Nordeifel - Bürokraten wollen Kreiseln an den Kragen

Bürokraten wollen Kreiseln an den Kragen

Von: Andreas Gabbert und Norbert Schuldei
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Kreisverkehre, wie hier am Druckereimuseum Imgenbroich, sind auch in der Eifel als Instrument zur Lenkung des Verkehrs beliebt. Die Gestaltung verleiht ihnen oft auch einen ästhetischen Aspekt: Damit ist die EU nicht einverstanden, doch die Verordnung aus Brüssel wird in den meisten Ländern ignoriert. Fotos (5): Andreas Gabbert Foto: Andreas Gabbert

Nordeifel. Kreisverkehre sind seit Ende der 1990er Jahre aus dem Boden geschossen wie im Herbst die Pilze im Wald. Wer von Monschau nach Simmerath fährt, kann es mit fünf Kreisverkehren aufnehmen. Nicht selten sind die Verkehrsinseln mit hübsch anzusehendem Grünzeug bepflanzt, die von den Mitarbeitern des Bauhofes im Sommer in aller Herrgottsfrühe liebevoll betränkt werden.

Bisweilen zieren Hecken, Kunstwerke, mächtige Findlinge mit kunstvoll geschmiedeten oder gegossenen Schriftzügen, Werbetafeln oder Schilder mit dezentem Farbaufstrich den Kreisverkehr. In Monschau an der Flora hat man Meter hohe Fahnen aufgestellt, die die Gäste aus dem Ausland begrüßen und der Stadt den Hauch eines internationalen Flairs verleihen sollen.

Kurzum: Die Kreisel sind zu repräsentativen Schmuckstücken umgestaltet worden. Und sie sind zu etwas wie Eingangstoren zu den Orten aufgestiegen.

Beseitigung von Risiken

Aus, vorbei, weg damit! Jedenfalls dann, wenn es nach den Bürokraten in Brüssel geht.

Für die nämlich sind mittig, seitlich oder in einem Kreisverkehr postierte Findlinge, Fahnen, Schilder oder sonstigen harte, jedenfalls nicht geschmeidige, weiche oder biegsame Gegenstände „feststehende, starre Hindernisse“. Und sowas gefährde die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer in nicht zumutbarer Weise, sagen die Experten der EU. Und haben deshalb in der Verordnung 2008/96/EG mit dem Titel „Sicherheitsmanagement für die Straßenverkehrsinfrastruktur“ festgeschrieben, dass „Sicht und Fahrtweg“ von Verkehrsteilnehmern nicht beeinträchtigt werden dürften. Die Mitgliedsstaaten werden zur Beseitigung dieser Sicherheitsrisiken aufgefordert.

In den vielen Ländern Europas wurde die Verordnung aus Brüssel bisher herzhaft ignoriert. Die Stadt Paris beispielsweise ließ wissen, dass man nicht gedenke, den Arc de Triomphe abzutragen. Und auch in der Eifel macht sich bislang kein Mensch daran, an Fahnenmasten zu sägen oder Kunstwerke abzutragen.

Für Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter steht die positive Wirkung solcher gestalterischen Elemente im Vordergrund, „so lange keine Verkehrsbehinderung oder andere Beeinträchtigungen entstehen“. Aber das müsse immer im Einvernehmen mit dem Eigentümer, dem Landesbetrieb Straßen.NRW geschehen, sagt Ritter.

In Simmerath sieht man die Sache ähnlich gelassen und will erstmal in Ruhe abwarten. „Wir wissen bisher nur aus den Medien davon“, sagt Bruno Wilden vom Ordnungsamt der Gemeinde.

Der Vergleich mag zwar etwas gewagt klingen, trifft aber den Kern: Was den Parisern der Arc de Triomphe sind für die Eifeler Fahnen, Hecken, Bäume, Steine und Schilder.

„Ja“, sagt Bernd Aulmann von Straßen.NRW, „wir wissen um die Problematik mit der EU-Verordnung.“ Allerdings würden in Abstimmung mit den Kommunen in den meisten Fällen einvernehmliche Regelungen gefunden. Lediglich im direkten Anfahrtsweg dürfe aus Sicht von Straßen.NRW nichts aufgestellt werden. „Innerorts wird das ohnehin nicht so streng gehandhabt, wenn auf dem Kreisverkehr ein starres Denkmal postiert ist, sonst müssten sie ja auch jede Hausecke oder Ampel mit Polstern versehen“, sagt er.

Oberste Priorität

Allerdings haben manche Autofahrer immer wieder ihre Probleme mit den Kreisverkehren. Nicht nur ein Mal ist ein Auto auf dem Kreisverkehr im Belgenbachtal gelandet, den inzwischen mittig ein Kunstwerk names „Polarität“ ziert.

Ein großes Problem war auch der Kreisverkehr an der Monschauer Flora im vergangenen Herbst für einen Lkw-Fahrer: Der hatte mit seinem Gespann die Kurve nicht bekommen und war mit seinem Gefährt umgekippt.

In der Eifel einen Kreisverkehr zurückzubauen, kommt bislang nicht in Frage. „Nein“, sagt Aulmann. „Abriss ist wirklich die ultima ratio.“ Auch der Abbau von Exponaten steht nicht zur Diskussion. „Wir werden keine Kunstwerke abbauen“, sagt Aulmann. Wenn sich an einem Kreisverkehr allerdings die Unfälle häuften, dann müsse reagiert werden und die Unfallkommission träte zusammen. „Oberste Priorität“, sagt der NRW-Straßen-Mann, „hat die Verkehrssicherheit.“ Auch im Kreisverkehr.

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