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Das Wetter bessert sich

Von: lb/ja/kol/fel/dpa/dapd
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Simmerath Schnee Aufräumarbeiten
Es schneit nicht mehr - jetzt beginnen die Aufräumarbeiten. Mancherorts wird schweres Gerät eingesetzt, wie hier in Simmerath. Aufgrund der außergewöhnlich großen Schneemengen sind in Mützenich und Stolberg schon zwei Reithallen eingestürzt. Behörden warnen Besitzer von Flachdächern. Foto: psm

Aachen/Düren/Düsseldorf. Nach dem Schneechaos an Heiligabend ist am ersten Weihnachtstag in Nordrhein-Westfalen langsam wieder festtägliche Ruhe eingekehrt. Besonders Reisende konnten am Samstag vorsichtig aufatmen. Züge im Nahverkehr waren nach Angaben eines Bahn-Sprechers nur noch „mäßig verspätet”. Der Betrieb an den Flughäfen im Rheinland lief wieder weitgehend normal. Auf den Straßen ging die Zahl der Unfälle zurück. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sprach vom „schneereichste Weihnachten seit über 100 Jahren”.

Trotz der weißen Pracht warnte die Polizei vor Waldspaziergängen. Im Gelsenkirchener Stadtwald hatte am Freitag ein herabstürzender Ast eine 47-jährige Frau erschlagen.

Von Heiligabend um 4.00 Uhr bis Samstag um 12.00 Uhr zählte die Landesleitstelle der Polizei insgesamt fast 1000 witterungsbedingte Unfälle mit 43 Verletzten in NRW. Der ganz überwiegende Teil davon ereignete sich am Freitag, am Samstagmorgen waren es nur noch 100 Unfälle.

Auch der öffentliche Nahverkehr kam in einigen Städten wieder in Fahrt. Nachdem das extreme Winterwetter mit bis zu 20 Zentimetern Neuschnee am Freitag unter anderem im Kreis Recklinghausen das Nahverkehrssystem zum Erliegen gebracht hatte, berichtete die Polizei am Samstag wieder von rollenden Bussen. Die Düsseldorfer Straßenbahnen standen allerdings seit Samstagmittag wieder still, weil der vereiste Schnee Weichen und Schienen blockierte, wie eine Sprecherin der Rheinbahn sagte.

Weil seit der Stillen Nacht kein Neuschnee fiel, meldeten die Einsatzkräfte keine weiteren eingestürzten Dächer. An Heiligabend waren in mehreren Städten Dachkonstruktionen unter der Schneelast zusammengebrochen. In Aachen hatte die Stadt sogar vorübergehend einen Krisenstab eingerichtet und Flachdächer statisch geprüft. In der Region waren die Dächer zweier Reithallen und ein Scheunendach eingestürzt. In Münster konnte das Dach einer Turnhalle der Last nicht mehr standhalten, in Dortmund gab die Überdachung einer ehemaligen Industriehalle nach und stürzte in Teilen ein. Es wurde aber nirgendwo jemand verletzt.

Wegen des Schnees wurden mancherorts sogar die Weihnachtsgottesdienste abgesagt. In Haltern am See (Kreis Recklinghausen) mussten zwei Kirchen aus Sicherheitsgründen geschlossen werden, weil die Schneelast auf den Kirchendächern zu groß war. Dies habe der Kirchenvorstand nach Besprechungen mit Feuerwehr und THW entschieden, teilte die katholische Pfarrgemeinde St. Marien auf ihrer Internet-Seite mit. Auch in Stolberg bei Aachen sagten mehrere Gemeinden aufgrund der Schneemassen ihre Messen ab.

Am ersten Weihnachtstag zog es viele Spaziergänger in die weißen Winterlandschaften. Die Polizei warnte jedoch vor Ausflügen in den Wald, da wegen der hohen Schneelast Äste abbrechen oder Bäume umstürzen könnten.

In den Wintersportgebieten tummelten sich viele Ausflügler. Alle Skilifte liefen, und auch Langläufer waren unterwegs. Überall im Land lieferten Kinder und Erwachsene sich Schneeballschlachten oder bauten Schneemänner. Vielerorts wurden Hügel als Rodelpisten genutzt. Und auch in Großstädten zog so mancher Vater sein Kind auf einem Schlitten durch die Straßen.

Eine Weiße Weihnacht in ganz Nordrhein-Westfalen gab es zuletzt 1986. Am Samstag lagen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) überall zwischen 20 und 80 Zentimeter Schnee. Damit sei es das „schneereichste Weihnachten seit über 100 Jahren”, sagte Günther Hamm vom DWD Essen. Er versprach für die nächsten Tage ein Wetter, „bei dem man den Winter auch mal genießen kann”: Nur leichte Schneefälle und Temperaturen um den Gefrierpunkt.

Die Polizeibehörden in der Region hatten an Heiligabend aufgrund der Witterungslage dringend dazu geraten, das Auto stehen zu lassen. In Mützenich (Nordeifel) war am Freitag eine Reithalle unter der Schneelast zusammengebrochen, ebenso in Stolberg, wo zudem noch das Dach eines Sägewerks nachgab. Dabei wurde glücklicherweise niemand verletzt, auch die Pferde kamen mit einem Schrecken davon.

Auf die akute Einsturzgefahr von Dächern durch die erhöhte Schneelast haben derweil auch Polizei und Feuerwehr in Aachen hingewiesen. Vor allem Flachdächer solle man nicht betreten, teilte die Stadt mit. Die Stadt bat auch, „nach Möglichkeit das Auto nicht zu nutzen und zu Hause zu bleiben”. Wälder solle man meiden. Wer unbedingt einen Waldspaziergang machen wolle, solle nur in Begleitung gehen und auf Hauptwegen bleiben.

Die Aseag wird den Busbetrieb in der Städteregion auch am Samstag weiter ruhen lassen. Das hat der Krisenstab des Unternehmens am Mittag beschlossen, wie Pressesprecherin Anne Linden auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte. Allerdings sollen im Nachmittag einige Testbusse durch die Stadt fahren, um auszuloten, welche Fahrstrecken passierbar sind. „Das Problem sind nicht die Haupt-, sondern die Nebenstraßen”,sagte Linden. Wenn es eben möglich ist, sollen ab Sonntag wieder einige Buslinien den Betrieb aufnhemen. Aktuelle Informationen gibt es auf http://www.aseag.de oder unter der Telefonnummer 0241/16881.

Angespannte Situation in Düren

Trotz des nahezu pausenlosen Einsatzes der Streu- und Räumdienste im Kreis Düren war die Verkehrssituation am Freitag auf den Straßen mehr als angespannt. Wie ein Sprecher der Polizei mitteilte, bleiben Streifenwagen sogar mit aufgezogenen Schneeketten im Schnee hängen. Mehrere Fahrzeuge haben sich bereits festgefahren, Lastkraftwagen stehen quer. Im Verlauf des Samstags verbesserte sich allerdings auch dort die Lage.

Im Öffentlichen Personennahverkehr geht kaum mehr etwas. Die Dürener Kreisbahn hatte bereits am Donnerstag mit Beginn des Heiligabendfahrplans um 4.30 Uhr alle Fahrten bis auf Weiteres eingestellt. Die Busse hätten nicht einmal das Betriebsgelände verlassen können, erklärte ein Sprecher. Auch auf den Strecken der Rurtalbahn geht nichts mehr.
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