Roetgen - Bürgerinitiative: Weiter gegen Windpark und „Basta-Politik”

Bürgerinitiative: Weiter gegen Windpark und „Basta-Politik”

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Stürmische Zeiten stehen den Windpark-Gegnern im Roetgener Gemeinderat bevor. Angesichts der Katastrophe in Japan muss nicht nur die UWG (Bild) sich fragen, ob sie noch guten Gewissens gegen diesen Windpark stimmen kann. Foto: UWG

Roetgen. In Japan explodiert ein Atomkraftwerk und im mehr als 9000 Kilometer entfernten Roetgen macht man sich Gedanken, ob man noch guten Gewissens einen Windpark im Münsterwald ablehnen kann. Denn der Umstieg auf regenerative Energien ist nach den schier unvorstellbaren Ereignissen in Fernost quasi mit einem Schlage für viele Menschen zu einem Muss geworden, um möglichst rasch aus der hochgefährlichen und letztlich nicht zu beherrschenden Atomtechnologie aussteigen zu können.

Auch in der Bürgerinitiative gegen diesen Windpark waren die Ereignisse in Japan in den vergangenen Tagen Thema. „Furchtbar” sei es gewesen, was man habe lesen und sehen müssen, so Joachim Kreitz. Für ihn stellt sich angesichts der Horrorbilder dennoch nicht die Frage, die Bemühungen zur Verhinderung dieses Windparks jetzt einzustellen. Kreitz: „Wir machen weiter. Wir sind schließlich nicht gegen Windenergie. Wir wehren uns gegen den Standort.” Das habe nichts mit der Katastrophe in Japan zu tun.

In diese Richtung äußert sich auch Lothar Löhrer: „Wir sind nicht gegen Windenergie, im Gegenteil, wir brauchen diese Räder dringend. Nur ein Mix aus Wind-, Sonnen- und Bioenergie ermöglicht eine regenerative Versorgung mit sauberer Energie. Die letzten Tage haben gezeigt, dass Atomkraft nicht die Lösung sein kann.” Doch solle man die Anlagen dort errichten, wo sie weniger störend und zerstörerisch seien, beispielsweise entlang von Autobahnen. Erst wenn es kein anderen Flächen mehr gebe, sollte man überlegen, Windräder im Wald zu platzieren.

Während die Stadt Aachen sich weigere, im Stadtwald einen Windpark zu errichten, weil der Aachener Wald der Naherholung diene, habe sie im Entwurf der Flächennutzungsplanes den Lousberg als möglichen Standort vorgesehen. Löhrer: „Das ist purer Populismus, weil man auch im Aachener Rathaus weiß, dass der Lousberg archäologisches Gebiet ist und man dort gar keinen Windpark errichten darf. Aber daran sieht man, wie man im Aachener Rathaus agiert.”

Im Münsterwald hingegen würden drei Naturschutzgebiete von einem Windpark in Mitleidenschaft gezogen.

Sonnenenergie nutzen

Das sieht Joachim Kreitz genauso: Seltene Flora und Fauna werde geschädigt, ein Naherholungsgebiet für die Menschen aus Roetgen, Rott und aus dem Aachener Süden werde „verschandelt”, die Route der Zugvögel werde tangiert, es handele sich um schützenswerte Vorvennlandschaft und um ein Quellgebiet.

Kreitz: „Das müsste doch ausreichen, um auf diesen Standort zu verzichten.” Der Bürgerinitiativler verwies auf andere Arten regenerativer Energie. Würde man beispielsweise die Sonnenenergie in vollem Umfang nutzen, „könnte man alle Kraftwerke abschalten”.

Kritik kam auch von Joachim Kreitz an der „Basta-Politik der Frau Nacken und einiger Ratsmitglieder”. „Von denen wissen die meisten sicher gar nicht, welch herrliches Fleckchen Erde sie verschandeln wollen.”

Gegen Tihange demonstrieren

Außerdem, gab Kreitz zu bedenken, könne die Stadt Aachen hundert Windräder aufstellen, wo immer sie wolle. Sollte der Uralt-Meiler im belgischen Tihange in der Nähe von Lüttich explodieren, dann werde es in der Region wegen der vorherrschenden Windrichtung Süd-Südwest zappenduster. Joachim Kreitz: „Wir können aber gerne gemeinsam mit den Grünen für die Abschaltung dieses Atomkraftwerks demonstrieren.”

Für Lothar Löhrer könnte sich das weitere Prozedere relativ unproblematisch gestalten. Berechnungen hätten ergeben: Wenn man die bestehenden Standorte mit den modernsten verfügbaren Anlagen aufrüste, „gibt es keinen Bedarf für neue Standorte und erst recht keinen Bedarf für neue Standorte im Wald eines Naturparks mit unmittelbar angrenzenden Naturschutzgebieten”.
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