Das Wir-Gefühl: Was Schützenbrüder heute noch zusammenschweißt

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Für Kurt Bongard (links) und Bruno Wilden ist das Schützenwesen auch eine Weltanschauung. In den Händen halten sie eine Erinnerungsmedaille an das noch kommende Bezirksbundesfest und das Jubiläumsbanner des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zum 50-jährigen Bestehen der St. Johannes-Bruderschaft. Foto: Ernst Schneiders

Simmerath. 50 Jahre alt wird in diesem Jahr die St. Johannes-Schützenbruderschaft Simmerath. Groß gefeiert wird dieses Jubiläum vom 21. bis 23. August in Verbindung mit dem 61. Bezirksbundesfest. Ob die Schützen zu einer aussterbenden Art gehören und die von ihnen vertretenen Werte Glaube, Sitte und Heimat überhaupt noch zeitgemäß sind, wollten wir wissen.

Ernst Schneiders hat mit Bruno Wilden, Brudermeister der St. Johannes-Bruderschaft, und Kurt Bongard, Diözesanbundesmeister und Bezirksbundesmeister des Bezirksverbandes Monschau, gesprochen.

Schützen in ihren Uniformen haben heutzutage beinahe etwas Exotisches. Gehören Sie zu einer aussterbenden Art?

Wilden: Zu einer konservativen Art.

Bongard: Der gesellschaftliche Stellenwert der Schützenvereine ist regional verschieden. In Richtung Niederrhein ist ein Schützenfest das große Ereignis, da geht jeder hin. In Eschweiler beispielsweise sind wir froh, wenn wir beim Festzug Zuschauer an den Straßenrändern haben. Im Bezirksverband Monschau liegen wir gut mittendrin, obwohl es auch hier Orte wie Mützenich gibt, in denen das ganze Dorf hinter seinem Schützenverein steht.

Sind die Grundsätze der Schützen Glaube, Sitte und Heimat im 21. Jahrhundert überhaupt noch aktuell und an den Mann zu bringen?

Bongard: Natürlich sind wir inzwischen auch etwas liberaler geworden, aber ein Kegelclub sind wir immer noch nicht. Wer zu den Schützen kommt, der muss sich zu ihren Zielen bekennen, sonst ist er bei uns fehl am Patze. Wer zum Beispiel nicht zur Schützenmesse in die Kirche kommt, der kann auch nicht dieses Wir-Gefühl spüren. Beim Festzug wird das nicht vermittelt.

Wilden: Konservativ zu sein, ist nicht unbedingt ein Makel. Das Festhalten an Werten und Traditionen hat auch viel Positives.

Was machen Schützen eigentlich, wenn sie nicht in Uniformen umherlaufen und auf Holzvögel schießen?

Wilden: Die Schützen übernehmen mehr und mehr allgemein-soziale Aufgaben. So hat beispielsweise die kleine Simmerather Bruderschaft in Eigenleistung und ausschließlich mit Eigenmitteln auf der grünen Wiese einen Anbau am Pfarrhaus errichtet und unterhält das gesamte Gebäude seit zehn Jahren ohne einen Cent Zuschuss.

Bongard: Unter den 1700 Schützen im Bezirk sind etwa 200 Jugendliche, die sich vielfältig engagieren, vornehmlich im sozialen Bereich, was mit schießen nun überhaupt nichts zu tun hat. Die jungen Leute pflegen darüber hinaus gemeinsame Aktivitäten. Dazu gehören Zeltlager, Ausflüge und vieles mehr.

Wo Sie schon von schießen sprechen. Haben Ereignisse wie der Amoklauf von Winnenden oder die Debatte um die Verschärfung des Waffenrechts in den Vereinen zu Unruhe oder sogar zu Abgängen geführt?

Wilden: Winnenden hat es unter anderem deshalb gegeben, weil jemand seine Waffen nicht ordnungsgemäß aufbewahrt hat. Jemand hat sich nicht an die Vorschriften gehalten, mit den bekannten, furchtbaren Folgen. Personelle Einbrüche hat es bei uns nicht gegeben. Es kann natürlich sein, dass Eltern ihre Kinder aus Sorge erst gar nicht zu uns kommen lassen. Das sind Dinge, die wir aber nicht wissen.

Bongard: Neben dem sachgerechten Umgang mit den Waffen ist es auch unbedingt erforderlich, regelmäßig die sachgerechte Aufbewahrung der Waffen zu kontrollieren. Wer sich gegen solche Kontrollen wehrt, der muss sch fragen lassen, ob er bei uns Schützen gut aufgehoben ist. Ich bin 1973 im Alter von 15 Jahren zu den Schützen gekommen. Dort hat man mir mit dem Luftgewehr das Schießen beigebracht und den verantwortungsbewussten Umgang mit einer Waffe. Was ich damals nicht kannte, waren die Computerspiele, in denen pausenlos herumgeballert wird.

Ist es schwierig, heutzutage Jugendliche für den Schützenverein zu begeistern?

Wilden: Natürlich gibt es heute viele Anreize, seine Freizeit zu verbringen. Wir müssen in diesen Dingen noch moderner werden. Aber wird müssen den jungen Leute auch klar machen, dass wir nicht nur Löcher in Pappe schießen. Es geht um den Schießsport. Wir befinden uns mit unseren Anstrengungen in diese Richtung auf einem gute Weg und hoffen, dass wir auch entsprechenden Zulauf haben werden.

Bongard: Unsere Ausbilder werden intensiv und lange geschult, auch wegen des Waffengesetzes. Aber unsere Ausbildung wird vom Bundesverwaltungsamt anerkannt.

Welches soziale Projekt steht als nächstes an?

Bongard: Wie in jedem Jahr, so unterstützen wir auch bei unserem Bezirksbundesfest Ende August in Simmerath wieder eine soziale Einrichtung. Alle Bruderschaften des Bezirksverbandes sammeln bis dahin Geld. Die Bundesschülerprinzessin Anna Lena Kasten wird dann den Spendenscheck an das Helena-Stollenwerk-Haus überreichen.

Zum Abschluss ein Blick in die Zukunft. Wird es in 15 oder 20 Jahren noch Schützenvereine geben, wie wir sie heute kennen?

Wilden: Die Inhalte werden sich auch in Zukunft nicht wesentlich ändern. Glaube, Sitte und Heimat sind tief verwurzelt. Gegenseitige Hilfe und soziales Engagement wird es weiterhin geben. Schon heute kommen jüngere Leute zu uns, die im sozialen Bereich kräftig anpacken, die für ein Mitmarschieren im Festzug aber nicht zu haben sind.

Bongard: Schützenvereine wird es auch in 20 Jahren noch geben. Wahrscheinlich hat sich die Form dann geändert, aber das Wir-Gefühl wird bleiben, ein Gefühl, das uns zusammenschweißt. Dieses Wir-Gefühl, zum Beispiel beim Bundesköniginnentag 2004 in Simmerath, hat dazu geführt, dass Schützen von weither wiederkommen, und sei es, um als Touristen die Eifel zu erkunden oder um privat Freundschaften zu vertiefen. Das ist uns gut gelungen. Wir sind gerne Schützen!
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