Dem Osterhasen in der Nordeifel geht es schlecht

Von: Clara Lamm
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Feldhasen leben in sogenannten Niederwildgegenden als Einzelgänger. Nach dem Rivalenkampf der Rammler um eine Häsin bringt diese nach der Tragzeit drei bis vier Junghasen zur Welt. Foto: imago

Nordeifel. „Menschen, Hunde, Wölfe, Lüchse Katzen, Marder, Wiesel, Füchse Adler, Uhu, Raben, Krähen jeder Habicht, den wir sehen Elstern auch nicht zu vergessen alles, alles will ihn fressen”, zitiert Hermann Carl aus einem seiner Bücher.

Ostern steht vor der Tür, die ersten Osterglocken zeigen sich, Kinder werden begeistert Ostereier suchen, doch den beliebten Osterhasen findet man nur noch selten. Sein Leben wird von den zahlreichen genannten Beutegreifern bedroht, sodass sein Bestand deutlich gefährdet ist.

Der Obmann der Jägerschaft „Lernort Natur” und somit auch Leiter der „Rollenden Waldschule” weiß um diese Gefährdung und möchte entsprechend seiner Aufgabe als Jäger wieder einen artenreichen, gesunden Wildbestand herstellen.

Drei bis vier Würfe im Jahr

Der Bedrohung durch seine Vielzahl an Prädatoren (Beutegreifern) steht die relativ hohe Vermehrungsrate des Hasen entgegen. Der besonders in den Niederwildgegenden und auch bei uns am häufigsten vorkommende Feldhase kann drei- bis viermal im Jahr jeweils drei bis vier Junghasen bekommen.

Dazu kommt noch die Superfötation, durch die eine Häsin mehrere verschieden alte Embryonen gleichzeitig in ihrem Körper tragen kann, sodass die Junghasen noch vor Ende der normalen Tragzeit, welche 42 bis 44 Tage beträgt, geboren werden können.

Die Häsin lässt ihre Jungen, die im Gegensatz zu den artverwandten Kaninchen bereits sehen können und auch schon über Haare verfügen, nach der Geburt in einer Mulde (Sasse) zurück und besucht sie ein- bis dreimal täglich, um sie mit der fettreichen und nahrhaften Hasenmilch zu säugen.

Kein Kontakt zum Vater

Wenn die Säugungszeit nach drei Wochen abgeschlossen ist, sind die Junghasen, welche nach neun bis zwölf Monaten ausgewachsen sind, auf sich allein gestellt. Zu ihrem Vater, dem Rammler, haben die Junghasen erst gar keinen Kontakt. Die ersten Junghasen, welche als Märzhasen bezeichnet werden, überleben hier selten, da sie im Monschauer Land zu viel Nässe ausgesetzt sind, während die folgenden Junghasen oft der Gefahr des landwirtschaftlichen Feldermähens ausgesetzt sind.

Doch nicht nur das Mähen, sondern auch das Düngen der Felder gefährdet das Leben der Hasen, da so die Artenvielfalt der Kräuter und Gewächse verloren geht. Diese benötigt der Hase um sich instinktiv die richtigen Heilkräuter aus seiner „Hasenapotheke” zu suchen. Folglich ist der Hase nun mehr Krankheiten, wie z.B. der Nagerpest ausgesetzt.

Allerdings macht Hermann Carl den Landwirten keinen Vorwurf, da diese konkurrenzfähig bleiben und daher weiter Gülle verwenden müssen.

Eine weitere Bedrohung liegt in der schweren Überwinterung der hier ansässigen Feldhasen. Nach dem „Ernteschock” im Herbst sind die Felder kahl und vollständig geerntet, sodass Deckung und Nahrung für die Hasen zur Mangelware werden. Zudem bedeckt der Schnee die verschiedenen Gräser, sodass die Hasen an Hecken auf Knospen und Gehölze als Nahrung zurückgreifen müssen.

