Platt zu übersetzen, damit sie von allen verständlich ausgesprochen werden können. Eine Messe in gutem Platt, die muss doch ansprechen und begeistern, durfte sich der Geistliche sicher sein. Das war auch am Donnerstag nicht anders. Auf seinem T-Shirt machte der frühere Pfarrer keinen Hehl aus einem Glaubensbekenntnis: „Ob Himmel oder Hölle, Alemannia lieber als FC Kölle!“

War es eine Damensitzung oder doch die angekündigte Möhnenmesse? Beides traf zu, denn es fing lustig an. Pfarrer Ruprecht van de Weyer und Küster Thomas Rombach hatten alles fest im Griff. Da folgte gleich zu Beginn die Aufforderung nach dem bekannten Hit der Bläck Föös „Drenk doch änge met“ der Rüetscher Text „Bähn doch eefach met, stell dich net esu aahn.“ Überhaupt wechselten die Stimmungslieder in bunter Folge: „Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin“, „Und dann die Hände zum Himmel“, „Merci, vörr de schönne Morje“.

Die Orgel intonierte „Ich bin ne Räuber“, „Wer soll das bezahlen?“ Originell die Predigt von Thomas Rombach (op Platt) sowie die Fürbitten einiger Möhne. Und erst beim Schlusslied: „Wer sönd va Rüetsche, un Rüetsche dat ess schönn, wer hant en Talsperr un e Pessevenn“, da ging gehörig die Post ab. Nach dem Segen dann ein Hit der „Höhner“: „Die Karawane zieht weiter.“

Zum Frühstück ging es in „de Kerschbröck“, wo eine Stärkung auf die närrischen Kirchengänger wartete. Dr. Marion Behrendt-Höhne vom Leitungsteam erläutert das Besondere an dieser Möhnenmesse: „Mit Sicherheit das Platt. Und natürlich die Verkleidung, die Gestaltung mit eigenen Kräften und die schöne Musik.“ Überhaupt, eigentlich alles, was sich von einer anderen Messe unterscheide, versichert sie. Nach der Möhnemesse war die Stimmung gut beim anschließenden Frühstück. Unter den närrischen Festgästen war natürlich auch Möhnenmessen-Initiator Hans-Georg Schornstein, der sich sichtlich gut amüsierte.

Das Spektakel hatte schon am Vortag unter dem Motto „Kirche in lustiger Gemeinschaft“ begonnen, gleichsam eine Ouvertüre zur Möhnenmesse. Wie lustig und spaßig Ökumene sein kann, wurde hier praktiziert.

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