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Den Traum von einer eigenen Brauerei verwirklicht

Von: Anneliese Lauscher
Letzte Aktualisierung:
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Die Drei vom Braukeller: Inhaber Rolf Schermuly, Tanja Busch und Claudia Glasen. Foto: Anneliese Lauscher

Roetgen. Mit seiner eigenen Brauerei erfüllt sich Rolf Schermuly einen lang gehegten Wunsch; nun zapft er in seiner Schenke selbst gebrautes „Scheärmull-Bräu“. „Bier in seiner ganzen Vielfalt kommt hier ein bisschen zu kurz“, ist er überzeugt. In Belgien, aber auch in Franken, wo es viele kleine Brauereien gibt, hat er sich inspirieren lassen.

Er ist der Meinung, das Bierbrauen sei jahrzehntelang wie etwas „Geheimbündlerisches“ gehandhabt worden. Dann kam Jean Pütz mit seiner Hobbythek und stellte „Bier selbst gebraut“ vor. „Damit hat er viele Türen geöffnet“, meint Rolf Schermuly.

Gaststätte war nötig

Zu seinem Plan gehörte es, dass er zunächst eine Gaststätte benötigte. Er erwarb das „Brander Stübchen“ in der Wilhelmstraße, baute es eigenhändig um und eröffnete vor zwei Jahren seine gemütliche Kneipe. Damals war er gerade aus dem ABK-Hilfswerk ausgeschieden, wo er 25 Jahre lang in verantwortlicher Position als pädagogischer Leiter tätig war. Hier hatte er Tanja Busch kennengelernt, sie war eine Bewohnerin im ABK-Wohnheim; das ABK-Hilfswerk kümmert sich um junge Erwachsene, die aufgrund von psychischen Defiziten und/oder Verhaltensstörungen nicht in der Lage sind, ein selbstständiges Leben zu führen. Ziel ist es, sie durch Unterricht, Training und spezielle Therapien zu befähigen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Tanja Busch arbeitete gern in der Küche, sie machte eine Ausbildung zur Beiköchin. In ihr fand Rolf Schermuly die geeignete Fachkraft, er stellte sie ein, und sie kocht mit Hingabe. Stets gibt es Herzhaftes zum Bier, frisch zubereitet. „Bei uns soll man deftig trinken und deftig essen“, lautet ein Grundsatz. Fritten gibt‘s nicht, sondern handgemachte Bratkartoffeln. Die Reibekuchen sind ein Renner und die raffinierten Dressings, dafür bekommt Tanja Busch viel Anerkennung. Wenn sie nach getaner Arbeit noch gut drauf ist, setzt sie sich auch schon mal ans Klavier und haut zur Freude der Stammgäste in die Tasten!

Im vorigen Jahr wurde Tanja Busch vom Landschaftsverband Rheinland mit einem besonderen Preis ausgezeichnet: „Arbeit – echt stark!“ Mit diesem Preis ehrt der LVR Menschen mit Behinderung „für gelungene Teilhabe am Arbeitsleben“.

Für Rolf Schermuly und seine Partnerin, Claudia Glasen, stand von Anfang an fest, dass ihre urige Gaststätte eine originelle Einrichtung und Ausstattung bekommen sollte. Sie sammelten alte Brauhaustische und Wirtshausstühle, auch witzige Skulpturen, Schnitzereien und Bilder, die lebensfrohe, trinkfreudige Gesellen zeigen.

„Im Scheärmull-Bräu trifft man Menschen, die den Genüssen des Lebens zugänglich sind“, fasst Rolf Schermuly zusammen. Bevor er seinen Traum von der Hausbrauerei wahr machen konnte, probierte er im Kleinen das Bierbrauen aus – es klappte, und es schmeckte! Dann hielt er Ausschau nach einer passenden Anlage, nun steht sie in seinem Braukeller, sie fasst 600 Liter. Das obergärige Bier aus dem Scheärmull-Bräu hat schon viele Freunde gefunden, es gibt ein Blondes mit 5,8 Prozent und ein Braunes mit 6,3 Prozent Alkohol, natürlich nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut.

Erstaunlich gut ist die Nachfrage nach dem Braunen, das findet Rolf Schermuly für die hiesige Region ungewöhnlich: „Das Verhältnis ist ungefähr drei Blonde zu zwei Braunen“, berichtet er.

Demnächst wird die Palette noch durch ein Bockbier ergänzt. Und ein Brauhelfer soll dem Chef zur Hand gehen, das ist Dietmar Heimermann, ein weiterer Bewohner des ABK; er wird ein Praktikum absolvieren.

Ein süßes Teilchen

Wie die Hausbrauerei zu ihrem Namen kam? Das beantwortet Rolf Schermuly folgendermaßen: „Scheärmull“ war in seiner Kindheit ein alter Aachener Ausdruck für ein süßes Teilchen, das man in der Karwoche kaufen konnte. Da sein Familienname diesem sehr ähnelte, haben ihn die Kinder in der Schulzeit so gerufen, und nun findet er ihn passend für seine Hausbrauerei und Schenke.

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