Schnittgut liegen lassen

Folglich erklärt Hermann Carl: „Jeder Garten- und Obstbaumbesitzer kann dem Hasen helfen, indem er beim jährlichen Obstbaumschnitt das Schnittgut (Prossholz) liegen lässt.”

Des Weiteren bittet Hermann Carl die Hundebesitzer, ihre Hunde nicht in die Wiesen laufen zu lassen, um die Hasenjagd zu vermeiden. Außerdem sollten Autofahrer besonders nachts Wildunfälle vermeiden und Bauern sollten weniger wertvolles Land als Ödland bzw. Brachfläche völlig unbearbeitet dem Niederwild und einigen Vogelarten zur Verfügung stellen.

In einem weiteren Aufruf bittet er, den Fund von toten Hasen, dem Jagdpächter zu melden, damit die Hasen zum Veterinärmedizinischem Untersuchungsinstitut in Krefeld geschickt werden. Hier werden die Todesursache und die in Verbindung damit auch mögliche Krankheiten festgestellt und dem betreffenden Jagdpächter übermittelt. Auskunft darüber, welcher Jagdpächter für welchen Bereich zuständig ist, erhält man in der unteren Jagdbehörde der Städteregion Aachen.

Durch die Erfüllung dieser Bitten erhofft er sich „einen gesunden, vernünftigen Hasenbestand, der nicht mehr gefährdet ist.”

Leider kann auch der Leiter der „Rollenden Waldschule” keine Erklärung dafür geben, dass der Osterhase die Eier bringt. Er vermutet, dass diese Vorstellung dadurch entstanden ist, dass Hasen aufgrund des wachsenden Grases in der Osterzeit häufiger auf den Feldern gesichtet werden.

Und obwohl eigentlich nicht der bekannte Feldhase gemeint ist, freut Hermann Carl sich darüber, dass Ostern dem Hasen eine positive Wertigkeit gibt.


Die kirchliche Bedeutung des Osterhasen

Als Auferstehungssymbol gilt der Hase seit Ambrosius von Mailand (Heiliger und Kirchengelehrter/339-397 n. Chr.). Im Mittelalter fand die vielfältige christliche Hasensymbolik in vielen Bildwerken ihren Ausdruck. Die Verbindung des Hasen mit dem österlichen Eierbrauch ist jedoch noch unklar, auch wenn die griechische Fruchtbarkeitsgöttin Aphrodite den Hasen als Zeichen hat, da Hasen sich durch eine besonders hohe Fruchtbarkeit auszeichnen.

Die etymologische Verwandtschaft des Wortes Ostern ist zudem mit einer nicht sicher nachgewiesenen angelsächsischen Frühlingsgöttin Eostre oder dem deutschen Equivalent Ostara, deren Symbol Hase und Ei sein sollen, bekannt.

Das Osterfest basiert zudem auf dem Mondkalender, der erste Vollmond nach Frühlingsanfang markiert diesen Termin, der darauf folgende Sonntag ist der Ostersonntag. Der Mond wird durch den Hasen symbolisiert, auch unser Märchen vom Hasen und dem Igel basiert hierauf.

Das protestantische städtische Bürgertum entwickelte ab etwa 1700 den Brauch des Ostereiersuchens. Oft erwähnt wird die Möglichkeit einer städtischen Entwicklung des Osterhasen als Erklärung für die Kinder, wo die Eier herkommen. Bauernkinder hätten eine solche Geschichte nicht geglaubt. Bei näherem Hinsehen erweist sich das jedoch als wenig stichhaltig. Denn ein Stadtkind des 18. Jahrhunderts dürfte sehr wohl mit Hasen und Hennen vertraut gewesen sein.

Dass der Osterhase eine protestantische Erfindung sei, wird dadurch erklärt, dass sich in katholischen Gegenden durch die Fastenzeit zu Ostern ein großer Bestand an Eiern angehäuft hat. Da Protestanten ihre Kinder nicht mit dem katholischen Brauch des Fastens bekannt machen wollten, hätten sie zur Erklärung des Phänomens den Osterhasen erfunden.

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