Das Leben früher in der Eifel: „Genau so ist es gewesen!”

Von: P. St.
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Dem Landleben eng verbunden: A
Dem Landleben eng verbunden: Autor Jupp Hammerschmidt alias Wendelin Rader aus Höfen erzählt in seinem neuen Buch „Das Klümpchensglas” 22 Geschichten aus der Eifel. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Jupp Hammerschmidt weiß noch ganz genau wie das früher in der Eifel gewesen ist: Als in der Fastenzeit das Klümpchensglas auf dem Schrank stand, der Pferde-Schneepflug durch die Straßen seines Heimatdorfes Höfen fuhr oder mit viel Aufwand ein Familienfoto arrangiert wurde...

In seinem soeben erschienenen neuen Buch „Das Klümpchensglas” erzählt der 64-Jährige Geschichten aus der einst heilen Welt abgeschiedener Eifel-Dörfer. Die Eifeler im etwas reiferen Alter haben sofort ein Bild vor Augen, wenn sie „Klümpchensglas” hören. Sie sehen ein volles Glas zusammengeklebter Bonbons, die in der Fastenzeit gesammelt wurden, vor ihren Augen. Bekanntlich war für die Eifeler Kinder in früherer Zeit Süßes in der Fastenzeit tabu.

Jupp Hammerschmidt hat seine Kindheit, die in die Zeit der Wirtschaftswunderjahre fiel, noch in bester Erinnerung, als das Dorf noch eine „Insel der Glückseligkeit” war, die Kaffeemühle noch an der Küchenwand hing und es bei der Dorfkirmes noch keinen „DJ” gab.

Zum Teil seien die Geschichten ein wenig überzogen, aber so verstärke sich der Wiedererkennungswert und viele Menschen, die das Eifeler Landleben aus früherer Zeit erlebt hätten, bestätigten dem Verfasser: „Genau so ist gewesen!”

Humor, Ironie und kritische Bezüge zur Gegenwart begleiten den Leser in 22 Geschichten, und Jupp Hammerschmidt räumt ein, dass der Blick zurück „immer präsenter wird je älter ich werde.” So kann er auch bei sich selbst die Tendenz nicht verkennen, dass „im fortgeschrittenen Alter die Sehnsucht nach der wohl behüteten Zeit auf dem Dorf wieder eine neue Wertschätzung gewinnt.”

Hammerschmidt lebt zwar schon seit vielen Jahren in Aachen, aber „Städter” ist er deswegen noch lange nicht. „Städter” ist in der Eifel eher Schimpfwort und bezeichnet jene Neubürger, „die viel Geld mitbrachten und die Dorfstruktur zerstörten.” Der Zusammenhalt in den Dörfern sei heute nicht mehr in so hohem Maße gegeben, der Insel-Charakter sei verloren gegangen und die jungen Leute seien dank verbesserter Mobilität nicht mehr an die engen Grenzen des Dorfes gebunden. Jupp Hammerschmidt: „Die Globalisierung hat auch die Eifel-Dörfer schwer getroffen.”

Das Bild der vertrauen Heimat ist für den Autor immer noch ein leuchtendes Bild für Harmonie und Ordnung: „Damals hatte die Kleidung der Menschen auch noch Stil. Heute läuft jeder mit Jeans herum, und am schlimmsten ist es, wenn die auch noch gebügelt sind,” bedauert Jupp Hammerschmidt den Verlust von dörflicher Identität. So versteht er sein Buch, das in erster Linie die Menschen unterhalten und amüsieren soll, auch als ein Stück Heimatgeschichte und als Appell, die dörfliche Tradition zu pflegen, denn wie heißt es in einer Geschichte: „Heuböcke gehören in die Eifel wie die Pyramiden nach Ägypten.”

Der Eifel als möchte Jupp Hammerschmidt auch weiterhin verbunden bleiben: Nachdem er als Kabarettist im Duo mit Hubert vom Venn als „Die Zwei aus der Eifel” Ende des Jahres Abschied nimmt, möchte er die Figur des Jupp Hammerschmidt in einem Soloprogramm weiter leben lassen. Im Jahr 2012 will er starten, und im Programm aus Liedern, Gedichten und Geschichten soll sich selbstverständlich alles um das Thema Eifel drehen.
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