Das Eifelwasser wechselt die Straßenseite

Von: Heiner Schepp
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Die Bagger haben Grasnarbe und Mutterboden für den neuen Hochbehälter beiseite geschoben, nach Fertigstellung des Bauwerks wird der überwiegende Teil des Bodens wieder beigeschoben und den neuen Speicher überdecken. Foto: Heiner Schepp

Mützenich/Nordeifel. Seit der vergangenen Woche wird fleißig gebuddelt hoch über Mützenich. Links vom Wirtschaftsweg in Verlängerung des Oberen Stehlings haben Bagger damit begonnen, auf einer größeren Fläche Erdreich abzuschieben. Es sind die ersten Arbeiten für den Bau des neuen Hochbehälters Mützenich, der genau gegenüberliegend der bisherigen Anlage spätestens ab Mitte 2014 das Trinkwasser für weite Teile der Nordeifel im freien Gefälle zu den Haushalten liefert.

Der neue, 1,8 Millionen Euro teure Speicher ersetzt den alten Hochbehälter, der zuletzt erhebliche statische Probleme offenbarte.

Sanierung oder Neubau? Das war daher die Frage, die in den Gremien des Wasserversorgungszweckverbandes über Monate diskutiert und schließlich im Juni 2012 von der Verbandsversammlung entschieden wurde. Im Rahmen der Voruntersuchungen hatte sich schon bald herausgestellt, dass eine Sanierung der 1955 bzw. 1967 gebauten Behälter schwierig, unzweckmäßig und nicht zuletzt unwirtschaftlich sein würde. Eine Kostenschätzung für eine umfangreiche Sanierung (Korrosion, Risse im Beton) landete bei knapp zwei Millionen Euro, der Neubau bei 1,8 Millionen Euro.

85 Prozent der Tagesproduktion des Wasserwerkes Perlenbach laufen über den Hochbehälter Mützenich. Die über 600 Meter hoch gelegene Verteilstation unterhalb des Stehlings ist eine tragende Säule der Wasserversorgung. „Das Trinkwasser wird aus der Perlenbachtalsperre einmal 190 Meter hochgepumpt und dann im freien Gefälle zum Verbraucher geliefert“, erläutert Derk Buchsteiner, Betriebsleiter des Perlbachwerks. Im Bereich Monschau werden nur Höfen und Kalterherberg – weil auf der anderen Seite des Tals liegend – sowie die Altstadt nicht über den Hochbehälter Mützenich versorgt.

Der große Rest des Versorgungsgebietes, also die restlichen Stadtteile von Monschau sowie Simmerath, Roetgen, Hürtgenwald und Kreuzau beziehen ihr Wasser über den Hochbehälter Mützenich, an den 20 weitere Behälter im 165 Kilometer langen Hauptleitungsnetz angegliedert sind. In der Liste der Hochbehälter ist der nun zu ersetzende in Mützenich beileibe nicht der älteste; die „Schätzchen“ in Bilstein oder Breiterscheid stammen aus den Jahren 1934 bzw. 1936. In Mützenich steht nun der fünfte Hochbehälter zur Erneuerung an, „der nächste wird dann voraussichtlich der nicht erdbebensichere 2000-Kubikmeter-Speicher in Heimbach-Hasenfeld sein“, blickt Derk Buchsteiner voraus.

Mit dem Neubau des künftig größten Hochbehälters schlägt der Wasserverband mehrere Fliegen mit einer Klappe. Kann der jetzige Behälter nur 30 bis 35 Prozent des Tagesverbrauchs (8500 cbm) aufnehmen, so kann der neue, doppelt so große Behälter rund 75 Prozent dieser Menge einlagern. „Das gewährleistet gleichmäßigere Versorgungsqualität, macht uns unempfindlicher gegen Verbrauchsspitzen und gibt uns die Sicherheit, die Anlage im Notfall auch einmal bis zu zwölf Stunden außer Betrieb setzen zu können“, erläutert der Betriebsleiter. „Und für die direkt unterhalb des Hochbehälters liegenden Hausanschlüsse gibt es durch die etwas höhere Lage künftig mehr Druck“, erwähnt Buchsteiner eine weitere Verbesserung.

Die Anwohner müssen allerdings in den kommenden Wochen auch einiges an Baustellenverkehr erdulden. Für das neue Bauwerk werden zwei runde, sogenannte Brillenbehälter aus Beton mit je 3000 Kubikmeter Fassungsvermögen gebaut. Dazu werden große Fertigbetonteile geliefert, die wie bei einem Iglu und konvex angeordnet, zu einer Kuppel zusammengebaut und verfugt werden. Was sich hier nach der Leichtigkeit von Lego anhört, ist tatsächlich massiv: Jede Kammer wird aus 28 knapp zehn Meter großen Bauteilen zusammengesetzt, insgesamt werden auf Tiefladern 150 Fertigteile zur Baustelle gekarrt. „Diesen Schwerlastverkehr wird der Wirtschaftsweg nicht überleben“, hat Derk Buchsteiner die vollständige Neuasphaltierung des Weges fest im Budget eingeplant.

Auch an den Grundstücksgrenzen auf dem Anfahrtsweg wird der Transport nicht spurlos vorübergehen. Deshalb erfolgt in diesen Tagen eine sogenannte Beweissicherung der privaten Hofeinfahrten, die dann gegebenenfalls im Zuge der Baumaßnahme repariert werden. „Es wird kein Grundstücksbesitzer auf einem Schaden sitzen bleiben“, versichert der Perlbach-Betriebsleiter.

Aufwendig ist die Maßnahme auch in anderer Hinsicht: Nachdem der Kampfmittelräumdienst auf dem neuen Grundstück nicht fündig wurde, hat die Bodenuntersuchung im Vorfeld dort schon massive Felsstrukturen gezeigt.

Deshalb ist Derk Buchsteiner auch noch vorsichtig, sich bei der Bauzeit auf ein Dreivierteljahr festzulegen. „Der endgültigen Bauzeitplan legen die hier kooperierenden Bauunternehmungen Balter (Losheim) und Lössner (Siegen) in den nächsten Tage vor“, so Derk Buchsteiner. Eigentlich hätten die Arbeiten schon im April beginnen sollen, doch musste der Landschaftsbeirat der Städteregion erst noch sein Okay geben.

Spätestens im Sommer 2014 jedoch wird fast jeder Tropfen Trinkwasser in der Nordeifel aus dem neuen Hochbehälter Mützenich kommen. Übrigens: Auf den Wasserpreis wirkt sich die Erhöhung äußerst minimal aus. Durch die Investition steigt dieser nur um etwa einen Cent pro Kubikmeter.

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