Nordeifel - Das Wasser im Rursee ist für Fische zu sauber

Das Wasser im Rursee ist für Fische zu sauber

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Die Angler am Rursee haben vielleicht nicht so viele Fische am Haken wie sie es gerne hätten, was sie aber fangen, ist von ausgezeichneter Qualität. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Mit seinen 205 Millionen Kubikmetern Fassungsvermögen ist der Rursee ein ziemlich großer Teich, in welchem man Fische in Massen vermutet. Gibt es auch, aber es könnten wesentlich mehr sein.

Wenn das Wasser nicht so sauber und nicht bis auf den Grund des maximal 66 tiefen Gewässers so sauerstoffreich wäre. Die Wasserqualität ist exzellent, aber sie reduziert gleichzeitig das Nahrungsangebot für die Fische gewaltig.

Es fehlt an Schwebstoffen, und auch der Anteil der Algen ist zu ziemlich dürftig. Hinzu kommen die schwankenden Pegelstände, so dass in Frühjahr der Fischlaich oft an der Luft vertrocknet.

Walter Sollbach, Vorsitzender des Rheinischen Fichereiverbandes von 1880 mit Sitz in Köln, nimmt diese Tatsache mit rheinischer Gelassenheit zur Kenntnis: „Es hat keinen Sinn, sich darüber zu ärgern. Die Situation ist wie sie ist!”

Sein Verband hat von einem Potsdamer Institut eine Studie über die Fischereimöglichkeiten im Rursee erstellen lassen, „denn uns Angler interessiert natürlich in erster Linie der Fisch”.

Höchstens acht Tonnen


Aus einem so großen Gewässer wie dem Rursee, an dem rundherum geangelt werden darf, müsste man im Prinzip pro Jahr bis zu 30 Tonnen Fisch herausziehen, ohne die Bestände zu gefährden. Die rund 130000 Euro teure Studie, mitfinanziert vom Land, kommt zu einem anderen Ergebnis.

Sollbach: „Wir Angler müssen uns mit 7,5 bis acht Tonnen im Jahr begnügen. Davon fressen die Kormorane noch etwa 2,8 Tonnen weg.” Eine Abneigung gegen dieses Vögel hegt Sollbach dennoch nicht: „Die fangen Fische, weil sie Hunger haben, und von irgendetwas müssen diese Tiere schließlich auch leben.”

Für die Trinkwasserversorgung der Region sei die Wasserqualität „prima”, wie der Vorsitzende des Fischereiverbandes bekennt, und für ein Trinkwasserreservoir auch „völlig normal”, aber: „Wir Angler hätten es natürlich lieber anders.”

Beispielsweise wie in der Urfttalsperre, wo es durch den Zulauf der Urft viel mehr Schwebstoffe gebe und Sedimente eingespült würde, was ein größeres Nahrungsangebot für die Fische bedeute. Das alles gibt es in der Rurtalsperre nicht oder nicht in dem für die Petrijünger wünschenswerten Maße.

Auf die Artenvielfalt ha die Wasserqualität keinen großen Einfluss. Unter Wasser tummelt sich so gut wie alles, was auch in anderen Süßgewässern zu finden ist: Barsche, Zander, Rotaugen, Brassen, Hechte, auch Karpfen (obwohl das Wasser eigentlich etwas zu kalt ist) und, und, und.., darunter durchaus richtige „Brocken”.

Es sind jedoch nicht nur weniger Fische als in vergleichbar großen Gewässern, sie wachsen auch langsamer, so Sollbach. Während ein Fisch normalerweise nach drei bis fünf Jahren fortpflanzungsfähig ist, entwickeln sich die Tiere im Rursee langsamer. Sie werden erst später geschlechtsreif.

Laichhilfen

Weil aber das Nahrungsangebot eines Gewässers von außen nicht zu verändern ist, müssen die Angler zu anderen Mitteln greifen. Dazu gehört einmal der, auch im Hegeplan vorgeschriebene, Neubesatz, um die Arten zu erhalten.

Dies geschieht nur, so Walter Sollbach, wenn es unbedingt erforderlich ist, „und dann auch mit Augenmaß”. Wenn es in einem Gewässer beispielsweise Nahrung für 15 Tonnen Fisch gibt, dann ist es laut Sollbach unverantwortlich, 20 Tonnen einzusetzen. Das Ergebnis wäre eine Hungersnot unter Wasser.

Auf andere Weise wollen die Fischer jedoch zur Arterhaltung im Rursee beitragen und die „natürliche Reproduktion” unterstützen: Um künftig zu verhindern, dass vor allem in Frühjahr viel Fischlaich wegen der schwankenden Pegelstände des Sees vertrocknet, sollen an den Bootsstegen, die mit den Wasserstand steigen und fallen, unter der Wasserlinie große Laichbürsten angebracht werden, in denen der Fischlaich sich verfangen und der Nachwuchs sich entwickeln kann.

„Bedenkenlos essen”

Derweil trösten sich die Angler über die geringen Stückzahlen mit der „hohen Qualität” ihres Fangs hinweg. Walter Sollbach: „Die Fische aus dem Rursee sind wegen der vorzüglichen Wasserqualität top in Ordnung und nicht belastet, das Fleisch ist fest und schmackhaft. Man kann diese Fische bedenkenlos essen!”
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