„Crash-Kurs“ für Fahranfänger: Unfallberichte gehen unter die Haut

Von: Jasmin Cool
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Groß war die Anteilnahme, als 2008 ein junges Mädchen bei einem Unfall bei Konzen ums Leben kam. Jetzt berichtete die Mutter des Opfers den Schülern von den schrecklichen Ereignissen, um sie zu sensibilisieren.

Monschau. Wenn der Führerschein geschafft ist, dann ist die Freude verständlicherweise groß bei jungen Menschen. Doch mit der großen Freiheit und Mobilität wachsen auch die Gefahren – gerade für Fahranfänger, wie die Polizei statistisch beweisen kann.

Jetzt versammelten sich in der Aula des St.-Michael-Gymnasiums in Monschau die Schüler der zehnten Klassen des MGM, der Elwin-Christoffel-Realschule und der Gemeinschafts-Hauptschule Monschau-Roetgen. Die Polizei NRW hielt für die Jungen und Mädchen einen sogenannten „Crash-Kurs“ ab, mit dem die Schüler auf die hohe Unfallquote bei jungen Fahrern aufmerksam gemacht werden sollten.

Steht der Begriff Crash-Kurs normalerweise für eine kurze, kompakte Information, so bezieht sich die Polizei mit ihrer Bezeichnung auf das Wort „crash“ im Sinne von Unfall.

Der Verkehrssicherheitsexperte der Polizei Aachen, Norbert Karl, leitete durch die Veranstaltung. Zu Beginn kündigte er den Schülern an, ihnen werde „heute viel zugemutet“, da Bilder und Berichte von schweren Unfällen der Region das Thema seien. Dies sei aber notwendig, da veranschaulicht werden müsse, dass die jungen Fahrer in NRW acht Prozent der Fahrer ausmachen und davon 20 Prozent in einen Unfall verwickelt seien. „Im Jahr 2012 sind in der Städteregion Aachen rund 500 Menschen in Eurem Alter verunglückt“, so Norbert Karl.

Dann sprach Karl die sogenannten „Killer“ im Straßenverkehr an: „Überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol, Drogen, Übermüdung und Überschätzung“ seien meistens die Unfallursachen.

Erschreckende Bilder

Nach einem kurzen Film, mit Bildern und Informationen über einige Unfälle der letzten drei Jahre in der Städteregion Aachen, kamen die Rettungsassistenten und Angehörigen zu Wort. Den Anfang machte Balthasar Tirtey, ein Wachdienstführer, der im Februar 2011 zu einem Unfall mit zwei Schwerverletzten gerufen wurde. Er schilderte den Schülern diesen Einsatz, der Unfall sei auf Grund von erhöhter Geschwindigkeit passiert. Er berichtete weiter, dass die zwei Insassen beide verstorben seien. Erst nach langen Versuchen der Identifizierung des Beifahrers habe sich herausgestellt, dass dieser ein Bekannter seines Neffen und der Stiefsohn eines Feuerwehrmannes war. Er habe ihn in der Unfallnacht aber nicht erkannt, was laut Tirtey auch gut war.

Augenzeugen berichten

Als nächstes berichtete der Kreisbrandmeister der Feuerwehr Herzogenrath, Bernd Hollands, von demselben Unfall. Er sei als Erster vor Ort gewesen und habe, trotz seines emotionalen Abwehrschirmes den Anblick, der sich ihm bot, nicht ganz vergessen. Auch er ist als Kollege des Stiefvaters des Verunglückten der Meinung, es sei gut gewesen, dass dieser in der Unfallnacht nicht erfahren hätte, wer der Beifahrer war.

Danach sprach ein Rettungsassistent der Feuerwehr Aachen über einen sehr schweren Verkehrsunfall, der sich im November 2011 in Brand ereignete. Bei diesem Unfall starben fünf Personen, die bei den meisten Helfern, die in dieser Nacht am Unfallort waren, bekannt waren. Diesen Großeinsatz werden die Helfer der Löschfahrzeuge, der Rettungswagen und des Notarztes wohl nie mehr vergessen.

Als nächstes sprach noch ein Notarzt, Dr. med. Tim Pietzsch, der einen Rettungshubschrauber des ADAC fliegt. Er wurde im August 2010 zu einem Einsatz gerufen, bei dem er vermuten musste, dass sein Bruder betroffen sei. Auch dieser Unfall wurde durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht.

Als letztes berichtete Nadina Faymonville von einem Unfall im November 2008, bei dem sie ihre Tochter verlor. Das junge Mädchen war als Beifahrerin in einen Unfall verwickelt und starb noch am Unfallort. Die Unfallursachen bei diesem Unfall seien Alkohol und überhöhte Geschwindigkeit gewesen erzählte die Mutter. Nadina Faymonville erzählt von der Unfallnacht und dem Morgen danach aus ihrer Sicht und von ihrem Schmerz über den Verlust ihrer Tochter.

Einigen Schülern gingen diese Berichte so nahe, dass sie den Raum verlassen mussten. Draußen warteten aber Seelsorger auf sie, um mit ihnen über die Berichte zu sprechen und ihnen zu helfen.

All das sollte den Jugendlichen klar machen, welch hohe Gefahren es im Straßenverkehr gibt. Außerdem sollten die Schüler erkennen, welche Folgen Alkohol und die anderen „Killer“ im Straßenverkehr haben.

Norbert Karl beendete die Veranstaltung mit der Aufforderung: „Tut das euch, euren Verwandten und uns nicht an!“

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