Simmerath - „Demenz gehört bald zum Alltagsbild“

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„Demenz gehört bald zum Alltagsbild“

Von: P. St.
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Im Rahmen der Auftaktveranstaltung der „Aktion Demenz Simmerath“ kamen rund 30 Interessierte in den Sitzungssaal des Simmerather Rathauses. Informationsmaterial war reichlich vorhanden und sehr begehrt. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. „Demenz – was nun?“ war die Auftaktveranstaltung der in der Gründungsphase befindlichen „Aktion Demenz Simmerath“ überschrieben worden. Diese Frage stellt sich in der Tat immer häufiger, denn die Zahl der demenziell erkrankten Menschen steigt schlagartig.

„Der Demenzkranke wird bald zu unserem Alltagsbild gehören“, sagte Joachim Lennefer, Leiter des Seniorenwohnsitzes Kalterherberg, der in seinem Referat die mit der Krankheit verbundenen Herausforderungen skizzierte und anschaulich typische Verläufe einer beginnenden Demenz beschrieb.

Das Referat des Experten stand im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung, zu der etwa 30 Interessierte (fast ausschließlich Frauen) ins Simmerather Rathaus gekommen waren.

„Demenz kann jeden treffen“, stellte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns fest, der in der Initiative auch einen weiteren Baustein für die „Gesundheitsgemeinde Simmerath“ sah.

Ziel ist es, eine Selbsthilfegruppe für betroffene Angehörige ins Leben zu rufen, um im Erfahrungsaustausch mit Betroffenen und durch Vorträge die Kompetenz im Umgang mit der Krankheit zu erlernen, statt ihr hilflos und unwissend gegenüberzustehen.

Initiator der Aktion ist der Simmerather Mediziner Dr. Ulrich Albert, der betonte, dass es enorm wichtig für die Gesellschaft sei, die Bürger für die Krankheit zu sensibilisieren. Er sprach von einer „furchtbaren Krankheit, die heimlich kommt, lange unentdeckt bleibt und für die es keine Therapiemöglichkeit gibt.“ 250 bekannte Demenz-Fälle gibt es laut Dr. Albert aktuell in der Gemeinde Simmerath.

Das Ziel Simmeraths, eine demenzfreundliche Gemeinde zu werden, findet auch volle Unterstützung bei der Alzheimer-Gesellschaft Aachen, die durch Vorstandsmitglied Manfred Wüller von der AOK Stolberg vertreten war. Er informierte ausführlich über die Aktivitäten der Gesellschaft und wie auch später Andrea Karbig, Leiterin der Caritas-Pflegestation in Simmerath, über Hilfsangebote für Angehörige.

In seinem Referat konfrontierte Joachim Lennefer die Zuhörer auch mit ein paar unangenehmen Wahrheiten, denn alle Versuche, bei Demenzerkrankten die verlorenen Hirnfunktionen wieder zu aktivieren, seien nicht von Erfolg getragen. Sorgen bereite auch, dass die Krankheit immer häufiger bei jungen Leuten auftrete; der größte Risikofaktor aber sei das Alter.

„Die Pest des 21. Jahrhunderts“

Demenz sei eine „schwere, fortschreitende, neurologische Systemerkrankung“ oder anders ausgedrückt „die Pest des 21. Jahrhunderts“. Feststellen müsse man auch, dass die Angehörigen bei einer schweren Demenz mit der Aufgabe der Pflege in der Regel überfordert seien. Daher sei es wichtig, dass die Menschen im Umgang mit der Krankheit geschult würden und möglichst viele Einrichtungen und Institutionen über das Krankheitsbild informiert würden, um einen adäquaten Umgang damit zu pflegen.

Diesen Gedanken griff auch Karl-Heinz Hermanns auf, der sich vorstellen konnte, auch Feuerwehren, Polizei und Behörden durch entsprechende Schulungen dem Thema Demenz näherzubringen.

„Wichtig ist, dass die Gesellschaft den Umgang mit der Krankheit lernt“, wünscht sich Stefan Könnicke, Leiter der Seniorenresidenz Simmerath, „denn der Demenzkranke, der im Schlafanzug im Friseurgeschäft steht, ist nicht unbedingt unglücklich.“

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