Monschau - Den Bächen wieder Leben eingehaucht

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Den Bächen wieder Leben eingehaucht

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Vorher: Ein Wehr mit einem schmalen Rohr macht Fischen die Wanderung zu den Laichgründen unmöglich. Foto: Biologische Station

Monschau. Angefangen hat alles mit der Flussperlmuschel: Vor gut 200 Jahren gab es wohl noch 1,5 Millionen Muscheln in der Rur, 2003 waren es nur noch 50. In den Bächen und Flüssen der Nordeifel ist die sechs Millionen Jahre alte Muschelart also akut vom Aussterben bedroht. Und auch Fische schwammen in den letzten Jahren längst nicht mehr in allen Bächen.

Deutlicher konnte der Handlungsbedarf nicht aufgezeigt werden. Und so startete im Oktober 2003 das Naturschutzprojekt „Life - lebendige Bäche in der Eifel” mit dem ehrgeizigen Ziel, die Flora und Fauna rund um Rur, Perlenbach, Fuhrtsbach und die Nebenbäche - im Euskirchener Raum auch ein Gebiet um die Kyll - wieder in ihren natürlichen Zustand zu bringen, den sie vor den massiven Eingriffen der Menschen hatten. 60 Kilometer Bachlauf sollten - so nennen es die Biologen - revitalisiert, der natürliche Lebensraum nährstoffarmer Mittelgebirgsbach wiederhergestellt werden.

Die sogenannte „naturferne Landschaft” sollte Vergangenheit werden: In den 50er und 60er Jahren wurden Fichten gepflanzt, die heute weite Teile der Wälder dominieren. Flüsse und Bäche waren im Laufe der Zeit begradigt worden, Querbauwerke wie Wehre und Teiche ließen keine Fischwanderungen zu den Laichgründen zu.

Jeder Seitenlauf, der in den Perlenbach fließt, war mit einem für Wassertiere unüberwindbaren Rohr versehen. Weil es keine Uferrandstreifen aus Gras, Sträuchern und Bäumen mehr gab, die den Eintrag von Sedimenten filtern können, waren die Bäche verschlammt.

Die Natur ist eben ein komplexes System, in dem viele Komponenten zusammen wirken. Im Verlaufe des Projektes wurde deutlich, dass mit einer Entfichtung alleine die Arbeit nicht getan ist. Um beispielsweise die Population der Flussperlmuschel zu erhalten, müssen Wanderbarrieren für die Bachforelle entfernt werden, da nur so die Muschellarven von A nach B transportiert werden können, damit sie sich mit nicht-verwandeten Muscheln vermehren können. Außerdem brauchen die Tiere Sauerstoff im Wasser - und in verschlammten Gewässern ist der Sauerstoffgehalt gering.

Verrohrungen durch Stege ersetzt

Die biologischen Stationen des Kreises Aachen und Euskirchen haben sich in Kooperation mit dem Wasserversorgungsverband Perlenbach, Nationalparkforstamt Eifel und dem Forstamt Rureifel ans Werk gemacht. In den vergangenen Jahren wurden über 100 Wanderbarrieren für Bachforellen und Bachneunaugen entfernt: Verrohrungen wurden weggenommen oder durch Brücken ersetzt, Wehre wurden umgebaut und Teiche bekamen einen Umlauf.

Furte, die Schlamm in die Bäche tragen, wurden dort - wo es sich mit der landwirtschaftlichen Nutzung vereinbaren ließ - entfernt oder umgebaut. Begradigungen sind, um einen natürlichen Lebensraum für die Tiere zu schaffen, sowie zum besseren Hochwasserschutz aufgehoben worden.

Über eine Strecke von 15,3 Kilometern wurde das Ufer so bepflanzt, wie es ohne den Eingriff des Menschen vermutlich gewachsen wäre. Im Auenbereich wurden 90 Hektar Wald entfichtet, 15 Hektar wurden mit Eschen und Erlen bepflanzt. „Diese Bepflanzung ist viel besser für den Bach. Die Nadeln können von den Mikroorganismen nicht zersetzt werden und bieten ihnen daher keine Nahrung.

Die Mikroorganismen aber wiederum sind die Nahrung der Bachforellen. Durch die Nadelbäume wird schlussendlich die Nahrungskette unterbrochen”, erklärt Projektmanager Stephan Miser von der biologischen Station. Auch die ganzjährige Beschattung der Bachläufe durch Nadelbäume schade Tieren wie der Flussperlmuschel.

25 Hektar des einstigen Fichtenwaldes wurden in naturnahe auentypische Feucht- und Magerwiesen umgewandelt, die übrigen entfichteten Gebiete werden der Natur überlassen.. „Viele dieser Wiesen haben nie Dünger gesehen und so besteht hier die Chance, dass wieder bunte Wiesen wachsen können.”

Feuerfalter und Wildkatzen

Die können dann dem blauschillernden Feuerfalter - einem seltenen Schmetterling - Heimat bieten. Neben der Aue wurden auch Felsen freigelegt, um helle Plätze zu schaffen, an denen sich Wildkatzen wohlfühlen.

„Ohne grenzübergreifende Kooperationen funktioniert so ein Projekt nicht, wenn die Quelle nicht im Land liegt”, sagt Miser. Und so hat er auch das Forstamt Elsenborn mit ins Boot geholt, das einen Beitrag zur geringeren Verschlammung der Bäche leistet.

2,4 Millionen Euro sind mit dem Projekt in die Region geflossen. 70 Prozent davon wurden direkt in Maßnahmen gesteckt, die von regionalen Unternehmen durchgeführt wurden. Von den übrigen 30 Prozent wurden Personal und Verwaltung gezahlt. Außerdem mussten drei Teiche erworben und Waldbesitzer für die vorzeitige Abholzung entschädigt werden.

Immer wieder galt es zwischen Ökologie und Ökonomie abzuwägen. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. „Im Heisterbach gab es keine Fische mehr. Nachdem wir die Wanderbarrieren entfernt hatten, waren gleich im nächsten Jahr schon Fische da”, freut sich Miseré.

Das Projekt wurde wissenschaftlich mit einem sogenannten Monitoring-Programm begleitet. „Die Wasserqualität in den Bächen des Monschauer Landes war schon immer gut. Allerdings war der Sauerstoffgehalt gering und die Gewässer waren verschlammt”, erklärt Miser. Die Bäche waren nicht mehr lebendig, denn beispielsweise die Bachforelle braucht zum Laichen sauerstoffreiche Kiesbänke. Doch die Bedingungen ändern sich langsam.

Noch einiges zu tun

Aber es gibt noch einiges zu tun. Zum Beispiel muss weiterhin daran gearbeitet werden, dass das Wasser nicht über Wege in die Bäche läuft, damit weniger Schlamm dort hinein gelangt. Der biologischen Station liegt die Region am Herzen und so sollen die Flächen weiter gepflegt werden, beispielsweise indem Jungfichten entfernt werden. Um weitere Maßnahmen umsetzen zu können, sollen neue Fördertöpfe erschlossen werden.
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