Nordeifel - CDU leckt ihre Wunden, SPD und FDP sind obenauf

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CDU leckt ihre Wunden, SPD und FDP sind obenauf

Von: Ernst Schneiders
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Nordeifel. Kaum stand die krachende Niederlage der CDU bei der Landtagswahl fest, ergoss sich Hohn und Häme über den Spitzenkandidaten Norbert Röttgen. So war bereits kurz nach der ersten Hochrechnung im Internet zu lesen, der Bundesumweltminister habe sein „Wahlziel erreicht”: Er dürfe zurück nach Berlin.

Bernd Goffart, Simmeraths CDU-Vorsitzender, hatte zwar nicht mit einem Traumergebnis für die Union gerechnet, aber „nur 26 Prozent, das ist schon sehr schlecht, da kann man nichts schönreden”. Goffart, der sich freute, dass Axel Wirtz noch über die Landesliste der Partei in den neuen Landtag einzieht, erwartet von der neu gewählten Landesregierung in der Gemeindefinanzierung ein anderes Prozedere. Es sei zwar bisher mehr Geld für die Kommunen ausgegeben worden, doch sei das „in den großen Städten im Ruhrgebiet gelandet”. Simmerath hingegen habe de facto 1,6 Millionen Euro weniger in der Kasse. Goffart: „Das muss anders werden!”

„Hoffnung für die Zukunft”

Während die Christdemokraten ihre Wunden lecken, herrscht bei den Sozialdemokraten eitel Sonnenschein. Einer der moderaten Vertreter aus den Reihen der Sieger ist Helmut Mulorz, SPD-Parteichef in Roetgen, wo Röttgen keine Chance hatte. Mulorz findet vieles am Wahlergebnis „schön”. Es sei schön, dass Stefan Kämmerling im zweiten Anlauf den Einzug in den Landtag geschafft habe, schön, dass nun in Düsseldorf eine stabile Regierungsbildung möglich sei, schön, dass Hannelore Kraft auch als Persönlichkeit so große Zustimmung erfahren habe, schön, „dass die SPD im Land wieder Fuß fast, was Hoffnung für die Zukunft im Bund macht”, und schön, dass die politische Landkarte in Deutschland wieder ein Stück weit korrigiert worden sei.

Dabei war Helmut Mulorz sich zunächst nicht sicher, ob es wegen der Piraten für Rot-Grün zur Regierungsbildung reichen würde. Umso größer war die Freude. Das CDU-Debakel lastet Mulorz nicht nur Norbert Röttgen an. Viele CDU-Wähler hätten wohl auch „die FDP retten wollen und deshalb Lindner gewählt”.

„Totenglöckchen geläutet”

Hermann-Josef Bongard, FDP-Fraktionsvorsitzender in Simmerath, verbarg seine helle Freude über den Wahlausgang nicht, nachdem „vor zwei Monaten bereits das Totenglöckchen für die FDP geläutet wurde”. Die „Person Lindner” und der „Ruck, der durch die Partei gegangen” sei, hätten für dieses unerwartet gute Abschneiden gesorgt. Bongard erwartet von seinen Parteifreunden jetzt eine „putzmuntere Opposition im Landtag”. Die deftige Niederlage für die CDU sei „absehbar” gewesen, so der Liberale, denn Spitzenmann Norbert Röttgen habe „nicht sehr glücklich agiert”.

Werner Krickel, Fraktionssprecher der Grünen im Monschauer Stadtrat und Direktkandidat seiner Partei im Wahlkreis Aachen IV, kann mit seinem Ergebnis „ganz gut leben”, weil es im Trend liege. Weil die Grünen stabil geblieben seien und die SPD stark zugelegt habe, komme es zu diesem deutlichen Wahlausgang.

Für die schallende Ohrfeige für die CDU sei zum einen deren Spitzenkandidat verantwortlich, zum anderen aber auch, so Krickels Einschätzung, dass viele aus der FDP-Klientel, die ansonsten wieder CDU gewählt hätten, in Christian Lindner die Alternative sahen. Werner Krickel: „Für die Schulpolitik in der Eifel ist es ganz gut, wenn in Düsseldorf eine grüne Schulministerin das Sagen habt.”

„Keine Säbel kaufen”

Als „die richtige Entscheidung für NRW” bezeichneteSilvia Bourceau , Vorsitzende der Roetgener UWG-Fraktion, den Wahlausgang. Nun müssten Rot und Grün zeigen, was ihre Versprechen wert seien, beispielsweise bei der Dichtigkeitsprüfung oder bei den kommunalen Finanzen. „Im Jahr 2017, bei der nächsten Wahl, muss Hannelore Kraft nachweisen, dass sie auf dem richtigen Weg ist.”

Auch wenn das Ergebnis der Freien Wähler „weder glorreich noch zufriedenstellend” sei, „werden wir deshalb jetzt keine Kopftücher und Säbel kaufen, damit man uns für Piraten hält”. Die Freien Wähler kämen aus den Gemeinden, die Piraten hingegen „aus Berlin, wo man ihnen eine ganz andere Aufmerksamkeit schenkt”. Von daher sei es nicht verwunderlich, dass der Start der Freien Wählen von nur „mäßigem Erfolg gekrönt” sei.

„Werden das schaffen”

Philipp Emmert, Direktkandidat der Piraten im Wahlkreis Aachen IV, ist „hocherfreut über die Zustimmung”. Auch bei der Erststimme hätten ihm viele Menschen das Vertrauen geschenkt, worüber er sich „wirklich gefreut” habe. Jetzt gelte es für die politischen Newcomer im Landtag, „basisdemokratisch Themen zu erarbeiten”. Und, davon ist Emmert überzeugt, „wir werden das schaffen”. Philipp Emmert selbst zieht es nicht in die Landespolitik. Er will sich voll in die Kommunalpolitik stürzen. Dazu gehöre auch die Gründung eines Arbeitskreises Kommunalpolitik im Monschauer Raum.

„Nicht vermittelbar”

Als „verheerend” bezeichnetMicha Kreitz, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Monschauer Stadtrat, das Wahlergebnis , das „leider auch in abgeschwächter Form auf Monschau durchgeschlagen” sei. Die Stimmungslage sei bereits seit geraumer Zeit schlecht gewesen: Der „Skandal” um den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff und dessen Amtsauffassung, die „nicht vermittelbare Diätenerhöhung in NRW” und ein Spitzenkandidat Röttgen, „der sich noch nicht einmal zu NRW bekennt, die Parteibasis nicht in den Wahlkampf einbezieht und die Sorgen und Nöte der Menschen im Land nicht ernstnimmt”.

Dem Rücktritt von Norbert Röttgen als Landesvorsitzender müsse „zwangsläufig der Rücktritt seines überforderten Generalsekretärs Wittke folgen”. Einziger Lichtblick für Kreitz an diesem für die Union so desaströsen Abend: Die „Linksextremen” hätten nicht wieder den Einzug ins Landesparlament geschafft.
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