Roetgen - Der Breitbandausbau wird noch lange ein Thema sein

Der Breitbandausbau wird noch lange ein Thema sein

Von: ag
Letzte Aktualisierung:

Roetgen. Der Ausbau des Breitbandinternets war jetzt erneut Thema im Bauausschuss der Gemeinde Roetgen. Eingeladen war Dr. Jürgen Kaack von der STZ Consulting Group aus Erftstadt, um die möglichen Wege und die dafür notwendigen Voraussetzungen aufzuzeigen.

„Die Ansprüche und Erfordernisse an die Internetverbindung steigen ständig“, hielt Kaack zunächst fest und zeigte anhand einer Powerpoint-Präsentation, was im Internet mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten überhaupt nutzbar ist. Mit 2 bis 6 Mbit/s sind demnach einfache Internetanwendungen wie Home-Banking und E-Mail-Verkehr möglich. Für alle gängigen privaten und beruflichen Anwendungen sollten es dann aber schon 16 Mbit/s sein. 20 bis 50 Mbit/s werden für zusätzliche HD-Fernsehprogramme benötigt. 50 Mbit/s und mehr werden für schnelle Uploads zum Beispiel im bereich Cloud-Computing gebraucht.

Strenge Vorgaben

Die Gemeinde dürfe sich aber nur unter bestimmten Bedingungen überhaupt mit dem Thema beschäftigen. Gefördert werden könnten nur unterversorgte Gebiete, egal ob durch die Kommune, das Land oder den Bund. Unterversorgte Gebiete sind nach Definition der EU geschlossene Gebiete, in denen weniger als zehn Prozent der Bewohner über einen Anschluss mit mehr als 2 Mbit/s verfügen. Unterversorgt sind in der Gemeinde Roetgen demnach der Ortsteil Mulartshütte und der sogenannte „Schachbrett-Bereich“.

Wenn diese Gebiete gefördert werden sollen, müssen bestimmte Schritte eingehalten werden, erklärte Kaack. Der erste Schritt ist die Analyse der jeweiligen Ausgangs- und Versorgungssituation. Der zweite Schritt ist die Befragung von Haushalten und Unternehmen für eine Potenzialanalyse. Im dritten Schritt geht es um Markterkundung und um Konzepte im Interessenbekundungs-Verfahren. Im vierten Schritt steht ein öffentliches und transparentes Auswahlverfahren an, das technologieneutral sein muss. Im fünften Schritt geht es dann schließlich um die Auswertung und Empfehlung und den Förderantrag. Die Gemeinde Roetgen steht jetzt vor dem fünften Schritt.

Am Anfang des Roetgener Breitbandprojektes standen Beschwerden und Anfragen aus der Bevölkerung. Im gesamten Gemeindegebiet wurden dann im Juli 2013 Haushalte und Betriebe befragt, um den Bedarf an schnellen Breitbandzugängen festzustellen. Dabei gab es eine überdurchschnittlich hohe Rücklaufquote, die Kaack als wohl einmalig in NRW bezeichnete. Daran zeige sich aber auch, wie hoch der Druck offensichtlich sei.

Eine öffentliche Markterkundung bis zum 19. August ergab kein qualifiziertes Ausbaukonzept. Anschließend wurde ein öffentliches Auswahlverfahren gestartet. Zum Ablauf der Frist am 17. Oktober lagen drei Angebote vor, wovon eines aufgrund von Formfehlern und inhaltlichen Mängeln ausgeschlossen wurde.

Auf Basis eines Vergabegutachtens können nun Förderanträge für beide Ausbaugebiete gestellt werden. Allerdings drängt die Zeit. Die Anträge müssen für die laufende Förderperiode noch in diesem Jahr eingereicht werden. Nach der Bewilligung können schließlich die Kooperationsverträge zwischen Gemeinde und Unternehmen geschlossen werden. Der Ausbau selbst wird dann ca. zwölf Monate dauern. Danach können 97 Prozent aller Anschlüsse in den Ausbaugebieten mindestens 6 Mbit/s nutzen. In Mulartshütte werden 80 Prozent 25 bis 50 Mbit/s erreichen, im „Schachbrett“ werden es 60 Prozent sein.

Ein weiterer Ausbau sei technisch grundsätzlich möglich, erklärte Kaack. Dafür sei aber einiger Aufwand nötig. Fördermittel seien voraussichtlich dafür nicht zu erwarten, außerdem müsse die rechtliche Grundlage für einen Ausbau oberhalb der Grundversorgung (2 Mbit/s laut EU) geprüft werden.

Kaack machte deutlich, dass der Bedarf auch in den kommenden Jahren weiter steigen werde. Die Wunschbandbreite steige mit der vorhandenen. „Das ist ein wiederkehrendes Phänomen“, sagte Kaack. Er sprach von einem dynamischen Prozess, „der uns über Jahre begleiten wird“ und dessen Ende noch lange nicht erreicht sei. „Die Gigabit-Gesellschaft kommt“, sagte Kaack. Der jetzt geplante Ausbau könne deshalb den bedarf auch nur kurzfristig befriedigen. Außerdem seien die alten Kupferdoppeladern, die einst für die Telefonversorgung genutzt wurden, das völlig falsche Medium. In Kürze würden die Grenze des auf dieser Basis technisch Machbaren erreicht. Da die verfügbaren Funkfrequenzen schon nicht ausreichen würden, um das heute vorhandene Datenvolumen zu bewältigen, seien Glasfaserleitungen, die direkt ins Haus führen, die sinnvollste Lösung, keine andere sei ähnlich nachhaltig und zukunftssicher Kaum ein Anbieter sei aber bereit, in diese Technik zu investieren. dafür müssten alle Straßen geöffnet und alle Hausanschlüsse erneuert werden. Die hohen Investitionen und lange Armotisationszeiten erschwerten den Ausbau für die Netzbetreiber.

Breitbandbeauftragter

Voraussetzungen für einen mittelfristigen Ausbau mit Glasfaseranschlüssen seien die Bestellung eines Breitbandbeauftragten in der Gemeinde und die Erstellung eines Master- bzw. Netzplans. Gleichzeitig müsse die Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern geprüft werden. Geprüft werden müsse außerdem, ob Synergieeffekte in Zusammenhang mit Sanierungsvorhaben geschaffen werden können. Also, dass zum Beispiel bei einer Straßensanierung gleichzeitig Leerrohre für spätere Glasfaserleitungen verlegt werden, um so Kosten zu sparen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert