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Den Brockhaus aus dem Regal verdrängt

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Steffen Heinz aus Kesternich ist seit 2004 auf der Wikipedia-Plattform aktiv: Inzwischen hat er dort rund 400 Artikel neu eingestellt. Seine Schwerpunktthemen sind Hunde und die Eifel. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Es ist noch nicht lange her, da führte der Weg zum Lexikon im Bücherregal, wenn man etwas nachschlagen wollte. Das bekannteste Lexikon, die Brockhaus Enzyklopädie, wird inzwischen nicht mehr vertrieben. Heute führt der Weg eher ins Internet zum Onlinelexikon Wikipedia, das im Januar seinen 15. Geburtstag feierte. Steffen Heinz aus Kesternich arbeitet seit 2004 ehrenamtlich mit.

Wikipedia ist nach eigenen Angaben inzwischen zum umfangreichsten Lexikon der Welt angewachsen und gehört zu den am meisten besuchten Internetseiten. „Über 37 Millionen Artikel der Wikipedia in annähernd 300 Sprachen wurden bis Anfang 2016 in Mehrautorenschaft von freiwilligen Autoren verfasst. Darüber hinaus werden die Artikel nach dem Prinzip des kollaborativen Schreibens fortwährend bearbeitet und diskutiert. Alle Inhalte der Wikipedia stehen unter freien Lizenzen“, ist in dem Onlinelexikon unter dem Begriff Wikipedia zu lesen.

Steffen Heinz aus Kesternich ist einer dieser freiwilligen Autoren. Seit dem Jahr 2004 ist der 66-Jährige ehrenamtlich auf der Plattform aktiv. Damals war das Lexikon längst noch nicht so umfangreich wie heute, es gab nicht viele Bilder und die Internetleitungen waren äußerst behäbig. Heinz suchte damals Informationen zum Thema Hunderassen.

„Da war aber nicht nichts. Also habe ich gesagt, dann mache ich es eben selbst“, erklärt der Rentner. Es gab wohl eine „Liste der Hunderassen“ mit vielen Namen. Aber damit war schon Schluss. Die meisten Namen waren noch „rot“, also gab es noch keine Artikel dazu. Er machte sich daran, die Liste der Hundearten und die Beschreibungen zu komplettieren.

„Wenn ich gewusst hätte, wie viel hundert Stunden ich in nächster Zeit mit der Suche und dem Schreiben verbringen sollte, ich weiß nicht, ob ich mich darauf eingelassen hätte“, sagt Heinz. Fertig ist er aber mit den Beschreibungen noch nicht. Manche Stellen sind ihm noch zu dürftig und einige Bilder vermisst er auch noch. „Ich habe die Hunderassen und alle anderen Hundethemen weiter auf meiner Liste und unter Beobachtung“, sagt Heinz. Jemanden, der sich mit Wikipedia auskennt, kannte er damals noch nicht. „Ich sprang also ins Wasser unbekannter Tiefe, um schwimmen zu lernen“, sagt Heinz.

Ein weiteres Thema, mit dem er sich bei Wikipedia beschäftigt, ist die Eifel mit dem Schwerpunkt Monschau, Simmerath und Umgebung. Zuletzt hat er eine Liste der Burgen in der Eifel zusammengestellt. „Das ist sehr interessant. Da merkt man erst, was es hier alles gibt“, sagt Heinz. Inzwischen hat er rund 400 Artikel neu angelegt. Viele davon wurden von Zeitungsartikeln inspiriert, etwa der Artikel über die Meysenburg in Huppenbroich. „Man entdeckt Dinge, mit denen man sich sonst nicht so beschäftigt hätte, oder auch nicht erahnt hätte, dass es sie gibt. Man hält automatisch die Augen auf und wird offen für Anregungen“, beschreibt der 66-Jährige seine Motivation. Aktuell befasst er sich mit einem Tunnel unter der Drover Heide.

Neue Themen zu finden, sei inzwischen schwierig geworden. „Früher brauchte man sich nur umzugucken.“ Mittlerweile sei schon sehr viel in dem Lexikon erfasst, so dass jetzt oft eher die Spezialisten gefragt seien. Solange ihm die Themen nicht ausgehen, will Steffen Heinz jedenfalls weitermachen. Ein Thema, das ihn noch reizen würde, ist die Entstehungsgeschichte des Eifelvereins.

Für sein Hobby legte er sich auch eine Digitalkamera zu, zunächst um die Hunderassen auch optisch vorzustellen. Bis heute sind auch zahlreiche Eifelbilder hinzugekommen.

Heinz investierte aber nicht nur in Technik, sondern auch in Literatur. Um das Thema Hunde bearbeiten zu können, besorgte er sich einige Standardwerke. Jahrelang widmete er sich dem Thema fast allein. „Zum Glück haben sich Mitstreiter gefunden, kompetente Mitstreiter, Fachmenschen.“ So habe er sich etwas zurückziehen können. „Ich mag mich nicht um den ganzen Formalismus kümmern, das können die Neuen besser“, sagt Heinz. Neue Artikel zu diesem Themenkomplex seien in letzter Zeit kaum noch hinzugekommen, dafür seien die älteren sehr stark verbessert worden.

Heinz will weiter die Augen aufhalten. „Ab und an stoße ich noch auf Kleinigkeiten, die bei Wikipedia fehlen. Wer weiß schon, was ein Noppeneisen ist, wenn er nicht gerade in der Tuchindustrie in der Nachkontrolle gearbeitet hat. Oder wer weiß, was Polierrot ist, wenn er nicht gerade Bildhauer ist“, sagt er.

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